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Uccusativsproß der Einzahl der männlichen Formu hir, und bed. fort, weg, deutet also auf die Bewegung zur Ferne ,

lat. hinc. Erweiterte Formen für dieß Lette sind z. B. hinnen, «von hinnen», ahd. hinân, hinuân, binana (b. Otfi.), mhd. binne, hinnen (S. Grimm III, 179.). übrigens stehen ahd. hëra und hara paralel dem ahd. dara dahin, und ahd. hina in der Form dem goth., aus þana verkürzten, þan, beide ( dara u. þana ) einem andern hindeutenden Fürwort der, die, das, goth. sa , 88, þata, and. dër. diu, daz entsprungen, von welchen sich auch tharot (thorot) neben einein veralteten ahd. hërot (Otfr. II, 7, 74.) bildete.

949. Her a b. Hernieder. Herunter. H in a b. Hinnieder. Hinunter. Ü. Deuten auf die Richtung oder Bewegung von einem höhern Orte zur Tiefe. V. 1) In Ansehung der Bestimmungsivörter ber und bin (S. Nr. 948.) gebraudt man berab, bernieder und herunter, wenn der Sprechende oder das besprochene Subject, worauf die Richtung ober Bewegung in Beziehung steht, in der Tiefe, binab, hins nieder und Hinunter aber, wenn es in der Höhe ist oder gedacht wird. 2) In Ansehung der Grundwörter bezj. ber- und hinnieder überhaupt Richtung und Bewegung zur Tiefe, ohne anzubeuten, ob diese völlig erreicht werde oder nicht. 3. B. Wenn jene Zaden, fene Eifesthürme , '-- Die nie aufthau'ten feit dem Schöpfungstag, - von ihren hohen Rulmen niederschmelzen" (Schiller, Tel IV, 1.). Hers und hinab aber, wie auch hers und hinunter, zeigen auf Richtung oder Bewegung zur völligen Tiefe, die legten Ausdrüde vorzugsweise. Daher z. B. ,, Raset, ihr Winde! Flammt berab, ihr Bliße! - Ihr Wolfen, berftet! Gießt berunter, Ströme - Des Himmels, und ersäuft das Land! (Schiller, Tell IV, 1.). Ich fange an, und ohne Bemerkung einzelner Schönheiten, schöner Ausdrüde, gewählter Phrases, jage ich seine [Horažens] Ode binab; ich fliege mit ibm, oder schwimme den Strom feines Gesanges hinunter" (Herder, über Horaz kr. 6. ). So sagt inan auch figürlich von jemanden, dessen bessere Zustände des Seiftes oder des Körpers oder des Vermögens sich verschlechtert haben, er sei herunters gefom men, besonders wenn sie in gänzlich schlechten Zustand ges rathen find; aber er sei berabgekommen, was auch in dieser Beziehung gesagt wird, scheint es schwächer zu bezeichnen. Die Gründe der Verschiedenheit dieser Nebenwörter find darin zu fuden, daß nieder überhaupt nach der Tiefe fieht im Gegensaße zu hoch, unter aber das Verhältniß der Tiefe in Beziehung auf überragende Höhe bezeichnet im Gegensatz von über und Öber (S. ,, Nieder. Unter“), und in ab endlich sich der Begriff der , Trennung von einem Gegenstande“ ( Nrr. 3. 4.) mit dem Begriff einer von der Höhe gebenden Bewegung. (oder auch Ridhtung) zur Tiefe vermischt?), welcher sofort als Nebenbegriff sich auss gebildet hat. Wenn übrigens die Größe der Richtung oder Bes wegung nach der Tiefe nicht in Betracht kommt, lo fann es gleichviel sein, welches der Nebenwörter rücksiditlich der Grundwörter gebraucht wird. Wenn 3. B. Hölty singt: ,,Schwermuth so voll und dumpfig ballt Geläute Vom bemoosten Kirchenthurin berab"; so dürfte hier dem Sinne nach ebensowohl berunter oder bernieder geregt werden könuen. 3) Campe II, 619. bemerkt, daß die mit berab zusammengesegten Zeitwörter edler seien, als die mit berunter zusammengefegten; davon aber sagen weder Adelung noch Voigtel etwas, noch ist es dem guten Sprachgebrauche gemäß. Dagegen kommt ber- und binnieder vorzugsweise in der höhern Sdreibart vor, das leşte überhaupt selten und gewählt. 3. B. ,, Jesus, der große Prophet, kömint in die Gräber bernieber(Klopftod). Da gleiten Schmerlen

Und blasen Perlen. Ihr schneller lauf Gebt bald hins nieder, - Und bald berauf - Zur Fläche wieder" (Bürger).

