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Zimmern, Babylonische Busspsalmen. (Assyriologische Bibliothek Bd. VI).

Zimmern, Zur Herstellung der grossen babylonischen Götterliste An-(ilu) Anum, (Sitzungsberichte der Kgl.
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Zimmern, Neuj. I. Zum babylonischen Neujahrsfest (Abdruck aus den Berichten der philologisch historischen
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Zimmern, Neuj. II. Zum babylonischen Neujahrsfest. Zweiter Beitrag (Berichte über die Verhandlungen der
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Zimmern, Das babylonische Neujahrsfest (AO 25. Bd. 3 Heft) Leipzig 1926.

Zimmern, Sumerisch-babylonische Tamuzlieder (Abdruck aus den Berichten der philologisch-historischen Klasse der Kgl. Sächs. Ges. der Wissenschaften zu Leipzig LIX Band, Sitzung vom 13. Juli 1907.

EINLEITUNG

Bis zum Regierungsantritte Hammurabis herrschten die Gross-Könige Babyloniens nicht in einer einzigen Residenzstadt. Nach dem Fragment einer altbabylonischen Königsliste (vgl. Poebel, Historical Texts, 81) regierten nach der Flut bis ungefähr zur Zeit des obigen Herrschers 139 Könige in 11 verschiedenen Städten Babyloniens. Hammurabi stürzte die Dynastie Larsa, welche ihrerseits kurz zuvor die Dynastie Nisin zu Fall gebracht hatte. Von da ab wurde die Stadt Babylon die einzige Residenzstadt Babyloniens. Der jeweilige König von Babylon war auch Grosskönig von Babylonien. Dieses blieb so bis zur Zeit Seleucus I, der durch Gründung von Seleucia Babylon zur Provinzialstadt degradierte. 1700 Jahre (von ungefähr 2000-300 v. Chr.) leitete also die Stadt Babylon die Geschicke von ganz Babylonien.

Nach babylonischer Auffassung trat damit Marduk, der Stadtgott Babylons, an die Spitze des Pantheons von ganz Babylonien. Der klassische Text, durch den dieser Glaube der alten Babylonier dokumentiert wird, ist der erste Satz des berühmten Gesetzeskodex Hammurabis, welcher lautet: Zur Zeit als der erhabene Anu, der König der Anunnaki, und Ellil, der Herr des Himmels und der Erde, der da bestimmt die Geschicke des Landes (Babylonien), dem Marduk, dem ersten Sohne Eas, die Herrschaft über die Gesamtheit der Leute bestimmt und unter den Igigi ihn gross gemacht hatten, als sie Babylon seinen erhabenen Namen gaben, es unter den Weltteilen gewaltig machten und darinnen ihm ein dauerndes Königtum, dessen Grundlage gleich Himmel und Erde feststeht, gründeten; zu derselben Zeit gaben Anu und Ellil mir, Hammurabi . . . . . meinen Namen ». Dramatisch vollzog sich diese Erhebung Marduks an die Spitze aller babylonischen Götter alljährlich bei der Feier des Neujahrsfestes in Babylon, bei welchem das Schöpfungsepos Enuma eliš rezitiert und aufgeführt wurde.

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Wie es scheint, hat sich ein ähnlicher Vorgang in Babylonien in praehistorischer Zeit schon einmal vollzogen. In der Urzeit war Ellil praktisch der Grosskönig (der Bêl) unter den babylonischen Göttern. Diese seine Bêlwürde musste er in seinem Alter dem jugendlichen Helden Ninurta (=Nimrod?) übergeben, wohl weil dieser der erste Begründer des für Babylonien so wichtigen Bewässerungssystemes war.

Literarisch kam dieser Regierungswechsel in der Götterwelt in der denkbar einfachsten Weise zum Ausdruck. In den religiösen Mythen und Epen und Hymnen zu Ehren Enlils, des alten Bêl, wurde kurzer Hand der Name des jungen Bêl eingesetzt, so vor allem im bedeutendsten aller babylonischen Epen, in Enuma eliš. Im Laufe des folgenden anderthalb Jahrtausends kamen zu der religiösen Literatur, die auf diese Weise umgeändert war, noch viele neue Texte hinzu, die eigens zu Ehren Marduks verfasst wurden.

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Nach unsern Panbabylonisten haben die religiösen Ideen der Babylonier den grössten Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung der alt- und neutestamentlichen Gottesauffassung gehabt. Wenn dem so wäre, müsste sich diese ihre Theorie vor allem bei Marduk bewähren. Denn er war ja von der Zeit Abrahams an bis zur babylonischen Gefangenschaft anerkanntermassen der oberste der babylonischen Götter. Diese Bedeutung Marduks für das alte und neue Testament gibt Zimmern ausdrücklich zu (vgl. KAT 375-396) und führt dann im besondern 14 Lehren unserer Christologie eventuell auf Marduk zurück. Was es mit diesen Behauptungen für eine Bewandtnis hat, wird sich im Laufe der vorliegenden Arbeit klar heraustellen.

