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rief er im Frühjahr 1815 die Serbier wieder unter die Waffen, focht glüdlich und zwang die Türken (1816) zu einem Uebereinkommen, nad welchem sie den Serbiern die Verwaltung ihrer inneren Angelegenheiten zugestanden, während sie selbst nur die Festungen befeßt hielten. Die Pforte genehmigte zwar diesen Vertrag nid)t, aber der Pasda von Belgrad mußte ihn anerkennen. Milosch wurde von den Serbiern 1817 zum Oberhaupt erwählt und 1827 auf einer Nationalversammlung zu Kragujewaz zum erblichen Fürsten des Landes ernannt, in weldyer Würde ihn die Pforte 1834 bestätigte und zugleich anerkannte, daß die Serbier gegen einen Tribut von 2,300,000 türk. Piastern ihre inneren Angelegenbeiten unter einem einheimischen Fürsten selbst verwalten dürften und die Türken nur noch in Belgrad feßhaft bleiben, daselbst aber gleiche Rechte mit den Serbiern haben sollten. An dem Zuge der Russen, der mit dem Frieden von Adrianopel (1829) endigte, in welchem Serbien die sechs losgerissenen Distritte wieder erhielt, nahm Milojd nicht Tbeil. Die Verfassungsurkunde, welche er 1835 ausarbeiten ließ, kam wegen der Einwendungen Rußland's, Destreich's und der Pforte nicht zur Geltung, dagegen erhielt eine andere, welche unter russischem Einfluß 1838 zu Stande kam, die Genehmigung der Pforte. Parteiumtriebe zwangen den Fürsten Milosch 1839 zur Abdankung zu Gunsten seines Sohnes Milan Obrenow itid, der aber bald nad seiner Erhebung starb, worauf sein jüngster Sohn Mid ael Obrenowitsch zum Fürsten erhoben wurde. Auch dieser mußte 1843 dem Alerander Georgew itfd weichen (geb. 1806, Sohn des obgenannten Georg Czerny, welchen lekteren der Pajda von Belgrad nach einem mißlungenen Einfall in Serbien 1817 hatte hinrichten lassen). Alerander George witsch wurde, trop der Protestation des Fürsten Milosch und seines Sohnes, von der Pforte bestätigt. Die des Thrones für verlustig erklärte Familie des Fürsten Milosơ zog fidh nad Wien zurüc. Alerander Georgewitsd bat bisher gut regiert

. An dem Nacenkampfe im Jahr 1848 nahmen die Serbier zu Gunsten der Slaven gegen die Magyaren nur mäßigen Antheil. Bei der neuesten orientalisden Verwicklung (1854) kommen bis jept zwar hie und da panslavistische Bestrebungen zu Gunsten Rußland's zur Erscheinung, der Fürst Alerander Georgewitsch aber, der ebensowohl, wie Molisch, einsehen mag, daß seine Herrschaft zu Ende ist, wenn Rußland vollständig Herr jener Gegenden wird, sdeint fidy Destreich nähern

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zu wollen.