1) 3. B. ahd. - Aba in [den Bergen] chumet sî [die Sonne] nider an daz kefilde. (Notker, Ps. 33, 7.). · [Salb] dag aba dëmo houbete nider ran an sînen bart » (Derf., Ps. 132, 2.). Stig (steig] aba dëmo chruce (Kreuze]» ( Notker, Ps. 34, 16.). Vgl. Graff, althochd. Präpositionen S. 215. « Gehr: wir ab den offnen Wegen! Warnete ein junges Reh» (Abr. 6m. Fröhlich ). Overd. âben hinabgehen, abnehmen (Josua Maaler Bl. 14. C. v. Stieler, I, 3. Stal: der I, 84. ).

A nm. Zuweilen scheinen die Zusammensebungen mit her: in gleicher Bed. mit denen auf hin- ohne unterscheidendes Merfinal gebraucht; allein in folchen Fällen achtet man gewöhnlich nicht des richtigen Raumpunktes der bezüglichen Richtung und Bewegung, um den Ungrund seiner Ansicht zu erkennen.

Mitunter laufen selbst offenbare Unrichtigkeiten ein, wenn man den Zusammenhang unbeachtet läßt. Dieß ist 3. B. dem sonst genauen Adelung (II, 1144.) begegnet, wenn er Jes. 14, 11. hinunter an die Stelle von herunter gesett wissen will.

950. Sich berablassen. Sic erniedrigen. Sich gemein machen. Ü. Figürlich: In seinen Handlungen sich dem Standé des Geringern angeneigt inachen. V. Dieß ist überhaupt fich berablassen, welches Wort deutlich auf den böbern Standpunkt des Handelnden gegen den Geringern hinweist, und in Beziehung auf jenen, insofern es seine Würde angeht, nur in gutem Sinne gebraucht wird, wenn auch die Quelle der Herablassung eine unreine sein kann. 3. B. Würdig und voll Anstand War das Benehmen aber an die Stelle Huldreid vertraulicher Herablaffung – War feierliche Förmlid)feit getreten" (Schiller, d. Picc. II, 2.). ,,Der Treffliche [ Kardinal von Guise] ließ selber fich berab, - Die boben Glaubenslebren inir zu deuten, — Und meines Herzens Zweifel zu zerstreun" (Ders., M. St. I, 6.). , Und wenn nichts Anderes etwa dabinter ftedt, --- Ais was Herablaffung bie Menschenfenner nennen, So muß er seinen Stolz sehr gut verbergen fönnen“ (Müllner). Sid erniedrigen, von 'niedrig, bed. eig. , an seiner Höhe abnehmen", es mag nun wenig oder viet sein. 3. B. ,, Wer sich felbst er höhet, der soll erniedriget werden, und wer sich sell erniedriget, der soll er böbet werden“ (luf. 14, 11.). Paulus sagt uns, daß fidy Jesus er niedriget habe, indem er als ein geringer Mensd auf Erden wandelte und sogar den Kreuzestod erbuldete; darum aber babe ihn auch Gott erböbt, daß in seinem Namen fich Atter Kniee beugen sollen im Himmel, auf Erden und unter der Erden (Phil. 2, 8 ff.). Mas find so viele Ernies drigungen Gottes gegen unsere gefallene Natur , was find so viele Ermahnungen des Herrn an die verirrten Schafe?" (MOS: heim.) Gewöhnlid) aber gebraucht man sich erniedrigen in sittlicher Hinsicht, wo es dann eine üble Nebenbed. hat, indem es ift 1. v. a. „sich geringer machen durch eigne Verlegung seiner fittlichen Würde" (S. das Wort Nr. 951.). Sich gemein machen eig. = ,, sich einem andern oder andern, welche nach ihrer Stellung oder sittlich geringer find, gleidstellen"; auch T. v. a. ,, fich der Menge gleichstellen“. In jener Hinsicht z. B. macht sich ein Herr mit seinem Diener gemein, wenn er mit idin spielt und trinft; in dieser hört man in gutem Sinne von gemeinen Leuten, daß ein Herr, der fich vor ihnen feiner Erhabenheit und Würde begibt und mit ihnen, wie einer ihres Gleichen, redet, sich mit ihnen gemein mache und ein gemeiner Herr sei. Gewöhnlich aber hat das Wort, wie in fittlicher Beziehung immer, die üble Nebenbed., daß derjenige, welcher sich dem Andern oder der Menge gleichstellt, wie 3. B. der eben genannte Herr seinem Diener, dadurch seine innere und seine äußere Würde verleße oder gar verliere. So machte sich z. B. König Wenzel, Sohn Karls IV., ganz gemein und erniedrigte sich auf das Tiefste, wenn er, wie die Limburger Chronif von ihm erzählt, des Nachts in der Stadt zu Prag selbs dritt und selbander und also ritt, und sich mit den Buben als ein andrer Bub schlug, und also viel Unfug und Büberei trieb. Der Lehrer muß sich zu der Fassungskraft der Kinder berablassen, um sie zu sich heranzuziehen; hiermit erniedrigt er sich keines wegs, wohl aber, wenn er den großen Fehler begeht, sich mit ihnen gemein zu machen. Der Wolfsdichter muß fich zum Volf berablassen, nicht aber sich zu ihm erniedrigen oder gar mit ihm gemein machen, indem er fich z. B. in sdmußigen Reden bewegt.

