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sich notwendigerweise aus dem sonst mit glücklicher Konsequenz durchgeführten Plane dieser Lautierübungen ergibt, aber vielen als etwas zopfige Systematik erscheinen wird.

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Sehr lobenswert ist die durchaus geschmackvolle Auswahl der ausschliesslich modernen Texte, die zusammen ein interessantes Lesebuch bilden, im übrigen aber dem Umstande Rechnung tragen sollen, dass wie billig aktuelle Aussprache nur an modernen Textproben geübt werden kann. Man findet Stücke von Renan, France, Theuriet, Taine, Lemaître, Loti, Bourget, de Curel, Donnay, Rostand, Verlaine, Baudelaire, Remy de Gourmont, Brieux, Hervieu, Richepin, Mæterlinck u. a., auch Pasteur, sogar ein Fragment aus Gogols Tote Seelen“ (nach Dupuy, Les grands maîtres de la littérature russe au XIX. siècle). Die Zahl der Druckfehler, zumal in den Transkriptionen ist freilich etwas über Gebühr gross geworden.

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Mehrfach verweist Rosset auf den Phonographen als Hilfsmittel zur Kontrolle und Verbesserung der Aussprache. Zweifellos wird der Zylinder des Phonographen oder die moderne Grammophonplatte für die wissenschaftliche und praktische Behandlung der neueren Fremdsprachen immer mehr an Bedeutung gewinnen; ob die Instrumente aber jetzt schon zur verlässlichen Ergänzung lebendiger Lehrkräfte tauglich sind, ist so allgemein wohl nicht zu behaupten.

Königsberg.

G. Thurau.

Henry Bradley, The Making of English. Newyork, The Macmillan Company; London, Macmillan & Co., Ltd. 1904. 12o. pp. 245.

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Wir können uns freuen, dass dies Buch, welches sich an weitere Kreise wendet, einen Mann von dem Wissen und Können Henry Bradleys zum Verfasser hat. Wohl mancher hätte ein mit Fleiss kompiliertes nützliches Textbuch" oder auch ein allgemein bildendes" Unterhaltungsbuch über denselben Gegenstand zustande bringen können, aber nur ein Gelehrter wie Bradley, der, mit den Heimlichkeiten seiner Muttersprache innig vertraut, die gründlichste philologische Bildung mit schärfster Beobachtungsgabe und ungewöhnlichem Geschick anschaulicher Darstellung verbindet, konnte uns mit einem so vorzüglichen, in jeder Beziehung lobenswerten Werk beschenken. Hier spricht eine hervorragende Autorität zu uns, und zwar mit gewohnter liebenswürdigster Bescheidenheit. Kein Prunken mit Gelehrsamkeit, kein Aufwand rhetorischen Schmuckes, kein billiger Chauvinismus, sondern durchweg ruhige, objektive und ganz ausgezeichnet klare Darlegung. Da ist kein Satz, der uns nicht Belehrung böte, und der nicht auch für den philologisch Ungeschulten leicht fasslich wäre.

Auf knappem Raume hat der Verfasser eine Fülle von wissenswerten Tatsachen zusammengedrängt. Er wollte keine eigentliche, zünftige Geschichte der englischen Sprache schreiben, vielmehr war sein

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Augenmerk im wesentlichen darauf gerichtet, die treibenden Kräfte in dem komplizierten Entwicklungsprozess vorzuführen und weiterhin die Zweckmässigkeit der im Laufe der Jahrhunderte eingetretenen Veränderungen zu prüfen, d. h. zu untersuchen, inwiefern das Neue besser oder minder gut als das Alte ist. Nach einer allgemein orientierenden Einleitung über die verwandtschaftlichen Beziehungen der englischen Sprache, die Perioden in ihrer Geschichte, und die wichtigsten Merkmale des Altenglischen, trägt der Verfasser sein Material in vier Hauptkapiteln vor: The Making of English Grammar (II), What English owes to foreign tongues (III), Word-Making in English (IV), Changes in meaning (V). Die Lautgeschichte, welche dem Laien trotz der redlichsten Bemühungen doch unverständlich geblieben wäre, ist ausgeschaltet worden. Den Beschluss bildet ein höchst lesenswerter Bericht über 'Some Makers of English', d. h. namentlich die Bibelübersetzer, Chaucer, Spenser, Skakespeare, und schliesslich auch die Herde moderner Belletristen und Zeitungsschreiber, deren Einfluss auf die Fortbildung der Sprache in lichtvoller Weise gekennzeichnet wird.

Neben der Darstellung des geschichtlichen Werdeganges findet man beiläufig feine Beobachtungen über den gegenwärtigen Sprachgebrauch. Gelegentlich werden auch wertvolle literarische Bemerkungen eingeflochten, z. B. über den Gebrauch kühner Komposita bei verschiedenen älteren und neueren Dichter.

