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eigenes Haus mit vier Thüren, zu denen auf ein gegebenes Zeichen die verschiedenen Gesandten zu gleicher Zeit eintraten. Zuerst verhandelten Destreich und die Pforte; die Bevollmächtigten Destreidy's waren der Graf Wolfgang von Dettingen und der Graf Leopold von Slidh, die der Pforte der Reis - Effendi Rami und Alerander Maurocordato. Anfangs (7. Nov. 1698) verlangten die Türken, daß Siebenbürgen einen eigenen Fürsten unter türkischer Oberhobeit bebalte; fie verzichteten aber bald auf diese Forderung, auch Ungarn erhielt der Raiser, mit Ausschluß des Banats, die Maros sollte die Grenze bis zu ihrer Einmündung in die Theiß machen. Destreich wollte die Verhandlungen nicht beginnen, bis die Auslieferung Tökely's zugesagt sei; allein die Türken gingen auf diesen Punkt nicht ein, sie erklärten, Tökely sei zwar ein Hund, der sich auf Befehl des Sultan's legen oder bellen müsse, aber er sei des Sultan's Hund, der auf seinen Befehl auch beißen könne. Tökely wurde nach Kleinasien gewiesen, wo er starb. Die Dauer des Friedens wurde auf 25 Jahre festgelegt. Nachdem Destreich seine Verhandlungen beendigt, trat es für die übrigen Mädyte vermittelnd auf. Die Polen erhielten Kaminieß zurück, die Türken verzichteten auf ihre Ansprüche auf die Ukraine und Podolien, dagegen gab Polen an die Türkei einige Pläße in der Moldau zurüd. Gegen Venedig zeigte sich die Pforte minder nadygiebig. Nach längeren Verhandlungen kam man überein, daß Venedig die Halbinsel Morea, St. Maura und Engina behalte, aber Lepanto, Prevesa und Romania herausgebe. Rußland lehnte jede Vermittlung ab und schloß zu Carlowiß nur einen Waffenstilstand auf zwei Jahre, nach welchem es das eroberte Assow behielt (dieser Waffenstilstand wurde am 13. Juli 1700 in einen dreißigjährigen Frieden umgewandelt). Nachdem sämmtlidie Verhandlungen 72 Tage gedauert hatten, wurde der Friede am 26. jan. 1699 allseitig unterzeichnet. Der Friede von Carlow is findet sich abgedruckt bei Lünig, teutsdes Reichearchiv Band V. (d. t. pars specialis continuatio 1 --4, pag. 172), bei Dümont T. VII. P. II. p. 448, bei Christ, Ruhe des jept lebenden Europa Band II. p. 1127, bei: Neye ottom. Pforte, Augsb. 1700, Band Il. p. 819. Wir geben hier nur das Friedensinstrument zwiidhen Destreid und der Pforte.

2. Friede zu Passarowiß.

(21. Juli 1718.) Die im carlowißer Frieden bestimmten 25 Friedensjahre waren noch nicht abgelaufen, als der Sultan Achmed III., um Morea wieder in seinen Besīß zu bekommen, mit den Venetianern einen neuen Krieg begann (1715) und in kurzer Zeit auch Morea und Candia eroberte. Benedig suchte Hülfe bei Destreid), das den carlowißer Frieden garantirt hatte. Prinz Eugen von Savoyen zog mit einem starken östreichischen