951. Herabfeßen. Beimpfen. Enteren. Erniedrigen. Her a b würdigen. Ü. Werden hier nur verglichen in der Bed.: die vortheilhafte Meinung von jemandes Vorzügen vermindern. V. Dieß Vermindern liegt am Deut- , lichsten in den Begriffen von berabießen, berabwürdigen und erniedrigen (S. Nr. 950.), es mag nun ein theilweises oder ein völliges Vermindern sein. Herabfeßen aber bez. den Begriff überhaupt. 3. B.

3. B. ,, Longin sagt, es fomme ihm öfters vor, als habe Homer seine Menschen zu Göttern erheben, und seine Götter zu Menschen berabießen wollen. Die Malerei voll: führt diese Herabseßung. In ihr verschwindet vollends Alles, was bei dem Dichter die Götter noch über die göttlichen Menschen feket" (lessing, Laofoon XII.). Herabwürdigen, von würdigen = worüber urtheilen nach seinem auszeichnenden Werthe, bed.: die gute Meinung von jemandés Würde, Fei fie nun äußere

oder innere (fittliche), vermindern, so daß fie an ihm nicht mehrges achtet wird.

So ift 3. B. die eben erwähnte scheinbare Herabs feßung der Götter bei Homer feine Herabwürdigung,

wobl aber in Blumauer's frommem Äneas. Eben so spricht Maria Stuart von tieffter Herabwürdigung der fönigliden Majestät durch die Königin Elisabeth mit den Worten: „Sie könnt es wagen, mein gekröntes Haupt – Schmachvoll auf einen Henferblocł" zu legen ? - Sie fönnte so die eigne Majestät - Und aller Könige im Staube wälzen“ (Sdiller, M. St. I, 6. ). Ernies drigen eig. = ,, von seiner Höhe abnebmen machen, dann aber besonders, indem es , von niedrig in sittlicher Bed. abgeleitet (S. Niedrig) und hier vorzugsweise auf die tiefe Stufe der Šittlichkeit bezogen, in Vergleichung mit den oben genannten Börs tern tritt: ,tief oder gänzlich berabrezen oder berabwürdiģen." So z. B. steigernd: , 3d babe müssen zubören Sie beraba řeßen, erniedrigen, und konnte und durfte sie nur halb vers theidigen" (Götbe, Werth. Leid.). Die vorhin genannte so tiefe Herabwürdig ug der königlichen Majestät z. B. war gewiß eine große Erniedrigung derselben ?). Entebren = ,, der Ehre benehmen“, drückt mehr aus als die vorhin genannten Ausdrücke; denn es bed. nicht ein bloßes Vermindern der vortheilhaften Meinung von jemandes Vorzügen, welche eben die Ebre ift (S. Ebre.), sondern das gänzlide Wegnehmen derselben von jemanden, und hiermit den böøften Grad der Erniedrigung. Befohimpfen endlid drückt gerade dieß nicht aus, sondern bed. : durch Behandlung oder Zeidhen, die jemandes Ehre zuwider sind hinsichtlich der Vorzüge desselben bei Andern eine ungünstige oder vielmehr nachtheilige Meinung erwecken. Dieß daber, daß altd. schimpfen (abd. scimphan, mbb. schimpfen) eig. und gewöhnlich = thun was zur Erbeiterung oder zum Zeitvertreibe dient; hiervon dann . . a. verlachen, verspotten Tatian LX. Minnes. I, 153b), woraus fich sofort die gegenwärtige Bed. entwickelte. Ein redyt schaffener Mann z. B. fann durch Sdmähreden beschimpft, aber nicht entert werden; wer aber z. B. den Staupbesen befommt, der ist nicht allein berhimpft, sondern entebrt. Demüthigen, was Fischer (Syn. S. 175 ff.) und nach ihm Eberhard noch mit in Vergleichung ziehen, unterscheidet sich wesentlich von den übrigen Ausdrüden; denn es beb. : ,, jemandes Urtheil über den eignen Werth herabstimmen, zugleich mit Erregung des (schmerzlichen ) Gefühls seines Unwerthes(Vgl. Demuth Nr. 460.). Die alte Sprache hatte dafür, wie gewöhnlich bei den neuhochd. Formen auf -igen (S. Grimm II, 307.), das einfache Wort bemutben; mbb. dềmüeten, diemüeten. Mander Mensch z. B. wird als ein Un würdiger berabgeseßt, erniedrigt, beschimpft, sogar entebrt, und doch nicht gede müthigt, indem nichts seinen Hocha muth beugen kann; aber er kann nicht berabgewürdigt werden, weil er schon ein Unwürdiger ist. Ein durch eigne Schuld ents ebrtes Mädchen bat sich schwer bed impft und tief crnie

