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Auch Marduk ist Erlöser-Gott im eminenten Sinne, (KAT 379f). A. o. O. verweist Zim. nur im Allgemeinen auf das vorher über Marduk Gesagte; daher ist es nicht ganz klar, worin er die « Rolle Marduks als Erlöser-Gottes im eminenten Sinne erblickt; wahrscheinlich aber kommt nach seiner Ansicht diese Eigenschaft Marduk zu« als Heilgott in allen Krankheiten und Löser jeglichen Bannes (a. a. O. S. 372)

Jesus Christus hat nach der hl. Schrift durch sein Leiden und seinen Tod der göttlichen Gerechtigkeit für alle Sünden, d. h. für alle schuldbaren, freiwilligen Beleidigungen Gottes von Seiten aller Menschen eine unendliche Genugtuung geleistet. Dadurch hat er allen Menschen eine unendliche Fülle von übernatürlichem Licht und Kraft bei Gott verdient, mit deren Hülfe sich die Menschen von aller Sünde reinigen und das ewige Leben erwerben können, wenn sie wollen.

Marduk hat nicht gelitten und ist nicht gestorben, um die Menschen zu erlösen weder von ihren Krankheiten, noch erst recht nicht von ihren Sünden. Durch sein Zauberwort befreite er nach dem Wahnglauben der Babylonier die von den bösen Dämonen Besessenen von ihren Qualgeistern und gab ihnen dadurch für eine kurze Zeit die leibliche Gesundheit wieder. 5) Die Erscheinung des Christus in der Fülle der Zeit ist eine Vorstellung, die gleichfalls mit ihrem Schema verschiedener Weltperioden bereits in Babylonischen selbst ihren Ausgangspunkt haben wird » (KAT3 383).

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Da hier kein Berührungspunkt zwischen Christus und Marduk behauptet wird, kann diese Einzelparallele unberücksichtigt gelassen werden. Nur sei hier energisch geleugnet, dass wir bisher irgend etwas über ein Schema verschiedener Weltperioden bei den Babyloniern wissen.

5) Der Christus ist nach dem N. T. der von seinem Vater in die Welt Gesandte ». Ebenso wird Marduk von seinem Vater Ea jeweils zur Hülfeleistung bei den Leiden der Menschheit gesandt (KAT 383).

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Der stereotype Hergang bei den babylonischen Exorzismen ist dieser: Der Kranke geht zu einem Exorzisten. Dieser ruft unte allerlei Riten die Hülfe Marduks an. Marduk wendet sich bei jedem Einzelfalle an seinen Vater Ea um Rat, den dieser ihm auch nach einigen orientalischen Entschuldigungen erteilt. Von einer Sendung ist hierbei keine Rede. Die Sendung Jesu Christi besteht in der Menschwerdung d. h. in der Vereinigung der 2. Person der hist. Dreifaltigkeit mit der menschlichen Natur Jesu Christi zu einer Person und zwar der göttlichen. Diese Sendung⚫ Jesu Christi von Seiten seines Vater ist ewig und unveränderlich, nachdem sie sich einmal vollzogen hat; denn im Gottmenschen Christes ist die Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur unlöslich und für immer und ewig. Sichtbar trat diese Sendung in Erscheinung hier auf der Erde während seines 33 jährigen Erdenlebens. Auf diese erste Parousie wird eine zweite kürzere folgen, wenn der Gottmensch auf den Wolken des Himmels zum Weltgericht erscheinen wird.

Die Babylonier kannten keine Inkarnation Gottes in einem Menschen, weder in Marduk, noch in irgend einem andern ihrer Götter. Die babylonischen und christlichen Anschauungen sind daher unüberbrückbar.

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6) Das Leiden des Christus ist in seinem letzten Ursprung im Gebiete der Mythologie zu suchen und zwar in der zeitweiligen Verdunklung, die einer astralen Lichtgottheit widerfährt (KAT 384f).