Walachei. Der Name Wladen oder Walachen soll von den alten deutschen Ansiedlern an der Donau herrühren und so viel als Ausländer bedeuten. Die Deutschen bezeichneten damit die alten Einwohner jener Gegenden; der Name (dyeint am Anfang des 10. Jahr: hunderts für die Bevölkerung jener Länder aufgekommen zu sein. Die Walachen selbst nennen sich Rumuny oder Romanen, Römer, was auf ihre Abstammung von römischen Colonisten zurüdweist; von den Türken werden sie Eflaks, das Land selbst Eflat genannt; auch die Bewohner der Moldau und anderer südlicher Donaugegenden find Waladen; es gibt deren im Ganzen ungefähr 5 Millionen. Ihre Sprache ist ein Gemisch von lateinisden und slavisden Wörtern, auch viele griechische, türkische und deutsche finden fich darunter, das lateinische Element jedoch ist vorherrschend. Die Angaben über die Größe des heutigen Fürstenthums der Walachei (fie wurde früher in die große und kleine Walachei getheilt) schwanken zwischen 1120 und 1350 Meilen, Einwohner 24/2 Millionen, größtentheils Walachen, welche der griechisch-katholisden Con= fession angehören, doch auch Griechen, Armenier, Juden und Zigeuner. Die Waladei grenzt gegen Norden an Destreich (Siebenbürgen) und die Moldau, gegen Westen an Serbien, gegen Süden und Osten an türkische Landestheile. Die ganze Grenzlinie gegen Serbien und die Türkei wird durch die Dona u gebildet. Hauptstadt Bukarescht, 80,000 Einwohner, Residenz des Hospodar's. Das Land verwaltet seine inneren Angelegen= beiten unabhängig von der Pforte, welcher ein jährlicher Tribut von 3 Millionen türkischer Piaster gezahlt wird, durch einen von Landesdeputirten aus den Großbojaren (hohem Adel) gewählten Hospodaren oder Fürsten, dem ein hoher Rath oder Divan zur Seite geseßt ist. Die Pforte und Rußland müssen die Wahl des Hospodars genehmigen. Gegenwärtig bekleidet diese Würde Fürst Barbo Dimitri Stirbei. Das Land gehörte bei den Alten zu Dacien. Es wurde im Jahr 104 nach Chr. römisde Provinz, die Römer septen viele Colonisten dahin, bauten Städte, Strassen und eine große Brüđe über die Donau. Zur Zeit der Völkerwanderung wurden nach einander die Gothen, Hunnen und Alanen Herren des Landes, im vierten Jahrhundert verbreitete sich auch das Christenthum unter den Einwohnern; dann folgten die Avaren, seit 803 die Bulgaren, deren König Bogoris 866 das Christenthum annahm und in seinen Besißungen an der Donau verbreitete, weiter am Ende des zehnten Jahrhunderts die Petscenegen, sodann die Kumanen und Ungarn. Am Anfang des zwölften Jahrhunderts (1106) entstand ein bulgarisdy-waladyisdes Königreid), das zeitweise unabhängig war, dann wieder unter griechischer oder ungarisder Lebenshoheit stand. 3m Jabr 1233 fielen die Tartaren in das Land und verwüsteten es zehn Jahre bindurd); König Bela von Ungarn suchte es mit Ungarn und Deutschen wieder zu bevölfern, nach und nady dlossen sich diesen auch die in die Wälder geflüchteten Walachen an. Da aber die römischkatholischen Ungarn die Walachen, welche den griechischen Ritus nicht aufgeben wollten, sehr bedrüdten, so suchten sich leptere unter dem Woiwoden Negrosot 1310 von Ungarn unabhängig zu machen, was ihnen jedoc, troß ihrer beständigen Kriege gegen Ungarn, nicht völlig gelang; fie blieben immer tributpflichtig. Unter türkis den Einfluß gerieth die Walacher zuerst 1389, wo der Woiwode Mirra, der von Ungarn abgefallen war, fich freiwillig unter türkische Oberhobeit stellte. jeßt an nehmen die Walachen an den beständigen Kriegen der Pforte gegen die dristlichen Mächte Theil, tämpfen tapfer bald auf der einen,

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bald auf der anderen Seite, find aber gleichwohl entweder den Ungarn oder den Türken tributpflichtig und ihr sonst so gesegnetes Land unterliegt Jahrhunderte hindurch einer immer wiederkehrenden Verwüstung, theilweise freilich auc in Folge eigener Parteitämpfe bei streitigen Woiwobenwahlen, wozu 'für die unglüdlichen Einwohner nods der Druc tam, den die ein gebornen Bojaren felbst über das rechtlose Volt ausübten. Tribut bezahlte die Waladei an die Pforte, mit den Unterbrechungen, welche dyristliche Siege veranlaßten, seit dem Jahr 1417 (Muhameð l.). Als die Bojaren 1493 über eine Woiwodenwahl uneinig waren, forderten fie den Sultan auf, den Woiwoden selbst zu ernennen, und die Pforte gab nun die Vorschrift, daß für die Zukunft jeder neue Woiwode entweder vom Sultan ernannt oder wenigstens bestätigt werden müßte. Rußland mischte sich zum ersten Mal in die Verhältnisse der Walachet unter Peter dem Großen. Durch das Versprechen, die Fürsten der Moldau und Waladei von der Pforte unabhängig zu machen, brachte Peter dieselben auf seine Seite. Als nun Rußland 1710 der Pforte den Krieg erklärt hatte, der Woiwobe der Waladei aber von dem Bündnisse wieder absprang, beseßten die Russen 1711 die Walachei, mußten fich jedoc), nachdem das ruffische Heer am Pruth eingeschlossen war, vermöge des Friedens bei Falrin 1711 wieder zurüdziehen. Der Woiwode der Moldau, Rantemir, war zu Peter geflohen, jener der Walachei aber, Constantin II., wurde von der Pforte abgesept und. nebst seinen vier Söhnen zu Constantinopel 1714 enthauptet. Sein Nachfolger Stephan II. Rantakuzenog wurde des Einverständnisses mit Destreich beschuldigt und 1716 in Constantinopel erbrosselt. Der Sultan feste jeßt (1716), ohne eine Wahl zuzulassen, den Pfortendragoman Nikolaus Maurokorbatos zum Woiwoden ein.