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drigt, und in dem Gefühle seiner Herabwürdigung durch den Verlust seiner jungfräulichen Ehre, seiner höchsten Würde, ist seine Demütbigung vollfommen, obne daß es jemand irgenb öffentlich berabgeseßt bätte.

1) Schon in der altnord. Sprache bed., von rieder (ahd. nidar, agf. niðer, altn. niðr u. nidr ) abgeleitet, das einfache nidra der Ehre benehmen, so wie ahd. nidarjan u. agr. niðerian niedrigen u. ver: urtheilen, sind ( Graff II, 991 F. ).

952. Her a usgeb e n. A usliefern. A u s ant. worten. Überantworten. Ü. Etwas, was uns zugefommen ist oder wir haben, an einen Andern geben, der darauf Ansprüche hat oder macht. V. Herausgeben bez. dieß am Allgemeinsten, doch mit der Nebenbed., daß es auf ein vorber gestelltes Verlangen gefchebe, was, wie Maaß anmerkt, in „bera us“ zu liegen deint. Aus antworten, überantworten und ausliefern haben diese Nebenbed. nicht angenommen, und fönnen also gesagt werden, es mag ein Verlangen gestellt sein oder nicht. Antworten in den ersten Ausbrücken ift ayd. antuuurtian, mhd. antwurten, eig. = gegenwärtig machen, v. ahd. antwart, antwërt (goth. andvairþ) oder antwurt = gegenwärtig ( Kero 7. 43. 58. 64.) und als Haupt wort, Gegenwart (Graff I, 1002.), wobei das Grundwort - wärts, abd. uuart, uuërt oder muurt ist (S. Nr. 167. Anm.), und ant abb. ant = gegen (S. Nr. 590. Anm.). Doch findet fich dieß einfache Zeitwort in der alten Sprache nur in der abgeleiteten Bed.: in die Gewalt, den Besiß eines Andern geben ), lat. reddere, - d. i. gleichsam ,, in die Gegenwart eines Andern hingeben". Die zusammengesegten Wörter aus- und überant: worten drücken dann nur bestimmter aus, jenes nämlich in aus das Geben von demjenigen, der das Hervorzugebende hat, dieses in über, das Hingeben an denjenigen, der das Gegebene in Empfang nimmt. 3. B. „Und sein Herr ward zornig, und über: antwortete ihn den Peiingern, bis daß er bezahlete Alles, was er ihm schuldig war“ (Matth. 18, 34. ). Dod) fommt a us antworten neuhodyd. außer dem Ranzleistyle wohl nicht vor (S. adelung u. Campe), und überantworten ist mehr der alterthümlichen und, weil es in der deutschen Bibel gebräudlid) ist, der feierlichen Sprache verblieben. Ausliefern ist

A u slicfern ift = aus seiner Gewalt in die Gewalt eines Andern geben, mit der Nebenbed., daß es förmlich und mit fester Bestimmtheit geschebe (S. liefern Nr. 30.). Beispiele: ,, Man suchte ihn vergeblich zu vermögen, die auf den Vorgang bezüglichen Papiere berauszugeben, aber er war nicht dahin zu bringen, daß er fie selbst dem Bevollmächtigten, der an ihn gesandt worden war, aus- und überant. nortete, bis dann endlich die Obrigkeit ihn zwang, sie a uszu liefern. Viele Obrigkeiten liefern einander die geflüchteten Verbrecher a us; aber man bittet jemanden, einen an ihn abgetretenen Dienstboten wieder herauszugeben.

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