A. a. O. weiss Zimmern noch von keinem Leiden Marduks, das eventuell der Prototyp des Leidens Christi sein könnte; seither hat er aber das Gewünschte in dem oben S. 111 ff angeführten Texte gefunden, vgl. Zim, Neuj. 2. Beitrag 15ff; vgl. auch ZDMG 76, 53.

Oben im Abschnitte XI wurde die Auffassung Zim.'s bezüglich dieses Textes als passend angenommen. Dabei bleibt aber bestehen, dass wir wegen des überaus schlechten Zustandes der betr. Tafel nichts mit Sicherheit aus ihr ableiten können; vgl. Nötscher, Auferstehungsglaube 31f. Aber wenn man auch einmal einen guterhaltenen Text finden sollte, der uns von Leiden 'arduks oder von Tammuz oder sonst irgend einer der Vegetationsgottheiten berichtet, würde diese Erzählung keine religionsgeschichtliche Parallele zu den neutestamentlichen Darstellungen des Leidens Jesu bilden.

Die Leiden der Vegetationsgottheiten wenn sie einmal durch sichere Texte erwiesen sind wären Personifikationen der durch Sonnenbrand und Mangel an Wasser allmählich absterbenden Vegetation, ohne jede Sühnekraft.

Die Leiden Jesu Christi in seiner menschlichen Natur sind wahre, nicht erdichtete Leiden in einem historischen Menschen, die durch die hypostatische Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur eine Sühnkraft von unendlichem Werte in den Augen Gottes erlangt haben. Nur wer an der historischen Tatsache dieses Leidens Jesu Christi zweifelt

und die ganze betreffende neutestamentliche Darstellung für einen Mythus hält, kann auf den Gedanken kommen, die Erfinder dieses Mythus hätten ihre Phantasie durch die Erinnerung an die babylonischen Vegetationsgottheiten befruchten lassen. Gibt es heute noch ernst zu nehmende Gelehrte an den deutschen Universitäten, die das Leben Christi für einen Mythus halten?

7) Der Tod des Christus ist eine Vorstellung, deren letzter Ursprung in der Mythologie, dem Verschwinden einer astralen Lichtgottheit liegt ». KAT 387 f

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Hier ist in analoger Weise zu antworten wie unter 6); vgl. Nötscher, a. a. O. 31. Wie die Vegetation so sterben auch die sie symbolisch darstellenden Gottheiten eigentlich überhaupt nicht. Sie konzentriert ihr Leben in ihren Wurzeln und Samenkörnern, die sie in der kühlen schützenden Erde birgt; nur so kann sie im folgenden Frühjahr wieder aufleben.

Jesus Christus ist in seiner menschlichen Natur wirklich gestorben, wie alle Menschen sterben. Dieser sein Tod ha. wegen der Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur eine Sühnkraft von unendlichem Werte.

8) Die Höllenfahrt des Christus ist eine Vorstellung, bei der die Annahme mytho logischen Ursprungs besonders nahe liegt », KAT3 388.

Das Herabsteigen der alten vorderasiatischen Vegetationsgottheiten in die Unterwelt ist die mythisch dichterische Ausschmückung der alljährlich in der Natur sich wiederholenden Tatsache, dass die Pflanzen ihr auf das Mindestmass reduziertes Leben in der Erde gegen den Sonnenbrand schützen. Die Frühjahrsvegetation erliegt dem Sonnenbrand eher als das Leben der Sommerpflanzen. Ištar steigt also nach Tammuz zur Unterwelt, um im folgenden Frühjahr gemeinsam mit ihm auf die Erde zurückzukehren.

Der historisch auf der Erde lebende Gottmensch Jesus Christus starb in seiner menschlichen Natur wirklich am Kreuze. Nach seinem Tode stieg die mit der Gottheit vereinigte Seele Christi (wie die Seelen aller Verstorbenen bis dahin) in die Unterwelt herab, um die dort auf ihn harrenden Seelen der Gerechten zu erlösen und mit ihnen in den Himmel einzuziehen. Dieser christliche Glaubenssatz knüpft-wenigstens in etwa an das richtige wenn auch sehrun klare Glauben der Babylonier über das Schicksal der menschlichen Seele nach dem Tode, in keiner Weise aber erinnert er an die Mythen über die Vegetationsgottheiten.

