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schreiben, und eine Summe von 250,000 Piastern, die zum öffentlichen Dienste verwendet werden sollte. Inzwischen hatte die königliche Partey im Innern des Landes noch viele Anhänger, und kaum war ein Monat verflossen, so brach (am Schluffe des Septembers) in Valencia eine neue Revos lution aus, welche die Absicht hatte, die neuen Autoritäten dieser Stadt zu stürzen, und das Ansehen der Junta von Cas dir wiederherzustellen; selbst viele Soldaten, die dem Genes ral-Kongreß den Eid der Treue geschworen (unter ihnen die Garden des Palastes), nahmen an der Verschwörung Antheil, und der Palast ward von ihnen um Mitternacht angegriffen. Allein die treugebliebenen Regimenter eilten zu den Waffen, und es entstand ein Gefecht, welches långer als eine Stunde dauerte, und mit der gänzlichen Niederlage der Royalisten -endigte. Beym Anbruche des Tages sah man die Straßen mit 700 Leichen bedeckt, und 200, angesehene Personen wur den bald darauf verhaftet, und größtentheils hingerichtet. Aehnliche Scenen waren auch in andern Theilen der vereinigten Provinzen nicht selten, feindliche Streifparteyen durch? strichen das Land, und fanden in den undurchdringlichen Wals dungen desselben einen sichern Zufluchtort, und kaum war die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt, als eine Erderschütte rung, wie die Geschichte der Erde wenig ihres Gleichen aufzuweisen hat, den neuen Freystaat duf's Neue zum Size der blutigsten Unruhen machte, und sogar seine politische Unab hängigkeit auf lange Zeit vernichtete. Englische und deutsche Blåtter haben eine ausführliche Schilderung dieses schrecklichén Phänomens mitgetheilt, welches sich von Carracas aus über einen großen Theil der Terra firma bis auf die westindischen. Inseln Guadeloupe, Martinique, Dominique 2c. erstreckte, ein Schiff, welches von den Inseln unter dem Winde in Eng Land eintraf, brachte die erste Nachricht von der Zerstörung des größten Theils der Stadt Carracas, den Untergang von 10,000 Menschen, der Verwüstung von Puerto-Caballo, we

gegen 80 Häuser einstürzten, den gånzlichen Ruin von Vitto: ria, der Zerstörung von Leon, dem Versinken ganzer Landstrecken, an deren Stelle Seen entstanden waren, und allen andern Folgen, welche diese furchtbare Natur-Erscheinung zu begleiten pflegen, nach Europa, und die Absendung des Don Martin Tova Ponte und seines Sekretårs Manuel Estenvich bestätigten nur zu sehr die Wahrheit dieser Bes gebenheit, welche um so trauriger war, da sie sich gerade an einem Ostertage zutrug, an welchem der größte Theil der Einwohner in den Kirchen versammelt war, und unter ihren Trümmern begraben wurde. Der Raum erlaubt uns nicht, die ausführlichen interessanten Erzählungen über die Wirkun gen dieses Erdbebens zu wiederholen, welche man in englis schen Blättern, in der Allgemeinen Zeitung und dem deutschen Beobachter angeführt findet, nur auf die politischen Folgen desselben glauben wir hier aufmerksam machen zu müssen. Die Macht des Fanatismus, der Spanien und alle Länder, die ihm vormals gehorchten, vorzugsweise zu dem Size seiz ner großen, aber fürchterlichen Aeußerungen gewählt zu haben scheint, ließ die zitternden Einwohner dies Natur - Ereigniß als eine Strafe des Himmels für ihre Insurrektion ansehen, und die Mönche, unter denen sich viele Anhänger der königlichen Partey befanden, benußten diese Stimmung, und predigten laut: „Gott selber habe wider die Insurrektion gesprochen." Dazu kamen andre Unfälle, die ein großes allge: meines Unglück zu begleiten pflegen, Hungersnoth, ansteckens de Krankheiten, Unordnungen, Räubereyen.

Was war unter solchen Umständen natürlicher, als daß die Royaligen sich auf's Neue erhoben, und in Venezuela (oder Cara) das Signal des Abfalls gaben, zu dem sich auch bald Maracaibo, die Margarethen-Insel, manche Gegenden von Guyana, und vor allen Valencia, verleiten lieffen. Die lehtere Stadt, deren Eroberung erst vor Kurzem so viel Blut gekostet hatte, nahm fogar eine Abtheilung spanischer Truppen

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aus Porto Rico in ihren Mauern auf, und im April 1812 kam es schon zu hißigen Gefechten. Die Lage der neuen Res publikaner war sehr gefahrvoll, und zwar um so mehr, da es der Regierung an allen Kriegs-Bedürfnissen fehlte, denn die Engländer hatten schon vor dem Ausbruche der Revolution ungeheure Borråthe von Baumaterialien und andern Vorrås then, deren Werth man auf acht Millionen Piaster fchäßte, zum Bedürfnisse ihrer Truppen in Amerika weggenommen, und auf die freywilligen Beytråge war nicht mehr so viel als vorher zu zählen, da eine große Zahl der Einwohner in ihren Meinungen swankend geworden. war. Um so enger schloss fen sich die aufrichtigen Republikaner, an einander, und man kann ihre patriotische Anstrengungen zur Erbauung neuer Kriegsschiffe und zur Ausrüstung und Verstärkung der Land. armee als ein Seitenstück des allgemeinen Enthusiasmus in Frankreich zu der Zeit, als Carnot an der Spike des Kriegs- Departements stand, ansehen. Freylich waren sie auch nicht ganz ohne auswärtige Hülfe, denn Nordamerika, welches die Sache der Schwester-Republiken in der ganzen neuen Welt lebhaft unterstüßte, sendete, sobald die Nachricht von den schrecklichen Verwüstungen des Erdbebens in Washington bekannt ward, für den Werth von 50,000 Pfd. an Lebensmitteln und andern Bedürfnissen nach Carracas, und verhieß neue Unterstüßung an Korn und Waffen; auch die Indianer, welche treue Bundesgenossen der Republikaner waren, entwickelten bey dieser Gelegenheit eine Beharrlichkeit und Unerschrockenheit, welche sehr gegen die Schwäche ihrer Vorfahren vor drey Jahrhunderten absticht. Sie zeich neten sich selbst in Seegefechten aus, die häufig auf dem Oronoko geliefert wurden, bis es am 27. May daselbst zwischen der Flotte der Independenten und der spanischen Ausrüstung von Cumana zu einer dreystündigen Schlacht kam. Obgleich die republicanische Eskadre zum Theil nur aus Boten mit Indianern bestand, welche, mit Pfeilen bewaffnet, den furchtEurop. Annalen, 1stes Stück. 1816.