Ueber die Veränderungen auf dem Gebiete der Grammatik (II) wird in zwei Abteilungen gehandelt: 1. Vereinfachung der Flexion, 2. Neués grammatisches Material (neue Pronominalformen, Genitiv mit of 'Group Genitive', 'Attributive Substantive' [z. B. 'a House of Commons debate'], Hilfsverb). Als Ursachen der grammatischen Vereinfachung werden besonders lautliche Veränderung und Rassen-, bezw. Sprachmischung hervorgehoben. Dabei geschieht u. a. der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze als einer jedenfalls im Allgemeinen zutreffenden Theorie Erwähnung. Der Nivellierungstrieb (Systemzwang) spielt in der Entwicklung der englischen Grammatik eine geringere Rolle als man von vornherein annehmen möchte. Wirksamer war das Streben nach Deutlichkeit und besonders mach Kürze und Kraftersparnis, wie sich z. B. in der Beibehaltung 'unregelmässiger' Pluralia wie men, feet, geese, der Widerstandskraft der Präterita, dem Uebergang gewisser schwacher Verba zur starken Konjugation (z. B. dig, stick, wear) zeigt. Die gewaltige Bedeutung der skandinsvischen Niederlassungen vom 9. bis 11. Jahrhundert, die bekanntlich auch von dem Dänen O. Jespersen nachdrücklichst betont worden war, wird in gebührender Weise gewürdigt. Zu erwähnen ist, dass Bradley für das Pronomen she skandinavischen Ursprung als wahrscheinlich annimmt, wenngleich das Verhältnis der englischen Form zur altnordischen sú und sjá noch der Aufklärung bedürfe.

Aus dem reichhaltigen Kapitel (IV) über Wortbildung (1. Composition, 2. Derivation, 3. Root-Creation) sei einiges herausgegriffen. Ueber die Gründe des charakteristischen Verlustes an Kompositen äussert sich Bradley wie folgt (S. 118): "A consideration of these and similar examples will show that compound words have often the disadvantage that their etymological meaning has to be forgotten before they can become quite satisfactory instruments of expression. It would appear that the English are, from whatever cause, more conscious of this inconvenience than are the speakers of some other languages. At any rate, although many new compounds have been formed in every period of the language, a large proportion of them have been short-lived or of very limited currency; the general tendency has been to replace them by other words. In the Middle English period this tendency was fostered by the circumstance that the two fashionable languages, French and Latin, make very little use of composition; and the common practice of adopting words from these languages made it easy to find substitutes for the native compounds." In dem Abschnitt über Wortableitung findet sich Gelegenheit, die dem modernen Englischen eigentümliche lautliche Gleichheit vieler Subtantiva und Verba zu berühren, die man übrigens vom historischen Standpunkt aus auch in folgender Weise formulieren könnte: Eine erste Schicht umfasst Worte wie (a) love, help, sleep, in denen auf rein lautlichem Wege Subtantivum und Verbum zusammengeflossen sind; eine zweite und dritte Gruppe besteht aus analogisch zu erklärenden Substantiv-Verben wie (b) name, wire, und Verb-Substantiven wie (c) make, wash; im Laufe der Zeit nimmt die Bewegung immer grössere Dimensionen an. Bradley fügt hier eine interessante Beobachtung bei (S. 132): "Occasionally it happens that a noun in this way gives rise to a verb, which in its turn gives rise to another noun, all three words being exactly alike in sound and spelling. Thus, in the following examples: (1) The smoke of a pipe', (2) To smoke a pipe', (3) 'To have a smoke', the noun of (1) is not, strictly speaking, the same word as the noun of (3)." Als ein (teilweise) paralleles Beispiel fällt mir das Verbum express (Verbalsubstantivum expressing) ein, welches in den Vereinigten Staaten häufig im Sinne vour to send by express gebraucht wird (vgl. express company, expressman). Unter der Ueberschrift 'Back-Formation' behandelt der Verfasser eigenartige Fälle von Wortbildung wie to peddle (von pedlar), to beg (von beggar), to grovel (von grovelling), to nestle (wahrscheinlich erst von nestling), to edit (von editor), in denen durch Abstreifung des als Suffix missverstandenen letzten Teiles ein Pseudo-Stammwort hervorgebracht ist. - Schliesslich folgt noch ein origineller Abschnitt. über 'Root-Creation'. Der Ursprung der überraschend zahlreichen 'echoic words' (Murray), der Wörter ohne Etymologie im strengeren Sinne wie bang, cackle, giggle, mumble, twitter, whirr, quack; jiggle, joggle; famble,

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fumble; flash, flush u.s.w. wird sehr hübsch erklärt, Ueber den symbolischen Eigenwert von Lauten heisst es (S. 157): "But quite often the sound of a word has a real intrinsic significance. For instance, a word with long vowels, which we naturally utter slowly, suggests the idea of slow movement. A repetition of the same consonant suggests a repetition of movement, slow if the vowels be long, and rapid if the vowels be short. The vowels that are produced by the passage of the breath through a narrow opening, such as ee or i, are suited to convey the notion of something slender or slight, while a full vowel such as oo suggests a massive object. A syllable ending in a stopped consonant, especially an unvoiced one like p, t, k, preceded by a short vowel, affords a natural expression for the idea of some quick and abrupt action. Sequences of consonants which are harsh to the ear, or involve difficult muscular effort in utterance, are felt to be appropriate in words descriptive of harsh or violent movement. It would be possible to say a great deal more about the inherent symbolism of sounds . . . .