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9) Die Auferstehung des Christus hat in dem tabû des Marduk am Neujahrsfeste in Babylon ihre religionsgeschichtliche Parallele (KAT3 388f).

Dass tabû nicht « auferstehen von den Toten » heisst, darüber sind sich jetzt alle einig. Die Art der « Auferstehung der altorientalischen Vegetationsgötter hat nichts mit der Auferstehung Christi zu tun. Leiden, Tod und Auferstehung jener war eine dichterische Fiktion. Die absterbende und sich dann wieder verjüngende Pflanzenwelt leidet nicht und stirbt nicht und steht auch nicht von den Toten auf. Marduk aber und die andern Erdgötter waren nur Personifikationen jener Naturvorgänge.

Im Gottmenschen Jesus Christus litt und starb und stand die Gottheit nicht wieder auf; in ihm litt und starb und erstand nur die leidensfähige Menschheit. Das alles vollzog sich wahrhaft und wirklich an einer historischen Person.

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10) << Die Himmelfahrt des Christus hat seine Parallele in dem Hinaufsteigen » der Vegetationsgötter aus der Unterwelt». « Die Himmelfahrt des Christus ist im Grunde als eine Dublette zu der Vorstellung von der Auferstehung zu betrachten », KAT 389. Die Vegetationsgötter stiegen alljährlich aus der Unterwelt auf die Erde, nicht in den Himmel; denn sie sind ja nur Personifikationen des keimenden und wachsenden und absterbenden Lebens auf der Erde, nicht im Himmel. Die Himmelfahrt Marduks oder eines andern Vegetationsgottes ist daher nirgends belegt. Die Himmelfahrt ist auch keine Dublette der Auferstehung; sie könnte vielleicht nur als eine naturgemässe Ergänzung der letzteren aufgefasst werden, die aber die Babylonier bei der Erzählung von der Wiederkehr ihrer Vegetationsgötter in keinem Texte beigefügt haben

11) Die Erhöhung des Christus, sein Sitzen zur Rechten Gottes und seine Königsherrschaft im Himmelreich können ihrem letzten Ursprunge nach nur begriffen werden als Nachhall einer polytheistischen Vorstellung von einem in seiner Machtstellung über alle audern Götter erhobenen relativ jungen Lichtgotte›, KAT* 390.

Jesus Christus ist 40 Tage nach seiner Auferstehung, nach der Vollendung der Erlösung seiner Menschheit nach in den Himmel aufgefahren, um den Erlösten die Wohnungen im Himmel zu bereiten. Der Menschheit Christi wurde von Gott zum Lohne für die Verherrlichung. die er durch sein Leiden und seinen Tod Gott verschafft hatte, die Königsherrschaft über die ganze Schöpfung zu Teil und sein Thron zur Rechten Gottes errichtet. Hierin liegt keine Spur einer polytheistischen Auffassung. Marduk war nicht Mensch, er hat die Menschen nicht erlöst und wurde nicht zum Lohne für die Tilgung und Sühnung

der Beleidigungen Gottes erhöht als König über alle Geschöpfe. Er war vielmehr Gott und wurde König unter den Göttern zum Lohne für die Bändigung der Tiamat; von einem Sitzen zur Rechten Gottes kann im Polytheismus keine Rede sein. Die Geschichte Marduks enthält also keine einzige Parallele zu dem ganzen Wahrheitskomplex der Erhöhung Christi nach seiner Himmelfahrt.

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12) Das Kommen (лagovoía) des Christus vom Himmel am Ende der Tage als Welterlöser in Verbindung mit seinem letzten Entscheidungskampf gegen die bösen Mächte hat mit der grössten Wahrscheinlichkeit seine Parallele im Marduk-Tiamat-Kampf des Weltschöpfungsmythus, aus der Urzeit in die Endzeit übertragen », KAT 390 ff.

