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14. Des doubles impositions dans les rapports internationaux.

15. Conflits de lois en matière de droits réels.

In St. Louis fand eine Versammlung der «parlamentarischen Vereinigung» statt, die sich mit Friedensfragen beschäftigte; ebenso soll noch der 13. Welt-Friedenskongress in Boston mit folgendem Programm statthaben:

«Bericht des Comité's über internationales Recht, internationales Schiedsgericht, Schiedsgerichtshof und Verträge betreffend obligatorisches Schiedsgericht. Die Diplomatie und das Schiedsgericht. Belehrung der angehenden Diplomaten über die Grundsätze und die Geschichte des Schiedsgerichtes. Organisation eines regelmässigen internationalen berathenden Kongresses. Bericht des Comité's über die Methoden der Propaganda. Wirthschaftliche Ursachen der Kriege (Bericht des Specialcomité's). Aussichten des Handels und der Industrie bei der internationalen Friedensbewegung. Erklärung des Kongresses. Aufruf an die Nationen. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird durch den Staatssekretär der Auswärtigen Angelegenheiten Senator Hay vertreten sein, der auch Namens seiner Regierung eine Ansprache halten wird.»

Endlich versammelte sich in Wien ein internationaler Presskongress, worüber eines unserer daselbst vertretenen Pressorgane berichtete:

«Der Wiener Kongress war ein Triumph für die Presse; niemals zuvor ist die Presse soviel gefeiert und nirgends sonst ist ihre Bedeutung so nachdrücklich hervorgehoben worden, wie in den Wiener Kongresstagen. Dieser Kon. gress war ein eigentlicher Kongress der Reden, nicht etwa der Journalistenreden, sondern der Reden der massgebendsten offiziellen Persönlichkeiten über die Macht und den Einfluss der Zeitungen Es sprachen darüber der Ministerpräsident, der Minister des Auswärtigen, der Landesmarschall, der Landeshauptmann, der Bezirkshauptmann und zwei Bürgermeister; durch weltliche und geistliche Spitzen hat die Anerkennung der Presse die feier. liche Sanktion erhalten.» (Bund.)

Ganz natürlich; die Presse verlangt eben, wie eine schöne und etwas verwöhnte Dame, fortwährend sich steigernde Huldigungen, und lässt es Leute in öffentlicher Stellung stets empfinden, wenn sie ihr darin zu sparsam zu sein scheinen. Das merken sie sich und handeln darnach mit etwelchen «reservationes mentales.» Denn Abhängigkeiten liebt eigentlich kein Mensch.

Gegen die stets fortbestehende italienische Vogel. mörderei stellte ein Korrespondent der Frankfurter-Zei. tung folgendes zeitgemässe Postulat auf:

«Die Schweiz und Frankreich haben mit Italien beständig Handelsverträge abzuschliessen. Bevor sie in Unterhandlungen eintreten, sollten die nördlich vom Gotthard gelegenen Staaten erklären: «Werthe Herren Italie. ner! Wir wollen mit einer internationalen Convention zum Schutz der Vögel beginnen. Wir werden niemals unsere Zustimmung zu einem Handelsvertrag geben, bis wir bezüglich diesem Punkt Ihre vollständige Zustimmung erhalten haben. Lasst zuerst die Beschützer unserer Landwirthschaft leben, dann werden wir auch Euren Weinen gestatten, die Gränze zu passiren.

Der in Köln stattgehabte internationale Kongress gegen die unsittliche Litteratur beschloss, zu dem internationalen Comité zur Information für unsittliche Litteratur je zwei Vertreter aus den verschiedenen Nationen hinzuzuwählen. Das Comité soll dann eine erhöhte Wirksamkeit entfalten und regelmässig jährlich wenigstens eine Zusammenkunft in Basel halten. Ferner soll der schweizerische Bundesrath ersucht werden, dahin zu wirken, dass der in Aussicht genommene Kongress der Regierungen, zu dem die Schweiz einladen wird, im nächsten Jahre abgehalten und nicht weiter verzögert werde.

Die Zoll- und Handelsverträge sind einstweilen grösserentheils noch im Stadium der Unterhandlung. Abgeschlossen ist der italienische, der im Dezember der Bundesversammlung zur Ratifikation vorliegen wird. Neuerdings hat die Eidgenossenschaft den österreichischen, der Lichtenstein mitumfasst. und den spanischen gekündigt, und der bulgarische ist ihr gekündigt worden. Die Verhandlungen mit Deutschland wurden inzwischen fortgesetzt, sind aber im Moment, in welchem wir dies schreiben, in ein gewisses Stocken gerathen; immerhin mit beidseitigem gutem Willen zu einem Abschluss zu kommen.

Ob wohl alle diese Verhandlungen, verbunden mit den gegenwärtigen politischen Aussichten, nicht schliess. lich doch zu einer Art von Zollunion führen werden, welcher ein sogenannter «mitteleuropäischer Wirthschaftsverein als scheinbare harmlose Vorschule dienen soll, das bleibt für uns eine ernste Frage der nächsten Zukunft.