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Dass die Darstellung der fremden Elemente im Wortschatze (III)1) und des Bedeutungswandels (V) nicht zurücksteht, ist bei einem Lexikographen von Fach selbstverständlich. Reiches Material wird uns hier in übersichtlicher Weise anziehend vorgeführt. Insonderheit die Bedeutungsübergänge werden in wundervoll klarer Form erörtert. Wer sich für semasiologische Kuriosa interessiert, mag die Geschichte ingenuity, preposterous, emergency, premises, egregious durchlesen. Auf Einzelheiten kann hier nicht weiter eingegangen werden.

von

An die Frage, wie es gekommen sei, dass die englische Sprache sich soweit von ihrer ältesten Form entfernt habe, knüpft sich die weitere, was denn dabei herausgekommen sei. Wohl ist auch für Bradley The Making of English' im grossen Ganzen einem entschiededenen 'Progress in Language' gleich zu setzen. Jedoch verschweigt er nicht die mancherlei Einbussen, welche die Sprache im Verlauf ihrer Geschichte erlitten hat. So hat der Verlust von Flexionen vielfach Zweideutigkeit zur Folge. "There can be no doubt that in writing modern English special care and ingenuity are often required to avoid falling into ambiguities. Every unpractised writer of English frequently finds it necessary to alter a sentence which accurately expresses his meaning, because he perceives that the reader might for a moment be in doubt whether a particular word should be taken as a noun or a verb, or whether, if it is a verb, it is meant for the infinitive or the present tense. And if we venture on those inversions of the normal

1) Der Satz, dass wigwam nur mit Bezug auf indianische Verhältnisse gebraucht wird (S. 104), ist einzuschränken durch den Hinweis auf die häufige Verwendung des Wortes als terminus technicus im politischen Leben der Nordamerikaner (in Websters Dictionary und im Century Dictionary als 'slang', im Standard Dictionary als 'colloquial' bezeichnet).

Zeitschrift für franz. und engl. Unterricht Bd. IV.

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order of words which skilfully used contribute so much to force and beauty of expression, we have further to take care that the subject of the sentence is not mistaken for the object. Much of our poetry is obscure on a first reading, not because the diction is affected or allusive, but because the structure of the language has compelled the poet to choose between the claims of lucidity and those of emphasis or grace. There are passages in many English poets which are puzzling even to native readers, but which if rendered literally into Latin or German would appear quite simple and straightforward." (S. 74.) Das Zusammenfallen des gen. sing., nom. (acc.) plur. und gen. plur. ist störend. Das Verschwinden des Pronomens thou aus der Umgangssprache ist ein nicht wegzuleugnender Nachteil.1) Das Absterben mancher Worte hat zu Unbequemlichkeiten geführt, fehlen doch z. B. echt englische Adjectiva zu den Substantiven mind, eye, sun, moon, denen nun die Lehnworte mental, ocular, solar, lunar zur Seite stehen. Andererseits werden natürlich der beispiellose Reichtum des Wortschatzes, die feine Unterscheidung der Synonyma, die ausserordentliche Zweckmässigkeit und Präzision der analytischen, flexionsarmen Grammatik ('a noiseless grammatical machinery') mit. Lob bedacht, wie sie es verdienen. Jacob Grimm hat sich ja seinerzeit ungefähr ebenso ausgesprochen.

Dies möge zur Charakteristik des anregenden. Buches genügen. Der Lehrer des Englischen wird es mit Freude und Nutzen lesen. Und Vieles daraus dürfte auch schon den Schüler interessieren.

Minneapolis, Minn.

Fr. Klaeber.

Gustav Holzer, Elementary English Grammar. Heidelberg. Carl Winters Universitätsbuchhandlung. 1904.

This book is rather full for an Elementary Grammar; and a great deal of thought has gone to the making of it. Professor Holzer has attempted a task of no small difficulty for a German viz. to write an English grammar in English.

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The classification of the tenses of verbs is what strikes the reader most in the book. It is very elaborate; and we think it better for a pupil to learn a simpler plan of the tenses and pick up afterwards such periphrases as, he would have done learning, he has done learning. The latter sentence is given as the English translation of il vient d'apprendre, but this is in English he has just learnt which is not the equivalent of he has done learning. Another point. What is the difference of temporal aspect between he will have learned and he will have finished learning (p. 52)? The latter is not more complete than the

1) Dass ein ausreichender Ersatz für die Unterscheidung von thou und you eingetreten sei, kann man C. A. Smith (Publ. Mod. Lang. Ass. 15, 111 f) nicht zugeben.

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