Beere gegen die Türken und schlug fie in zwei großen Schlachten, bei Peterwardein (5. Aug. 1716) und bei Belgrad (16. Aug. 1717). Nach diesen großen Verlusten erklärten sie sich im September 1717 zum Abschluß eines Friedens geneigt. Prinz Eugen erhielt Vollmacht, auf Grund des gegenwärtigen Besipstandes die Verhandlungen zu beginnen; dieselben hatten aber anfangs keinen Fortgang, da der französische Gesandte den Sultan zur Fortseßung des Krieges zu bestimmen suchte. Endlich drang der Mufti mit den Ulema's, welche den Frieden wünschten und von dem englischen Gesandten unterstüßt wurden, durds; man beschloß, die Verhandlungen ernstlich zur Hand zu nehmen. Zum Congreßort wurde Passarowiß, ein serbisches Städtchen am Einfluß der Morawa in die Donau, bestimmt. Destreich hatte im Laufe des Krieges Temeswar und fast ganz Serbien erobert; wenn es daher als Basis des Friedens den gegenwärtigen Befikstand aufstellte, so war es allerdings im Vortheil. Anders verhielt es sich mit den Venetianern; fie hatten Morea verloren, die Türken ihrerseits nahmen die vorgejdlagene Basis an, da sie ihnen Morea überließ, wenn sie fich auch im Norden des Reiches zu bedeutenden Abtretungen an die Destreicher verstehen mußten. Die beiden venetianischen Gesandten verhandelten lange mit dem Prinzen Eugen über diese für fic so unbillige Basis, die ja gerade Das den Türken übergab, um dessen Rettung fie den östreichischen Beistand angerufen hatten. Vergebens! Die kaiserlichen Bevollmächtigten erklärten ihnen, daß Venedig auch noch das von den Türken belagerte Gorfu verloren haben würde, wenn die Destreicher nicht die Schlacht bei Peterwardein gewonnen hätten; das erhaltene Corfu müsse für das verlorene Morea entschädigen. Die Venetianer verloren also in biesem, unter englischer und holländischer Vermittlung am 21. Juli 1718 zu Passaro wiß abgeschlossenen Frieden die Halbinsel Morea und bebielten blos einige eroberte Pläße in Dalmatien und Albanien; für Desta reich dagegen war dieser Frieden der glänzendste, den es jemals mit der Türkei geschlossen. Es behielt fünf Districte der kleinen Waladei, ben ganzen Banat, einen Theil von Serbien mit Belgrad, bis an die Morava und Drina; auf dem rechten Ufer der Unna J assenoviß, Dubicza, Alt- und Neu - Novi; ja es würde noch mehr erreicht haben, wenn der ausgebrochene spanische Krieg nid)t zum Frieden gedrängt und die Türfen ermuthigt hätte. Zu gleicher Zeit brachte der ehemalige kaiserliche Resident am türkisden Hofe, Fleischmann, zu Passarowiß mit der Pforte einen Handelstractat zu Stande. Nad) demselben genießen die östreichischen Unterthanen in der Türkei Freiheit des Handels; die östreichische Regierung hat das Recht, im türkischen Reiche Consuln und Agenten anzustellen, die perfischen Raufleute können, gegen eine Abgabe von 5 Procent, durch die türkischen Staaten nach den östreichischen Handel treiben; türkische Juden dürfen sich nicht ohne Aufforderung in die Handelsgeschäfte der Destreider als Sensale eindrängen u. 1. f. Der Frieden von Passarow it findet sich abgedruckt bei Lünig, teutsches

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Reichsarchiv, partis generalis continuatio II , bei Christ, Ruhe des jeßt lebenden Europa II. Band, bet Dumont T. VIII. P. 1., im großen Universallericon von Zedler, Lpgg. und Halle 1732, unter Passarowiß, und anderwärts.

3. Friede zu Belgrad.

(18. Sept. 1739.)