Das zweite Kommen Christi ist den Christen durch eine göttliche Prophezie verbürgt. Eine irgendwie ähnliche Prophezie in der Geschichte Marduks gibt es nicht. Unter diesen Umständen bleibt der rationalistischen Wissenschaft, die dem allwissenden Gotte keine Prophezeiungen zuerkennen will, nichts übrig, als zu behaupten, der Anfangskampf Marduks sei als Endkampf in die Zukunft projiziert. Ist der Glaube an derartige Behauptungen wissenschaftlicher, als der Glaube der Christen an den allwissenden Gott?

Bei dieser Gelegenheit kommt Zimmern (a. a. O. 392) auch auf die 4 Weltalter › zu sprechen, die ihrerseits aufs engste mit dem Zodiakus und der Präcession verknüpft sind ».

Der Streit um das Alter der Kenntnis der Präzession bei den Babyloniern ist der Hauptsache nach jetzt entschieden und zwar zu Ungunsten der Panbabylonisten. Die alten Babylonier kannten die Praezession ganz gewiss nicht. Darum gründeten sie auf dieser Kenntnis nicht ihre Lehre von den 4 Weltaltern; diese letztere ist bis jetzt überhaupt noch nicht bei ihnen nachgewiesen.

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13) Das Endgericht des Christus ist eine Idee, die zunächst stark vom Parsismus beeinflusst zu sein scheint. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass auch hier direkt babylonische Einflüsse mitgewirkt haben », KAT 394.

Was ist nicht alles möglich? Hier sollten aber nur wirklich vorhandene Parallelen angeführt werden. Von dem Richteramt Marduks ist in der Keilschriftliteratur keine Spur zu finden.

14) Die Hochzeit des Christus hat ihre Parallele in der Hochzeit Marduks mit der Sarpanitu am Neujahrsfest », KAT 394.

Die eheliche Verbindung wird in der hl. Schrift als Bild verwendet für die innige, unlösbare, ewige Vereinigung, welche die 2. Person der hlst. Dreifaltigkeit mit der Menschheit Jesu Christi eingegangen ist. Durch diese Verbindung wurde die Menschheit Christi vergöttlicht. An dieser geheimnisvollen innigen Vereinigung zwischen Gott und dem Menschen Christi will der Gottmensch alle Gerechten teilnehmen lassen. In ihm sollen auch sie mit Gott vereinigt werden und auch diese Vereinigung Gottes mit den gerechten Menschen in Christus wird in der hl. Scrift durch das Bild der ehelichen Verbindung uns nahe gebracht. Andere Bilder der hl. Schrift, die dasselbe Geheimnis veranschaulichen sollen, sind: « Christus ist der Weinstock, die Gerechten die Rebzweige »; oder: Die Gerechten sind alle Glieder an dem mystischen Leibe. an dem Christus das Haupt ist ». Die Babylonier kannten keine Inkarnation: also konnte auch die Grundidee dieses Geheimnisses in keiner Weise aus babylonischen Anschauungen abgeleitet werden. Dass aber der literarische Vergleich, das Bild sei hergenommen von der Hochzeit der heidnischen Vegetationsgötter mit ihren Göttinnen am Neujahrsfest einer Hochzeit, an welche die Schriftsteller der hl. Schrift nicht glaubten nicht aber von der gewöhnlichen Hochzeit zwischen Menschenkindern- das zu glauben fordert eine ganz unerhörte Knebelung der Vernunft, welche die rationalistische Wissenschaft in Kauf nimmt, um dem christlichen Glaubenszwang zu entgehen. Wie die Menschen, die sich vom Gesetze Gottes lossagen, in die schmachvolle Sklaverei des Fleisches und der Mächte der Fin sternis verfallen, so tauschen die, welche ihren Geist nicht unter das Joch des christlichen Glaubens beugen wollen, nicht wahre Geistesfreiheit ein, sondern Verwirrung und absurde Theorien, die einem graden Verstand nie Ruhe und Frieden geben können.

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Das ist die grosse Täuschung und Enttäuschung der modernen rein weltlichen Wissenschaft.

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