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Inzwischen hatten die Europåer, unterstüßt durch die Macht der westindischen Insel Porto:Riko, wo sie einen Zus fluchtort fanden, noch viele Anhänger, und Privathaß, Raubfucht und alle Leidenschaften, welche bey solchen Staats-Ume wälzungen in ihrer ganzen, durch das fübliche Temperament der Einwohner noch erhöhten, Stärke hervorzutreten pflegen, erregten bald Verschwörungen, Aufstand, blutige Unruhen und endlich Bürgerkrieg. In der ganzen Provinz, und nas mentlich in der Hauptstadt, sah man die stürmischen Tage der franzosischen Revolution wiederkehren; der Ausruf Freyheit und Gleichheit ertönte durch die Straßen, auf den verschied nen Stadtthoren erblickte man Köpfe auf Piken mit der Ues berschrift: Dieser Mann ist wegen Verrath am Vaterlande gestorben, und das Blut floß so häufig, daß bisweilen 12 Bürger an einem Tage hingerichtet wurden. Die Ausbrüche eines solchen Terrorismus ahnend, hatten viele Personen all måhlig ihr Vermögen fortgesendet und in Sicherheit gebracht; was zurückblieb, ward konfiscirt. Einen berühmten Vers theidiger mehr erhielt die Sache der Freyheit an dem bekann ten General Miranda (dessen Biographie sich im volitischen Jornal befindet), und der zu Guayra mit größern Hoffnun: gen landete, als denjenigen, mit denen er vor vier Jahren' den Boden seines Vaterlandes, wie wir früher erwähnten,' betreten hatte. Der Weg von Guayra bis zu seiner Vater: stadt Carracas, wo er mit Enthusiasmus und großen Ehren bezeugungen empfangen wurde, war für ihn ein wahrer Triumphzug, und bald stellte ihn die höchste Junta an die Spise der Kriegsmacht. Inzwischen brach der bürgerliche Krieg mit allen feinen Schrecken aus, welche durch die Bitterkeit des Parteyhasses, persönliche Leidenschaften und die Erinnerung an vormals erlittenes Unrecht noch vergrößert wurden, und bald theilte sich das ganze Land in zwey Par teyen, die einander mit der äußersten Wuth bekämpften. Für die Unabhängigkeit waren außer der Hauptstadt Carraças auch

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Laguira, Porto-Cavallo, Cormena, Barcellona und mehrere andre Orte, dagegen gewann in Venezuela die royalistische Partey das Uebergewicht, und ihre Anhänger in Meruabs, Santo Domingo und Santa Martha wurden von PortoRico aus unterstüßt. Die Republikaner rüsteten inzwischen Briggs und zwey Sloops, die der Junta gehörten, als Kaper aus, und brachten ein Heer von 17,000 Mann zusammen, welches Venezuela zu Wasser und zu Lande angriff, aber mit Verluft von 560 Mann und mehrern Öffizieren zurückgeschla= gen wurde. Unter diesen Umständen übernahm Miranda den Oberbefehl desselben, und beschleunigte die Unabhängig keit ́in der Hauptstadt, ungeachtet sein Plan, daselbst eine Konsular Regierung, an deren Spize er selber stehen wollte, für das ganze spanische Süd-Amerika zu errichten, mißlang.")

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Endlich kam eine nåhere Verbindung unter folgenden Provinzen des spanischen Amerika zu Stande, Carracas, Cumana, Varinas, Margaretha, Barcellona, Taurillos und Merida. Diese sieben Provinzen erklärten sich für unabhän gig unter dem Namen der vereinigten Provinzen von Venezuela. Am 5. Julius 1810 warb die Akte der unbedingten Freyheit und der republikanischen Verfassung geschlossen; am 6. proklamirten die Stådte Carracas und PortoCavallo ihre Unabhängigkeit unter dem Ausrufe: Tod Fer dinand dem VII. und allen europäischen Spaniern, und unter dem Jubel des Volks unterzeichneten darauf am 14. Jul alle Deputirten des Freystaats von Venezuela die Urkunde, die den neuen Freystaat in dieser Gegend der Welt gründete. Verkündet ward ein goldenes Zeitalter der neuen Welt, und schon traf die Rache des Volks Jeden, der sich seiner Wieder

* Vielmehr erklärte sich schon im May desselben Jahrs das vo: rige Königreich Neu-Grenada für selbftständig,, indem es einen General-Kongreß nach Santa Fé di Bagata berief; von dem Schicksale dieses Staats werden wir in der Folge handeln

geburt zu widerseßen wagte. Die Fahne des neuen Freystaats ist gelb mit einem roth und blauen Streifen, und nach dem Muster des nördlichen vereinigten sich die Volks-Repräs fentanten in einen General-Kongreß, dessen erster Pråfident Don Christoval de Mendoza und dessen Obergeneral Miranda ward. *)