Die Russen waren ohne Kriegserklärung in das türkische Gebiet eingefallen und hatten Aflow genommen. Vergeblid suchte die Pforte durch die Vermittlung England's und Holland's zu ihrem Rechte zu gelangen; Rußland antwortete auf den Versuch dieser Mächte, die Sache friedlich beizulegen, durd eine förmlidie Erklärung des Krieges (26. Juli 1736). Dem östreichischen Unternuntius übergab der Großwesir ein Shreiben an den Hoffriegsrathspräsidenten Grafen Königseg 8, worin er auseinander septe, daß Rußland ohne alle Ursache den Krieg begonnen habe. In der Antwort auf dieses Sdyreiben (Januar 1737) trug Destreid der Pforte die Beschwerde Rußland's vor, erklärte fich als Verbündeten dieser Macht und erbot fich zur Vermittlung. Die Pforte nahm diese Vermittlung an, bestand aber auf der Räumung Affow's. Destreich jedod, ging auf diese Räumung nicht ein, erklärte vielmehr, daß es für seinen Verbündeten die Waffen ergreifen müsse, wenn man ihm Assow nicht überlasse, seşte den legten Termin auf den 1. Mai 1737 und begann sodann den Krieg, in der Hoffnung, seine Grenzen ansehnlich zu erweitern und so einen Ersaß für seinen Verlust von Neapel und Sicilien zu erhalten. Allein diese Hoffnung schlug fehl; Destreich war sehr unvollständig gerüstet, es mangelte an Allem. Sedendorf (früher östreidisder Gesandter am preußischen Hofe, der sich bereits auf einem seiner Güter in Sachsen zur Ruhe gesegt hatte) wollte das angebotene Com= mando gar nicht übernehmen, als er sich von den äußerst mangelhaften Vorbereitungen überzeugt hatte. Der Feldzug nahm allerdings einen äußerst vortheilhaften Anfang (12. Juli 1737), aber der Verlauf schlug völlig zum Nachtheil der Destreidyer aus. Man schrieb das Unglück der östreichisdyen Waffen in Wien einem „üblen Willen“ Seckendorf's zu (der General wurde verhaftet und starb als Gefangener), fepte den Grafen Königsegg an seine Stelle; aber auch dieser, der jeßt einen zweiten Feldzug begann, war gegen die Türfen überall im Nachtheil. Königsegg wurde abgerufen; auch der Herzog Franz von Lothringen (Gemahl der Maria Theresia) verließ jegt die Armee, und Graf Wallis erhielt für den dritten Feldzug (1739) den Oberbefehl. Er wurde bei Kroßka an der Donau von den Türken entscheidend geschlagen (23. Juli 1739). Nun suchten die Destreicher einen billigen Frieden zu erhalten; die Grafen Wallis und Neipperg begannen die Verhandlungen, der französische Gesandte Villeneuve vermittelte. Die Türken bestanden auf der Ueberlieferung Belgrad's, ohne daß die Festungswerke vorher geschleift werden dürften, wozu man sich endlich verstand. Am 18. Sept. 1739 wurde der Friede auf 27 Jahre förinlich abgeschlossen. Die Destreicher traten Belgrad und ganz Serbien, die östreichische Walach ei, einen Theil von Bosnien und Orsowa an die Pforte ab. Die Donau und Sau sollten die Grenze beider Reidye bilden. Das Banat von Temeswar blieb den Destreichern. Die Grafen Wallis und Neipperg wurden beschuldigt, daß fie diesen Frieden eigenmächtig und gegen die taiserliche Instruction geschlossen hätten, in Untersuchung gezogen und bestraft. Dies konnte jedoch die Verhältnisse nicht ändern. Nußland, welches glüdlicher gegen die Türken gefodyten hatte, als Destreich, war jeßt auf seine alleinige Kraft angewiesen und daher gleid) = falls zum Frieden geneigt, der unter der Vermittlung des französischen Gesandten zur nämlichen Zeit zu Belgrad zu Stande fam. Rußland gab seine Eroberungen, mit Ausnahme Assow's, das geschleift wurde, an die Pforte zurück; dagegen erkannte die Pforte den russischen Kaiser

Der Friede von Belgrad findet sich abgedrudt bei: Joh. Jac. Moser, der Belgradische Friedensidluß, mit Beilagen und Anmerkungen, Jena 1740, bei Wenck, codex juris gentium, I. Band, und anderwärts.