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baren Wirkungen der Feuerwaffen entgegen kämpften, obgleic fie unter ihren Kriegsschiffen nur Kanonenbdte und Korvetter zählten, so wurden die Europäer doch gänzlich in die Flucht geschlagen, und eine Fregatte fiel den Siegern in die Hånde. Auch zu Lande fanden die Spanier, welche Carraccas ganz vernichtet, und Miranda geflüchtet glaubten, am 3. May heftigen Widerstand. Antonio Fernando de Leon warb in Carracas am 19. May zum Finanz-Minister, Bifiz co und Paro zu Chefs der Kriegs-Departemente, Mis kanda, der sein Hauptquartier wieder in Makaray aufschlug, zum Generaliffimus und zum Diktator erwählt, und zwey Lage darauf von ihm daselbst folgende Proklamation erlassen :

Francesco de Miranda, Generalissimus der verà einigten Staaten von Venezuela an die Gouverneure der kons föderirten Provinzen und sämmtliche Mitbürger, die Bez fehlshaber der Provinz Venezuela und ihre Einwohner.Ay

Die Gefahren, welche seit einiger Zeit das Vaterland fo nahe bedrohten, und die außerordentlichen Umstände, unter denen es sich im gegenwärtigen Augenblicke befindet, haben zuż vorderst den geehrten Kongreß und darauf die Prövinzialstån= de der Union gezwungen, Maßregeln zu ergreifen, die unsrer gefahrvollen Lage angemessen sind. Venezuela's Provinzen, die von allen Seiten mit Einfällen bedroht wurden, die bis jet vergeblichen Unternehmungen in Guyana, die verabscheuungs würdigen Corianer, diese niederträchtigen Feinde der Frey? heit, welche sich in das Herz der Provinz Carracas den Weg bahnen, nachdem sie verheerte Gemeinden überrascht und auss geplündert hatten, alle diese Ereignisse vereint, haben die Größe der Gefahr und die Nothwendigkeit gezeigt, ihr mit Kraft und Schnelligkeit zu begegnen. Diese Lage der Dinge hat verlanlasst, daß alle Städte der Union durch eine Akté vom 26. April, die am 4. May bekannt gemacht ward, mir eine uneingeschränkte Diktators Würde übertras gen, und durch eine Akte vom 19. May noh erweitert haben.

Diese Maßregeln der Regierung haben mir also eine große und außerordentliche Gewalt übertragen, doch in gleichem Maße ist auch meine Verantwortlichkeit vergrößert worden, und ich würde niemals alle meine Pflichten erfüllen, wenn es nicht mein einziges Augenmerk wåre, die Freyheit und Unab hängigkeit meines Vaterlandes zu gründen. Bürger, ich will den ehrenvollen, aber gefährlichen, Ruf annehmen, beys de wieder zu erheben, und rechne in diesem Vorhaben auf die einstimmige und gleichzeitige Mitwirkung der Regierung und der Gemeinden. Von der Erstern erwarte ich Kraft und Klugheit in der Ausführung meiner Befehle, von den Leßtern den glühendsten Patriotismus zum Schüße ihres Eigenthums, ihrer Personen und ihres Lebens. Dies sind unentbehrliche Erforderniffe, welche ich von ihnen zu erwarten, ja zu fors dern wage. Die Frucht dieser Anstrengungen wird die Errichtung und Bewaffnung einer National-Armee, die Vertilgung unfrer Feinde, die Vereinigung aller Provinzen, die Wieder: kehr der Freyheit, und endlich des Friedens unter allen Einwohnern von Venezuela seyn, welche in der Zukunft nur eine einzige große Familie ausmachen müssen. Um diese Palmen zu erringen, ist es nothwendig, die großen Fehler zu ergründen und hinwegzuråmen, welche sich der Erreichung dieser Absicht entgegenstellen. Einer dieser Hauptfehler war die Unordnung in unserm Finanzsystem und der Mißkredit unsers Papiergeldes. Man ist im Begriff, beyden abzuhelfen, indem man rechtliche und einsichtvolle Männer an die Spiße der Finanzen stellt, Banken errichtet, um die National-Münze in Umlauf und Kredit zu sehen, und Grundsäge annimmt, die nur das. gemeine Beste bezwecken. Der Mangel an verschiednen Gegenstånden, die unentbehrlich sind, um jeden Krieg mit Schnelligkeit und Erfolg zu führen, hat uns veranlasst, Maßregeln zu ergreifen, um sich diese mit größerer Leichtigkeit zu verschaffen. Ich bin daher mit einer eignen Vollmacht versehen worden, mit den fremden Nationen und den Freystaaten

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