Es ist dies der erste Grieche, der diese Würde bekleidete ; feit dieser Zeit wurde der Titel Hospodar gewöhnlich. Von nun an nahm die Pforte die Hospodare meist aus den vornehmen griechiidhen Familien (Fanarioten) zu Constantinopel. Zuweilen erkauften die Bojaren mit Geld bei der Pforte die Genehmigung einer eigenen Wahl; der Sultan regte aber die Hospodare nach Belieben ein und ab; öfters wurden dieselben, mit Recht oder Unredyt, einer Verbindung mit Destreicy oder Rußland angeklagt und hingerichtet. Da fie schon beim Antritt ihres Amtes an die Pforte eine halbe Million Löwenthaler zahlen mußten, so saugten sie das Land, in welchem sie völlig nach Willkühr schalten konnten, auf das Neußerste aus. Im passarowißer Frieden 1718 wurde das Banat (circa 540 Meilen, früher zu Ungarn gehörig und als Grenzprovinz Banat genannt) von der Walachei abgetrennt und der östreichisden Monarchie einverleibt, bei welcher es geblieben. Im Jahr 1770 rüdten die Nussen in die Waladiei ein; das Land huldigte der Kaiserin Katharina II., tebrte aber 1774 im Frieden von Rutsdut-kainardidi wieder unter türtische Botmäßigkeit zurüc. Die Bedingungen dieses Frie: dens zu Gunsten der Walachen, namentlich daß sie sich ihren Hospcoar follten selbst wählen dürfen, wurden von der Pforte nicht gehalten; sogleich

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der nach dem Frieben erwählte Bojar Braschtow an wurde von der Pforte nicht anertannt, fie übertrug die Gospodarenwürde dem Alerander Opsilanti, den fie gleichwohl icon 1782 wieder abseßte. 3m Jahr 1789 befeßten die Russen gemeinschaftlich mit den Destreichern die Walachei von Neuem; im Frieden von Fafiy 1792 wurde das Land jedoch ber türkischen Oberhobeit wieder überlassen; 1807 rückten die Rufsen abermals ein, verlangten Abtretung des Landes, räumten es aber wieder im Frieden von Bukarest 1812. Nach dem Tode des Hogpodars Suzzo begann der Bojar Wladimiresto, früher ruffischer Officier, 1821 die Erhebung, aus welcher der griechische Befreiungskampf hervorging; er selbst hatte nur den Zweck, dem Drud der Bospodare und der Pforte auf die walachische Bevölterung ein Ende zu machen. Der ruffische Generalmajor »psilanti, ein Nachkomme früherer Hospobare, stellte fich in zafiy an die Spiße der Griechen und reßte die Bewegung fort. Die Walachen unterlagen völlig, ihr Land wurde fortan von den Türken beseßt gehalten, die in alle Städte und größeren Dörfer Ulema's als Lehrer septen; der neue Hospodar Fürst Grigori hita, völlig bepormundet von der Pforte, erlaubte fich die größten Erpressungen, um den Geldforderungen der Pforte zu dem griechischen Krieg zu genügen. Rußland nahm sich im Vertrag von Åtjerman 1826 der Walachen an. Die Gospodare sollten fortan nicht mehr aus den Fanarioten genommen, sondern von einem Divan der Bojaren auf sieben Jahre gewählt, von der Pforte zwar bestätigt, aber nur unter Zustimmung Rußland's verworfen oder abgeseßt werden können. Die Steuern sollten unter Zustimmung der Pforte und Rußland's von dem walachischen Divan fest= geseßt werden. Auch diesen Vertrag erfüllte die Pforte nicht. Die Russen besepten daher 1828 die Walachei abermals, Graf Pahlen wurde Generalgouverneur; die Lage der Einwohner aber gestaltete fich unter der Herrschaft der Russen keineswegs besser, vielmehr vermehrte sich der Drud durch Lieferungen u. f. f. in einer Weise, daß viele ihr Befißthum ganz verließen und in die Wälder floben. Im Frieden von Adrianopel 1829 wurde festgeseßt, daß die Convention von Atjerman gehalten werden müsse, die Hospodare aber fortan auf Lebenszeit gewählt werden follten. Alle Türken mußten die Walachei, deren Grenze gegen die türkidhen Provinzen die Donau bilden sollte, räumen. Bis zur Abzahlung der im Frieden von Adrianopel der Türkei auferlegten Entschädigungsjumme, d. i. bis 1834, blieb die Walabei unter russischer Verwaltung und von den Russen befekt; Commandirender war General Riffelef. In dieser Zeit wurde von den Bojaren unter Vorsiß des rusfischen Generalconsul's Minciaty eine Landesverfassung für die Fürstenthümer der Moldau und Walachei ausgearbeitet, welche in Petersburg einer Revision unterzogen, sodann von den beiden Schußmächten Rußland und der Türkei genehmigt und 1832 in den beiden Fürstenthümern als Landesgefeß eingeführt wurde. Auch wurde zwischen Rußland und der Pforte festgefeßt, baß der Tribut des Hospodár's an die Pforte jährlich 3 Millionen türkische Piaster betragen folle. Zum Hospodaren erwählten die Bojaren 1834 den Alerander Ghita, den Rußland und die Pforte zwar bestätigte; er dankte jedoch idyon 1842 auf Andringen der Bojaren wieder ab. Wenn es jeßt auch der russischen Politik nicht gelang, einen Russen (der General Kisselef und der russische Generalconsul waren unter den Candidaten) zur Hospodarenwürde zu erheben, so wußte sie doch die Wahl bon Georg Bibesto, einem rustich gesinnten Bojaren durchzuseßen. Das immer sichtlicher hervortretende Streben Rußland's, sich in der Waladhei festzuseßen, rief jedoch unter der Bevölkerung, namentlid in den Ständeversammlungen, einen wad senden Widerstand gegen den russischen Einfluß und gegen Bibesko selbst hervor, wiewohl lepterer durch Anlage von Strassen, Erleichterung der Lasten der Bauern 2c. fid um die innere Verwaltung anerkennungswertbe Verdienste erworben hatte. Im Jahr 1848 brach audy in der Walachei ein Aufstand aus, der