In andern Distrikten schlossen sich die Royalisten inzwis fchen desto enger an einander, und Neu-Valencia ward ihr Hauptsiz. Miranda brach sogleich im August mit 4000 Mann gegen sie auf, unterwarf die Städte San Filippo und Virgua (von deren Junta die erstere dem Kongreß ein Glückwünschungschreiben mit einer ansehnlichen Summe zum öffent lichen Gebrauch übersendete), und rückte gegen Valencia vor. Die Spanier, unvermögend mit offener Gewalt zu widerstehen, bedienten sich hinterliftig treulofer Waffen. Sie unterzeichneten eine Kapitulation, und empfingen Miranda, der arglos in die Stadt einzog, unerwartet mit einem fo leb haften Feuer von allen Fenstern und Dächern, daß er sich mit großem Verlust zurückziehen und neue Verstärkungen erwarten musste. Er brach nun zum zweyten Mal gegen Valencia vor, doch nicht mit befferm Erfolge, und musste sich nach Verluft von 500 Mann abermals zum Rückzug entschließen. Fest auf seinem Vorfaße beharrend, und auch durch den Willen des Kongresses zu den äußersten Anstrengungen gegen die widerspenstige Stadt bestimmt, erschien er zum dritten Mal vor Valencia, und jest ward es eingenommen, und dem neuen Freystaate auf der Terra firma einverleibt. Der General

Merkwürdig ist die Uebereinstimmung der Tage; am 19. April 1775 veranlasste die Unternehmung des Generals Gage gegen die Provinzial-Versammlung zu Concord das erste Ges fecht bey Lerington, das Signal zum amerikanischen Freyheits Kriege; am 4. Juli 1776 erklärten sich auch die 13 vereinigs ten Provinzen für unabhängig; am 14. Juli 1789 brach bes kanntlich die französische Revolution aus.

Miranda unternahm am 13. August einen Sturm, der auf acht verschiednen Punkten zugleich statthatte. Bedrångt und von aller Kommunikation mit dem Wasser abgeschnitten, wollten die Valencianer am folgenden Morgen kapituliren, wors auf sich aber Miranda, gewarnt durch die frühere Erfah rung, nicht einließ. Sie mussten sich noch am nämlichen Tage auf Discretion ergeben, und mit dem Plaße ihre Waffen, ihre Artillerie, ihre aus fünf bewaffneten Fahrzeugen bestes. hende Marine und die Fahne des noch royalistischen Venes. zuela überliefern. Bald darauf berichtete der General Mis randa dem Kongresse, daß er im Arsenal von Neu-Valen cia eine große Menge von Munition, 17 Artilleriestücke von großem Kaliber, Proviant auf zwey Monate, und im Schake 70,000 Piafter gefunden habe, daß auch der Erfolg seiner Bemühungen, den Geist der Einwohner für die neue Ord nung der Dinge zu stimmen, mit wenigen Ausnahmen ganz vollkommen geglückt sey. Zu diesen Ausnahmen gehörte denn Valencia, an dem er eine zwar gerechte doch strenge Rache åbte, indem er einen großen Theil der Besaßung beym Einzug über die Klinge springen ließ. Nachdem er hierauf eine Befaßung von 2000 Mann in Valencia zurückgelassen hatte, rückte er an der Spiße eines bis auf 8000 Mann vermehrten Heers gegen Venezuela an, welches sich, durch das Beyspiel der verbündeten Stadt geschreckt, sogleich unterwarf. So hatte denn nun die Sache der Freyheit in der ganzen Republik den Sieg errungen, und hierüber erfreuet, erließ der Genes ral-Kongreß der vereinigten und unabhängigen Provinzen von Venezuela am 18. August folgendes Dekret:

Der Köngreß der vereinigten und unabhängigen Staas ten von Venezuela kann keine Ausdrücke finden, die stark gea nug wåren, seine Gefühle über das vortreffliche Betragen des Oberbefehlshabers Don Francesco Miranda wäh rend der Belagerung, des Sturms und der Einnahme der Stadt Neu- Valencia, so wie über den Patriotismus, die

Tapferkeit und Disziplin der Truppen unter seinem Kommando auszudrücken. Man wird die ganze Wichtigkeit dieser Expedition begreifen, wenn man bedenkt, daß sie zum Resultate hatte, die verführten Individuen aus ihrem Irrthum zu ziehen, und die erklärtesten Feinde des Bundes der Provinzen von Venezuela zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Die Mitglieder des Kongresses richten daher im Namen der Distrikte, die sie res pråsentiren, die aufrichtigsten Danksagungen an Don Fran= cesco Miranda, und befehlen, daß das gegenwärtige Des kret in die Staats-Edikte eingerückt werde. Gegeben im Fda deralpalaste von Carracas den 18. August 1811.

Christoval de Mendoza, Präsident.
M. Isanza, Staats-Sekretår.

Francisco Isnardi.

So hatte Miranda feinen lang und heißgenährten Wunsch erreicht, in seinem Vaterlande eine ausgezeichnete Rolle zu spielen, und die eifrighten Republikaner, die an= fangs seine Ehrfucht fürchteten, waren jezt in Rücksicht seines Patriotismus vollkommen beruhigt. Inzwischen veran= lafsten die Verschwörungen, welche man nicht mit Unrecht den Spaniern Schuld gab, in der Hauptstadt mehrere Deporta tionen und Hinrichtungen, wobey freylich wohl das Verfahren oft etwas übereilt und unregelmäßig ausfallen mochte, da man in dem jugendlichen Freystaat die Hauptsorge auf die unmittelbare und nächste Sicherheit richten musste. Bald aber beruhigte sich diese etwas terroristische Gährung der Gemů ther, die Regierung nahm einen ruhigern Charakter an, und erwarb sich die Zuneigung der Bürger, die durch freywillige Opfer auf dem Altar des Vaterlandes ihren Eifer für die Sache des Vaterlandes bewiesen; außer der Junta von San Filippo übersendete auch die Junta suprema der (angränzen den und einen eigenen Freystaat ausmachenden Staaten von Neu-Grenada) dem General-Kongreß ein Glückwünschung

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