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ihn ersuchte, meinen Degen zu seiner Vertheidigung anzuwenden, und mir zu gestatten, meinen lehten Blutstropfen in der Reihe der Tapfern zu vergießen, auf deren Treue er zählen konnte.

,,Se. Majestät wusste ferner, daß bereits mehrere Tage vor meiner Entlassung alle nöthige Verfügungen getrof fen worden waren, um in ganz Frankreich die gehörigen Vers theidigungmittel zu organisiren; daß man dem Feind in der Nähe der Hauptstadt alle mögliche Hindernisse entgegengesezt hatte; daß dafür gesorgt worden war, auf den Fall einer Niederlage in den westlichen und südlichen Provinzen neue Hülfmittel zu organisiren. Es war Sr, Majeståt bekannt, daß auf die erste Nachricht von gefährlichen Bewegungen im Norden von Frankreich ich den Marschall Mortier nach Lille geschickt und ihm Befehl ertheilt hatte, die Generale, Graf von Erlon und Lallemand, in Verhaft zu nehmen. Wenn alle diese Maßregeln nicht hinreichend waren, wenn man einige derselben gar nicht zur Ausführung gebracht hat, so ist es nicht mein Fehler, und man muß dieses Ursachen und Ereignissen zuschreiben, die von meiner Ergebenheit und von meinem Eifer ganz unabhängig waren.

,,Auch hatte Se. Maj. die Güte, mein Erbieten, ihr zu dienen, nicht zu verwerfen, und mir neue Beweise ihres Zus trauens zu verførechen. Wenige Tage nachher gab mir der König durch folgenden Brief Kenntniß von seinen Gesinnun gen in Hinsicht auf mich.

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Paris, 15. März 1815. Mein Better! ich schreibe Ihnen diesen Brief, um Sie von dem Empfang des Ihrigen zu benachrichtigen. Ich habe darin mit vielem Leidwesen die Wirkung der verlåumderischen Gerüchte gesehen, die man in Hinsicht auf Sie verbreitet hat. Sie werden mich nicht abhalten, Ihrer Ehre und Ihrer Treue stets Gerechtig keit widerfahren zu lassen, und Ihnen immer neue Beweise

meines Wohlwollens zu geben. Ich bitte Gott, er möge Sie; mein Vetter, in seinen heiligen Schuß nehmen.“

Unterz. Ludwig.

,,Uebrigens wird Herr von Bruges, den ich einige Stunden vor der Abreise des Königs bey mir zu sehen die Ehre hatte, erklåren, daß bis auf den lehten Augenblick der König, Monsieur, und er selbst, mich als einen treuen und ergebenen Diener betrachteten."

Soult kommt nun auf die, nach des Königs Abreise stattgehabten, Ereignisse, insofern sie Bezug auf ihn hatten.

,,Bonaparte saß wieder auf dem Thron. Was war nun das Betragen und das Schicksal der Verråther, die zu feinen Gunsten konspirirt, und mit Gefahr, ihr Leben und ihre Ehre zu verlieren, den Sturz der Bourbonen vors bereitet haben?

,,Sie mussten sich um ihren neuen Monarchen sammeln, und von ihm den Preis der wichtigen Dienste verlangen, die sie ihm geleistet hatten; er musste sie mit Ehrenstellen, Anse: · hen und Belohnungen überhåufen, Wenn sich nun unter ihnen ein Mann befand, der die höchsten Militärstellen bekleidet, der lange Zeit hindurch einen ziemlich großen Rufbesessen, der unter der gestürzten Regierung an der Svize eines Ministeriums gestanden, und diese wichtige Stelle be nugt hatte, um von langer Hand her den günstigen Erfolg der Bemühungen des Usurpators vorzubereiten, so musste nun nothwendigerweise ein solcher Mann mit allen Gunstbezeugungen überhäuft, er musste zu den höchsten Würden des Staats berufen werden.

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,,Nun denn ich war dieser Mann, wenn man der Verläumdung Glauben beymessen darf. Vergleichen wir nun, was in dieser Voraussetzung hätte geschehen sollen mit dem, was wirklich geschehen ist.

Bonaparte zog am 20. März Abends in die Tuil

leries ein. An demselben Tage hatte ich mich mit meiner Famike auf das Land begeben.

,,Am 26. März war ich noch nicht bey ihm gewesen. Wenn ich mich an diesem Tage zu ihm begab, so geschah es nur, weil er mich zu zwey verschiednen Malen durch den Gras fen Clauzel und den Herzog von Ropigo hatte berufen lassen.

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,,Warum hatte ich nicht alle diejenigen, auf die meine Verläumber einigen, Eindruck gemacht haben, zu Zeugen die: fer meiner ersten Unterhaltung mit Bonaparte? Ich dürfte wohl alsdann mich nicht gegen den Vorwurf vertheidis gen, zur Revolution des 20. März mitgewirkt zu haben.

„Wenn ich aber auch des Vortheils, die Umstände meis ner Unterhaltung mit Bonaparte anzuführen, beraubt bin, so kann ich doch wenigstens von dem Résultat derselben sprechen. An demselben 26. März kehrte ich auf's Land zurück, und blieb bis zum 11. May der neuen Regierung ganz fremd, ohne Ministerium, ohne Kommando, ohne Amt.