Wer ist Marduk? - dies festzustellen bezweckt die vorliegende Arbeit, indem sie aus den nach Klassen_geordneten Texten die Aussagen der Babylonier hinsichtlich seiner Person sammelt. Erst wenn das Charakterbild Marduks, wie die Babylonier selbst es sahen, scharf und ruhig objektiv gezeichnet ist, lässt sich die Frage untersuchen, ob die Schriftsteller unserer hl. Schrift ihre Ideen bei den Babylo-niern geborgt haben.

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Die Anfänge der Verehrung des babylonischen Gottes Marduk sind in dasselbe Dunkel gehüllt, welches die Urgeschichte der Stadt Babylon umgibt. Der durch Aufschwemmung des Bodens erhöhte Stand des Grundwassers hat die ältesten Schichten der Stadt unzugänglich gemacht, doch beweisen an Ort und Stelle gefundene Feuersteingeräte die Existenz einer Ansiedelung in prähistorischer Zeit (Koldewey, Bab. 303). Winckler (Geschichte der Stadt Babylon, 10) führt die Gründung Babylons auf König Sargon von Agade zurück, nach 4 R, 34, 8-10a (Hom. Gr2: 336) Sargon, der unter den angeführten Vorzeichen die Machtfülle von [ká-dingir]-ra-ki ausübte, die Erdmassen der Ruinen von ká-tu-na wegräumte [und in der Nachbarschaft von] Agade eine Stadt baute und [ká dingir-ra-ki ihren Namen nannte.» Vorausgesetzt, daß die Ergänzung des Städtenamens richtig ist, würde aus diesem Texte nicht folgen, daß die erste Gründung der Stadt Babylon vom Könige Sargon von Akkad ausgegangen sei. Denn es kommt öfters vor, daß z. B. spätere Erneuerer von Tempeln sich Gründer des betr. Tempels nennen.

Derselbe König erbaute in Babylon dem Gotte Amal einen Tempel (Panth. 80). Ob hier Amal="Marduk, ist unbestimmt, vgl. OLZ 1912, 484, RA 7, 181. Jedenfalls scheint er aber ein Name Marduks sein zu können, vgl. RT 34, 109. In den Drehemtexten (de Gen. Tr. D... 11) begegnen wir der Stadt Babylon (ká-dingir-ki) und ihrem Patesi Arših im 2. und 8. Jahre Pur-Sin's. Derselbe Patesi wird schon im 41. Jahre Sul(Dun)-gis genannt (RA... 7, 187). Ungnad vermutet, daß Babylon eine Kolonie von Eridu gewesen ist (Religion der Babylonier und Assyrier, 16). Jedenfalls hat Eridu auf Babylon wenn nicht in politischer Hinsicht, so doch in der Begründung des Kultes seines Stadtgottes einen entscheidenden Einfluss ausgeübt.

Die ältesten bis jetzt bekannten Stellen. welche Marduk erwähnen, sind folgende: 1) Za... 12. 265; 338) « AMAR-EN-ZU AMAR-UD, Gott (der vergöttlichte König) Pur-Sin (aus der letzten Dynastie von Ur) ist der Stern des Marduk.

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2) (King, LHam... 2, 219, 37) mu gu za bár mah ku(g)-gi-ud-ta šu ul-a Amar-ud ra mu-un-na dim ma›, das Jahr, in welchem der Thron der großen Kapelle mit Gold und Silber ausgeschmückt und für Marduk errichtet wurde. Es ist das 22. Regierungsjahr des Sumulailu. Im 24. Jahr wurde der Thron der Gemahlin Marduks, Sarpanitu, ange fertigt (1. c.).

3) (Thur. Dg. LC... 63; cf. 3 ff.). Der Name Amar-ud in Briefen und Kontrakten, von denen ein großer Teil aus der Zeit vor Hammurabi stammt.

4) (King, Chron. 2, 8, 11) Neubabylonische Texte, welche auf älteste geschichtliche Überlieferungen zurückreichen; Wegen der Sünde, welche er(Sargon) begangen, erzürnte der große Herr Amar-ud und vernichtete sein Volk durch Hungersnot >.

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(1. c. 11, 5) Sulgi, der Sohn des Ur-Engur... führte, von einem bösen Vorhaben geleitet, den Schatz von Esagila und von Babylonals Beute weg. ›

Die älteste Namensform der Stadtgottheit von Babylon ist nach diesen Texten Amar-ud. Es kommen zwar auch einige andere Ideogramme vor, welche in späteren Zeiten häufig mit Marduk gleichgesetzt werden (cf. Panth.), da jedoch mit diesen auch andere Götter benannt werden, sehen wir vorläufig von ihnen ab.

Die phonetische Schreibung des Götternamens "Amar-ud liegt aus späterer Zeit in folgenden Formen vor:

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Man hat auf mannigfache Weise versucht, durch Deutung des Namens die Natur des Gottes zu erschliessen.

Als ursprünglich akkadisch wird der Göttername in tolgenden Deutungen aufgefaßt: 1) Nach Jensen (Kosm. 243) ist Marduk der « Sohn des Duku, des Gemaches der Schicksalsbestimmungen. (ZA 34, 192).