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4. Friede zu Sifto wa.

(4. Aug. 1791.) Hoffnung auf Bergrößerung seines Gebietes, namentlich die Absicht, die im Belgrader Frieden verlorenen Gebietstheile wieder zu gewinnen, welche einst der Frieden von Passarowiß an Destreid gebracht hatte, bestimmten den Raiser Joseph, an dem Kriege der russijden Kaiserin Ratbarina gegen die Türkei theilzunehmen. Die Feldzüge der Russen yon 1787 und 1788 waren ohne bedeutende Erfolge; der Rapudan Pasca dlug die russische Flotte bei Sebastopol ; der russische General Potemkin eroberte im Sturme das stark befestigte Oczakow. Am 9. Febr. 1788 hatte auch Destreich der Türkei den Krieg erkl rt, geblid), weil die Pforte die östreichische Vermittlung in dem Kriege mit Rugland nicht annehmen wollte, nachdem eine östreidide Heerabtheilung idon vorber den Versuch gemacht hatte, Belgrad zu überrumpeln. Kaiser Josepb führte das Hauptbeer persönlich; allein Anstrengungen und Seuchen rafften einen großen Theil der östreidischen Truppen dabin; der Kaiser febrte frank nad Wien zurüc (wo er am 20. Febr. 1790 starb). Jest übernahm der berühmte Laudon das Commando, eroberte Belgrad (8. Dkt. 1789), einen großen Theil Serbien's, der Prinz von Coburg orang in der Waladei vor. Auch die Russen machten unter Suwarow bedeutende Eroberungen. Diese Erfolge beunruhigten England, Holland, Preußen und Schweden; S dyweden schloß (9. Juli 1789)

ans

einen Subfidien-, Preußen (16. Jan. 1790) einen Alianztractat mit der Pforte, und preußische Heere rüdten an die östreichische und russische Grenze. Der König Friedrich Wilhelm von Preußen wollte zwar dem Raiser Leopold II. die Grenzen der passarowiper Friedens zuges stehen, aber nur, wenn Preußen, zur Herstellung des Gleichgewichts, von Polen die Städte Danzig und Thorn erhielte (Schreiben des preuß. Königs an den Kaiser Leopold vom 15. Apr. 1790). Wiewohl nun auch Destreich Truppen gegen die preußische Grenze marschiren ließ, so war es doch beiden Mächten mit dem Kriege nicht Ernst; die in Frantreich immer bedenklicher um sich greifende Revolution stimmte zum Frieden. Auf einem Congreß zu Reidenbad, wozu Destreich die Abgeordneten Reuß und Spielmann, Preußen den Minister Herzberg sandte (27. Juni 1790), wollte man eine Ausgleichung versuchen. Destreid versprach auf diesem Congresse mit der Pforte Friedensverhandlungen auf Grund des Besißstandes, wie er vor dem Kriege gewesen sei, einzuleiten; Preußen übernahm die Vermittlung und bedingte sich eine Entschädigung, wenn die Pforte freiwillig einiges Gebiet an Destreich abtreten würde. Vorläufig idlof Destreich mit der Pforte einen Waffenstilstand zu Giorgewo. Die Friedensunterhandlungen wurden unter preußischer, englischer und holländisder Vermittlung am 30. Dez. 1790 zu Sistow a eröffnet, zogen sich aber sehr in die Länge. Endlich tam der Friede am 4. Aug. 1791 zu Stande. Destreich erhielt, im Vergleich zu dem Glüde feiner Waffen, nur geringe Vortheile. Der für Destreid so ungünstige belgrader Frieden wurde aufredyt erhalten und der Status quo, wie vor dem Kriege, hergestellt. Nur Orsowa, die Unnagrenze und Dreßnig bis Ozettin wurden von den Türken an Destreich abgetreten. - Der Friebe findet sich abgedrudt bei Martens recueil de traités, Band V.

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