Ich beschränke mich darauf, die mir gemachten Vorwürfe durch Thatsachen, die nur meine Person betreffen, zu widerlegen. Ich habe mich begnügt, zu beweisen, daß ich nicht konspirirt habe, ohne zu untersuchen, ob wirklich eine Verschwörung vorhanden war, welche die Rückkehr Bonaparre's bezweckte. Diese lehtere Untersuchung hätte mich zu weit geführt; sie steht mit zu delikaten Verhältnissen in Verbindung, als daß ich mir gestatten könnte, sie zu berühren, es müsste denn seyn, daß mir die Sorge für meine Vertheidigung deßfalls eine Verpflichtung auflegt. Ich sage hier nur so viel, daß meine nachherigen Unterredungen mit Bona parte mich in Stand gesezt haben, eine bestimmte Meinung über die wahren Ursachen zu fassen, die ihn bewogen hatten, feine Unternehmung zu wagen, und daß viele vorgefasste Meinungen, die ich mit einer Menge von Zeugen dieser auf

ferordentlichen und unglücklichen Begebenheit anfangs theilte, hierdurch sich als ganz irrig zeigten."

Im leßten Abschnitt seiner Denkschrift berührt Soult fein Beträgen vom 11. May, bis zum 24. Juli.

In diesem Zeitraum habe ich nur wenige Thatsachen anzuführen, über die kein Streit entstehen kann.

Ich wurde zum Major-General der Armee ernannt; ich nahm diese Stelle an. In dieser Eigenschaft habe ich einen Tagsbefehl an die Soldaten unterzeichnet, der das Werk der Regierung war, welcher ich gehorchte. Ich habe die Preußen und Engländer bey Fleurus und Waterloo bekämpft. ,,Wenn dies Verbrechen sind, so bin ich strafbar.

,,Allein ich bin berechtigt, zu glauben, daß mein Bes tragen auch hierin nicht verbrecherisch war, und um davon überzeugt zu seyn, wird es hinreichen, dasselbe ohne Vorurs theil zu untersuchen, und es nicht von den Umständen zu ifoli ren, in denen sich Frankreich damals befand.

,,Der König hatte sich seit geraumer Zeit aus seinent Reich entfernt. Diese Entfernung, die dem wahren Inte: reffe Sr. Maj. zuwider war, hatte den Muth der Royalisten niedergeschlagen. Die Kapitulation des Herzogs von Angouleme beraubte sie ihrer lehten Hoffnung. Allent halben folgte Unterwerfung auf frühern Widerstand. Zu verlässig bedauerten viele Franzosen ihren rechtmäßigen Monarchen, und sahen nur mit Schrecken den neuen Herrscher, allein sie wichen Alle dem gebieterischen Geseß der Nothwendigkeit. Ganz Frankreich war unterworfen, und die Regie: rung des Usurpators faktisch begründet. Niemand wird diese Thatsache läugnen können.

In dieser Lage der Dinge wurden wir immer mehr mit dem Einfall der Armeen der fremden Mächte bedroht. Zahle reiche Heerhaufen von Preußen, Engländern und Destreis chern liessen auf den Grånzen Worte des Haffes und der Ra che erschallen. Die fremden Höfe hatten anfangs erklärt,

sie würden die Waffen nur ergreifen, um die Dynastie der Bourbons wieder auf den französischen Thron zu erheben, allein in einer nachfolgenden Erklärung nahmen sie diese feyer-liche Erklärung wieder zurück.

,,Bey der herannahenden Gefahr, verursacht durch Volker, die so lange von unsern Armeen besiegt worden waren, und in deren Mitte kein einziger Franzose erschien, mussten die Bürger von allen Meinungen nur den Ruin von Frankreich erblicken.

Ich beklagte im Schoß meiner Familie und meiner Freunde das traurige Geschick meines Vaterlandes, als ich meine Ernennung zu der Stelle des Major-Generals und zu gleich den Befehl erhielt, mich zur Armee zu begeben.

„Ich gehorchte, aber nicht als eine Kreatur von Bonaparte, um eine Gewalt zu vertheidigen, von der ich mein Glück erwartete oder schon hatte. Es ist der ganzen Armee bekannt, daß ich mich über diesen Mann stets zu beklagen hatte, und daß Niemand mit größerer Aufrichtigkeit seine/ Tyranney verabscheute, ob ich ihm gleich mit Eifer und Treue gedient hatte.

Ich gehorchte, aber auch nicht als Feind des Königs; er hatte mir nur Beweise seiner Achtung und seines Zutrauens gegeben, und ich kann nicht undankbar seyn.

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,,Allein ich gehorchte als Bürger, als Militår demjeni gen, der sich damals an der Spike der Regierung befand. „Mein Herz kann mich getäuscht haben. Allein es sagte mir, daß ein Marschall von Frankreich seinen Degen nicht in der Scheide lassen kann, sobald die ganze Armee zur Vertheidigung des Vaterlandes die Waffen ergriff. Die Geschichte hat den Admiral Blake nicht getadelt, als er die englische Flotte unter einem Usurpator befehligte; ob er gleich dessen Gewalt verabscheute, so kämpfte er dennoch mit Tapferkeit für die Vertheidigung des Nationalruhms und der Freyheit feines Vaterlandes. Die Geschichte hat die Worte aufbe

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