Ueber die «Handelsbilanz enthält der Bericht der nationalräthlichen Geschäftsprüfungskommission fol. gende, nach unserem Dafürhalten ziemlich ungenügende Erklärung:

«Der Abschluss unserer Handelsbilanz für 1903 weist wiederum ein erhebliches Defizit auf. Einer Einfuhr von 1178 Millionen steht nur eine Ausfuhr von 888 Millionen gegenüber, und wir haben somit einen Fehlbetrag von 290 Millionen gegenüber 254 Millionen im Jahre 1902 zu konstatiren. Auf den ersten Blick ist diese Erscheinung beunruhigend, bei näherer Betrachtung verliert sie je. doch diesen Charakter. Reiche Länder, wie England, Frankreich und Deutschland, haben ebenfalls ungünstige Handelsbilanzen aufzuweisen, gleichwohl marschiren sie vorwärts; verschiedene Staaten im Osten hingegen er

freuen sich guter Handelsbilanzen, und doch geniessen sie keinen Primakredit, ihre Kaufkraft ist eine geringe und daher auch ihre Einfuhr eine sehr mässige. Niemand wird auch behaupten, dass unsere volkswirthschaftliche Lage sich gegenüber früher verschlimmert hat. Es sind hauptsächlich folgende Momente, welche weil in unserem Staatshaushalte nicht gebucht (!) dieses Defizit ungefährlich erscheinen lassen:

1. Die Einnahmen der Fremdenindustrie, bei welcher nicht allein die Touristen und Sommerfrischler, sondern auch die zahlreichen auswärtigen Geschäftsreisenden einzureihen sind; 2. die Einnahmen aus dem Transitverkehr der Eisenbahnen; 3. das Geld, das aus den vielen Unternehmungen der Schweizer im Auslande zu uns ge. langt; 4. grosse Summen schweizerischen Kapitals sind in ausländischen Werthen angeliehen, und die Zinsen derselben fliessen regelmässig in unser Land zurück. Wenn wir auch über die Höhe dieses Betrages keine Anhaltspunkte haben, so ist es dennoch sicher (?), dass wir auf diese Weise jedes Jahr eine bedeutende Anzahl Millionenen haben.

Es liessen sich in dieser Richtung noch einige weitere Gründe anführen, und es darf auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass Grund und Boden an vielen Orten unseres Landes im Werthe gestiegen ist und unsere Kaufkraft gemehrt hat. (?)

Die Kommission glaubt damit dargethan zu haben, dass dieses Defizit nichts Beunruhigendes hat.» (?)

Die Fragezeichen stehen da zu Handen der Finanzstatistiker unseres Landes, die sich oft mit weniger wichtigen Sachen beschäftigen. Die Frage, womit wir diesen jährlichen gewaltigen Ausfallbetrag von fast 300 Millionen decken, bleibt als eine offene bestehen; mit blossen Vermuthungen ist eine so wichtige Sache eben nicht zu erledigen, sondern da müssen Zahlen geboten werden.

Bis sich die Statistik dazu entschliesst, dies zu untersuchen, statt vielem andern, was wir von ihr zu wissen

gar nicht heftig begehren, wollen wir uns noch den folgenden schönen Ausspruch eines englischen Nationalökonomen merken, dem auch bloss noch die Kleinigkeit fehlt, dass er nicht weiter angibt, wie man das macht, eine solche Politik verbunden mit einer solchen Industrie in einem Lande herzustellen :

«What is the true end and aim of all politics and all commerce? Is it not to bring about a state of things in which all men may live at peace and free from overburdensome anxiety, provided with work which is pleasant to them and produces results useful to their neighbours ?»

Unwillkürlich tönt dabei in's Ohr die Stelle aus dem Liede «Der Wanderer» von Schubert: «Wo bist du Land so wunderschön?» Hier, und irgendwo sonst in Europa, bist du dermalen jedenfalls nicht.

Kirchliche Bewegung. Wie die Bestrebungen und nächsten Ziele der römisch-katholischen Kirche von ihren intimen Freunden und Gegnern aufgefasst zu werden pflegen, ergibt sich vielleicht am Besten aus den Voten am diesjährigen Altkatholikenkongress, die wir bereits auf pag. 613 im Auszuge wiedergegeben haben. Man würde sich dabei täuschen, wenn man glaubte, dass in der Person von Giovanni Sarto ein «friedfertigerer» Papst auf den Stuhl Petri gekommen sei. Ein heutiger Papst kann kaum friedfertig im Sinne einer weitgehenden Toleranz gegen Andersgläubige sein, so wenig als ein heutiger Bischof anders, als unbedingt obedient gegen die oberste Kirchengewalt. Annähernd friedlich kann die Kirche nur regiert werden von einem kühlen, schlauen Diplomaten, wie Leo XIII., dem viel weniger an der Religion, als an der Erhaltung der Machtstellung der Kirche liegt, während ein religiös wärmerer und über.

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