2) Meissner (Babylonien u. Assyrien II, 15 übersetzt den Namen Marduks mit « Sohn des (kosmischen) glänzenden Berges ».

3) Nach Jastrow (Rel... 1, 110, 1) geht die Form Marduk auf die Wurzel « rdk » zurück. Allein eine derartige Wurzel kenne ich in den semitischen Sprachen nicht. Als ursprünglich sumerisch sehen folgende Auffassungen den Namen Amar-ud an:

1) (5R, 43, 54) [Amar]-ud ma-ri šam-šú

[Ud š]am-šu ma ri šam šu ša ili
["Mar]-duk ma-ri Šam-šu să ili

Hier haben die Babylonier "AMAR-UD_als_Sohn der Sonne aufgefaßt. Damit könnte der oben angeführte Göttername "AMAR-EN-ZU in Beziehung gesetzt werden, welcher << Mondkalb » bedeutet und von dem es heißt:

(Panth. Nr. 235) Amar en-zu (Pur-Sin) šu (gu(d)-dúb "Sin). Wäre die Analogie vollständig, so könnte man in Marduk einen «<< gud-dub, irgend eine dienende Gottheit des Sonnengottes sehen. Vgl. auch (Hussey, Sumerian Tabl. in the Harvard Semitic Museum 1, 15 f.) Amar-ezinu; Amar-ki; Amar-kiški; Amar-"Túg-nun.

Die angeführte Stelle aus einer Götterliste vergleicht Nordens (ZA 35, 239) mit Enuma eliš 1, 101 f. welche er folgendermassen übersetzt:

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<< Ein Sonnenkind! Das Götter-Sonnenkind! (resp. Das Sonnenkind Anus).

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Diese Ansicht berichtigt Jensen (ZA 36, 77-79), indem er « ma-ri-ja-u-tu • als eine spielerisch etymologisierende Koseform von AMAR-UT betrachtet, entsprechend Išuļlanija in Gilg. 6, 68, Nabijānūa für Nabū (KB 6, 2, 1 S. 34, 20) übersetzt durch ‹ māri(i) Šamšu›, während das hinzugefügte ša ili (ī, ē) dem ‹ AN» vor AMAR-UT entspräche. Marijūtu könne auch ein anderer Name für Marduk sein, entsprechend Nanijūtu für Nannaru oder Nana (OLZ 1924, 61).

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Doch die sumerische Lesung von AMAR-UD ist uns nicht bekannt. Darum bleibt jede Deutung des Gleichklangs von AMAR-UD mit Marduk, wenn sie auch von den Babyloniern stammen sollte, recht problematisch. Leider kann man sich auf die babylonischen Übersetzungen und Umschreibungen der sumerischen Wörter nicht vollständig verlassen, da schon die Tatsache, daß sie damals nötig waren, darauf hinweist, daß schon in dieser Zeit die Bedeutung der Ausdrücke nicht mehr allgemein bekannt war. Oft kann man sogar bemerken, daß eine Deutung für desto besser galt, je weiter hergeholt und geistreicher sie war. Jedenfalls ist zuzugeben, daß die Lehre von der Abstammung Marduks vom Sonnengotte zur Zeit der Abfassung von Enuma eliš bekannt war. Vielleicht ist diese sonst sehr seltene Etymologie auf die Exegese einer theologischen Schule z. B. der von Sippar zurückzuführen, welche jedoch gegen die traditionelle Auffassung von Eridu nicht aufkam. Die Theologie von Eridu hatte die Eigenart, daß sie ihre Götter vor allem in der Erde, dem Wasser, der Vegetation sich wirkend dachte, die Beziehung aber zur Sonne gar nicht betonte. So lesen wir von Ea (Witzel, Gud. Zyl. A 101):

(Er), dem die Zeugung vom Schicksal zugefallen

Der Überfluss gibt, der Gott, der die Pflanzen spriessen lässt,

<< Der das Volk wie Gras auf der Erde wachsen lässt,

« Der Herr des Abzu, der König Enki,

<< Enki, der Herr, der die Schicksale bestimmt. »

Derselbe Text drückt ebensogut die Natur des "Asari, Tammuz und "Marduk aus. Sie sind alle im Grunde genommen identisch; vgl. Kap. XI dieser Arbeit.

"Asari hat ebenfalls irgend welche Beziehung zum Lichte, zur Sonne, obwohl er kein Sonnengott ist; vgl. Panth. 267: min (= Asari) = nu-uri-li; Enuma eliš VI 151: Asarlù dug... šu lu-u nu-ru ša ilâni und a. a. Ò. VII 5: "Asaru-alim-nun-na ka-ru-du nu-ur (abi a-li-di-šu).

In das Verhältnis Marduks zur Sonne wird wohl gleichfalls seine Beziehung zum Planeten Merkur hineinspielen, wovon am Ende dieses Kapitels die Rede ist (vgl. unten S. 16 GUD UD = ķarradu ša urri).

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