8นะ nächst von den Bauern ausging, fich aber bald über das ganze Land verbreitete. Die Forderungen, ausgehend von dem Saße, daß alle Einwohner gleidhe Rechte haben müßten, waren ähnliche, wie sie damals in den meisten Ländern Europa's gestellt wurden; ganz besonders aber verlangte man Unabhängigkeit von Rußland. Der Fürst mußte eine in der Eile in diesem Sinn zusammengeschriebene Verfassung unterzeichnen und besdhwören, legte aber am 25. Juni 1848, wo der russische Consul d. Rosebue gegen diese Verfassung protestirte, seine Regierung nieder. Auf Andringen der russischen Regierung rückte ein türkisches Heer von 23,000. Mann unter Omer Pasca in der Walachei ein. Als die Walachen sich der Anforderung, die Zustände wieder auf den alten Fuß zu seßen, nicht fügten, wurde am 26. Sept. Bukarescht von den Türken erstürmt, am 27. Sept. rüdte auch eine russische Armee unter General Lüders in das Land, der Aufstand wurde jept völlig unter: drüdt und Alles wieder auf den alten Fuß gebracht. Ueber die Art und Weise, wie die Verbältnisse der Donaufürstenthümer (Walachei und Moldau) für die Zukunft geordnet werden sollten, fanden zwischen der Pforte und dem petersburger Cabinet lange Verhandlungen statt, die endlich in der Acte von Balka-liman (1. Mai 1849) ihren Ausgangspunct fanden. In dieser Acte, die vorläufig auf sieben Jahre Gültigkeit haben sollte, nach welcher Zeit die beiden Höfe, wenn erforderlich, neue Bestimmungen treffen wollten, wurde festgeseßt, daß das Staatsgrundgese von 1831 wieder zur Gültigkeit komme, an die Stelle der Versammlungen der Bojaren aber ein aus einer Anzahl hoher Geistlicher und Bojaren zusammengesepter Divan trete. Das Reglement organique sollte von zwei Commissionen revidirt, die von denselben proponirten Aenderungen aber der Genehmigung der Höfe von Constantinopel und Petersburg unterworfen werden. Bis die Ruhe in den Fürstenthümern vollständig hergestellt sei, sollten zwei Commisjäre der Höfe und eine russisch-türkische Armee von 35,000 Mann in den Fürstenthümern bleiben, die Zahl der Occupationstruppen jedoch nach und nach vermindert werden. An die Stelle Bibesko's wurde

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