Images de page
PDF
ePub

gefahrvolle Zeiten, in denen sich diese Begriffe trennen wollen und wieder eine Gemeinde entstehen soll, die die Nähe Gottes wirklich ertragen kann. (Jesaias XXXIII, 14.) Neben dem allem her geht dann noch Spiritismus, Chri. stian science der Frau Baker Eddy, Dowie'scher Heil. schwindel, Occultismus der Frau Blavatsky, der nun in der Form eines modernisirten Buddhismus auch in Europa durch eine Frau Besant Propaganda zu machen sich anschickt -- in einem Moment, wo durch die japanischen Kriegserfolge der Boden dafür gut vorbereitet ist. Es wird sich jetzt bald von Neuem und im grössten Style zeigen müssen, ob das Christenthum eine ewige Wahrheit ist, oder nicht, und ob die Versicherung Christi aufrecht bleibt, dass eher Himmel und Erde vergehen werden, als seine Worte. Es gehört dazu jedenfalls, dass man dieselben völlig rein von aller Entstellung erfasst und als die wirkliche, einzig wahre Lebensweisheit ansieht. Dann halten wir dafür, könne ein Zweifel nicht bestehen.

Die Basler Mission, welche auf 62 Hauptstationen 206 Missionare und 13 unverheirathete Missionarinnen') unterhält, schreibt in ihrem Jahresbericht, übereinstimmend damit:

«In Indien ist die Erscheinung bemerkbar, dass vielfach Willigkeit zum Christenthum vorhanden ist, während doch der Entschluss zum Uebertritt fehlt. Mit der alten Religion ist man nicht mehr zufrieden, man will eine neue, aber nationale Religion; die christliche ist vielfach ver. hasst als die der Fremden. Es soll ein erneuerter Hinduismus sein. In Kamerun verbindet sich mit dem Segen

1) Davon wünschten wir mehr, statt der vielen Missionärsfrauen, die nach kurzer Zeit, für das Klima untauglich und mit ebenfalls im Ausland nicht lebensfähigen Kindern, in die Heimat zurückgebracht werden müssen.

der Kultur leider das schlechte Beispiel, welches viele Europäer geben; durch sie wird auch der Branntwein in Massen unter das Volk verbreitet.»

Unter den Juden endlich gähren, neben dem «Zi. onismus», auch die bei uns bekannten Gegensätze. An dem diesjährigen grossen «Versöhnungstag», an welchem den ganzen Tag hindurch streng gefastet werden muss, kam es in London zu einem offenen Konflikte, als die sozialistischen Juden einen Wagen mit Lebensmitteln durch die Fastenden führten. Die Orthodoxen stürzten sich sofort auf den Wagen, während die Sozialisten sich in den sozialistischen Klub flüchteten, aus dessen-Fenstern sie ein Bombardement mit Flaschen auf ihre Angreifer eröffneten. Der ganze Distrikt gerieth in Aufruhr; die Häuser der bekanntesten Sozialisten wurden mit Steinen beworfen. Eine starke Polizeitruppe räumte endlich die Strassen und nahm mehrere Verhaftungen vor.

Die Juden werden keine bleibende Stätte unter den Völkern und kein wahres Glück haben, solange sie nicht Christus anerkennen und das Unrecht bereuen, dessen sie sich gegen ihn schuldig gemacht, und wegen dessen «sein Blut über sie und ihre Kinder kam», wie sie es selber wünschten. Dann aber wendet sich ihre Geschichte, und sie treten ihren gottgewollten Lebenslauf von Neuem an.

Umsonst sind sie nicht erhalten geblieben. Alle anderen Bestrebungen führen hingegen zu nichts, als zu neuem Elend ihrer Massen. Ihr eigenes Gesetz in V Mos. XXX wird sich an ihnen einst buchstäblich erfüllen, wie sich XXVIII bereits erfüllt hat.

Im Militärwesen ist überall in der Welt eine durch den gegenwärtigen Krieg und die bedeutenden Er

folge der Japaner hervorgerufene Nervosität bemerk. bar. Statt der «Boerentaktik», die eine Zeitlang, im Anfang des Boerenkrieges, als das künftige Evangelium der Kriegführung galt, kommt nun der japanische Artillerie. kempf und Frontangriff so fürchten wir in Auf nahme, verbunden mit den gar nicht mehr gezählten Verlusten, den Operationen ohne Chloroform und oberflächlichen Verbänden, und was sonst noch dieser unge. heuerliche Krieg an solchen japanischen Fortschritten in der Kriegstechnik gebracht hat. Und an Stelle des oft über die Massen gepriesenen Milizsystems mit kurzen Dienstzeiten wieder die möglichst regelmässige, den ehemaligen stehenden Heeren sich in der Organisation annähernde Militärorganisation. Es ist unbezweifelbar, dass das für uns keine günstigen Veränderungen sind und so hat sich denn auch, zunächst durch den kläglichen Ausgang des boerischen Freiheitskampfes, noch mehr aber durch den jetzigen Krieg eine Art von Missstimmung, um nicht zu sagen Verzweiflung in weiten Kreisen verbreitet, in dem Sinne, dass uns ja alle Anstrengungen im Militärwesen doch nichts helfen, da wir es niemals dazu bringen würden einer grössern Macht dauernden und erfolgreichen Widerstand zu leisten. Damit hängt die in einem be. dauerlichen Grad zunehmende Abneigung gegen den Dienst zusammen, die durch die grösseren Anforderungen und durch die ganze materialistische Richtung der heutigen Jugend vermehrt wird. Denn wie unsere vortreffliche, von Oberst Hungerbühler herausgegebene «Monatsschrift für Offiziere aller Waffen bei Anlass der Besprechung einer neuen Schrift es sagt:

«Das unkriegerische Wesen wächst daraus hervor, dass der Sinn für die idealen Güter dem Volks.

es nur

gemüth immer mehr abhanden kommt, so dass man nicht mehr empfindliche Opfer dafür auf sich nehmen oder gar sein Leben in die Schanze schlagen mag. Die gesammte Erziehung in Haus, Schule und Heeresdienst muss darauf Bedacht nehmen und dem Unwesen Einhalt thun, so lange es noch nicht zu spät ist. Ludwig XIV. fragte einst seinen Minister Colbert, woher es komme, dass er das kleine Holland nicht zu bezwingen vermöge. «Das kommt davon her, Sire, entgegnete Colbert, dass die Grösse eines Landes nicht von der Ausdehnung seines Gebietes, sondern vom Charakter seines Volkes abhängt.» Das wollen wir uns gesagt sein lassen und der Bildung des Charakters in unserer Volkserziehung die Aufmerksamkeit zuwenden, die ihr gebührt.»

Ja das ist sehr schön «Bildung des Charakters in den Schulen», wenn

so leicht zu machen wäre bei dem heutigen, wesentlich nur noch naturwissenschaftlichen Unterricht. Wenn dieses arme kurze Leben das Einzige ist, was der Mensch hat, wie soll er dann sehr geneigt sein, es für eine blosse Idee – wie Freiheit, oder Vaterland namentlich wenn ihm dasselbe wenig zu bieten scheint, oder für andere Leute, für die er keine Neigung empfindet, in die Schanze zu schlagen? Dazu ist eine andere Lebensanschauung nöthig. Was für uns dann noch weiter nöthig ist, da wir doch immer nur gegen sehr viel grössere Armeen uns werden vertheidigen müssen, ist 1. ein ausgezeichneter Generalstab, der unsere Vortheile zu benutzen und die kleinere Zahl gut zu verwenden versteht; 2. eine vortrefflich bewaffnete, geschulte und disziplinirte Feldarmee und 3. ein opferbereites, nicht vom Wohlleben verwöhntes und gar nicht nervenschwaches Volk. Wie diese Erfordernisse nun realisirt werden können, das ist die Frage der jetzigen Militärpolitik.

Zunächst wird eine Revision der gegenwärtigen, etwas veralteten Militärorganisation sich damit zu be. schäftigen haben und liegen hiefür und für eine neue Felddienstordnung bereits Entwürfe vor. Der wesentliche Punkt dabei ist die intensivere Ausbildung der eigentlichen Feldarmee, d. h. des Auszugs bis zum 32. Alters. jahr. Daneben können dann noch in Frage kommen: Eine neue Territorialeintheilung und Truppenordnung, die eine raschere Mobilisation und einen beschleunigteren Aufmarsch nach der bedrohten Front ermöglicht, und einige Aenderungen in der Administration. Einige kleinere Wünschbarkeiten wären: Eine Vorschrift über die Be. handlung der prinzipiellen Dienstverweigerer und die bürgerliche Ehrenfähigkeit derselben (sei es in der Militärorganisation, oder durch Spezialgesetz) und die Mög. lichkeit auch die Unteroffiziere wegen Charakterfehlern auszumustern, wie es bei den Offizieren bereits nach Art. 80 der Mil.-Org. geschieht. Eine Hauptsache würde natürlich auch sein, die höhern Truppenführer veranlassen zu können, einen grösseren Theil ihrer Zeit ihrer fortdauernden militärischen Ausbildung und einer beständigen intensiven Beschäftigung mit dem Militärwesen zu widmen.') Wie das aber zu machen ist, ohne in die Crom. well'schen territorialen Militärcommando's zu verfallen, die unser Volk in Friedenszeiten wohl nicht ertragen würde, und ohne die bürgerliche Verwaltung in bestän. dige Reibung mit diesen militärischen Autoritäten zu

) Jetzt haben wir natürlich, wie alle Milizarmeen, ein wenig das athenische System, von welchem König Philipp von Mazedonien spöttisch sagte, er bewundere die Athener, die jedes Jahr 11 Feldherren wählen könnten, während er stets nach solchen suche und bisher nur Einen, den Parmenio, gefunden habe.

« PrécédentContinuer »