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datirten Erklärung, welche hier folgt, die deutsche Kaiserkrone nieder und nahm den Titel eines Kaisers von Destreich an. Das tausendjährige deutsche Reid war somit aufgehoben, und zwar gesdah dieser wichtige Act ohne irgend besondere Förmlichkeiten, an denen der deutsche Reichstag es doch sonst niemals fehlen ließ. Die Urkunde wurde nicht einmal durch die öffentliche Reichsdictatur dem Reichstage in einer feierlichen Sigung mitgeteilt, sondern einfach durch den erzherzoglich östreichischen Gejandten am 12. August 1806 den einzelnen Reichstagøgesandten zugesdhidt. Abgedrudt findet fie sich u. a. in Posselt's europ. Annalen Jahrg. 1806. 9. Stüd. Der König von England, als Rurfürst von Hannover, erklärte auf die geschebene Notification der Abbankung des Raisers, daß er diesen Schritt, als einen erzwungenen, nicht anerkenne, vielmehr das Reich und dessen Haupt als dem Rechte nach fortbestehend ansehen werde.

Abdicationsurkunde

des Kaisers Franz II.

vom 6. August 1806.

Wir Franz, der Zweite, von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, Erbkaiser von Oestreich etc., König in Germanien, zu Hungarn, Böheim, Croatien, Dalmatien, Slavonien, Galizien, Lodomerien und Jerusalem, Erzherzog zu Oestreich etc. Nach dem Abschlusse des Pressburger Friedens war Unsere ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt dahin gerichtet, allen Verpflichtungen, die Wir dadurch eingegangen hatten, mit gewohnter Treue und Gewissenhaftigkeit das vollkommenste Genüge zu leisten und die Segnungen des Friedens Unsern Völkern zu erhalten, die glücklich wieder hergestellten friedlichen Verhältnisse allenthalben zu befestigen, und zu erwarten, ob die durch diesen Frieden herbeigeführten wesentlichen Veränderungen im deutschen Reiche es Uns ferner möglich machen würden, den nach der kaiserlichen Wahlcapitulation Uns als Reichsoberhaupt obliegenden schweren Pflichten genug zu thun.

Die Folgerungen,

welche mehreren Artikeln des Pressburger Friedens gleich nach dessen Bekanntmachung und bis jetzt gegeben worden, und die allgemein bekannten Ereignisse, welche darauf im deutschen Reiche Statt hatten, haben Uns aber die Ueberzeugung gewährt, dass es unter den eingetretenen Umständen unmöglich sein werde, die durch den Wahlvertrag eingegangenen Verpflichtungen ferner zu erfüllen: und wenn noch der Fall übrig blieb, dass sich nach fördersamer Beseitigung eingetretener politischer Verwickelungen ein veränderter Stand ergeben dürfte, so hat gleichwohl die am 12. Juli zu Paris unterzeichnete und seitdem von den betreffenden Theilen genehmigte Uebereinkunft mehrerer vorzüglichen Stände zu ihrer gänzlichen Trennung von dem Reiche und ihrer Vereinigung zu einer besondern Conföderation die gehegte Erwartung vollends vernichtet. Bei der hierdurch vollendeten Ueberzeugung von der gänzlichen Unmöglichkeit, die Pflichten Unsers kaiserl. Amtes länger zu erfüllen, sind Wir es Unsern Grundsätzen und Unserer Würde schuldig, auf eine Krone zu verzichten, welche nur so lange Werth in Unsern Augen haben

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waren.

konnte, als Wir dem, von Kurfürsten, Fürsten und Ständen und übrigen Angehörigen des deutschen Reichs Uns bezeigten Zutrauen zu entsprechen, und den übernommenen Obliegenheiten ein Genüge zu leisten im Stande

Wir erklären demnach durch Gegenwärtiges, dass Wir das Band, welches Uns bis jetzt an den Staatskörper des deutschen Reichs gebunden hat, als gelöst ansehen, dass wir das reichsoberhauptliche Amt und Würde durch die Vereinigung der conföderirten rheinischen Stände als erloschen und Uns dadurch von allen übernommenen Pflichten gegen das deutsche Reich losgezählt betrachten, und die von wegen desselben bis jetzt getragene Kaiserkrone und geführte kaiserl. Regierung, wie hiermit geschieht, niederlegen. Wir entbinden zugleich Kurfürsten, Fürsten und Stände und alle Reichsangehörigen, insonderheit auch die Mitglieder der höchsten Reichsgerichte und die übrige Reichsdienerschaft von ihren Pflichten, womit sie an Uns, als das gesetzliche Oberhaupt des Reichs, durch die Constitution gebunden waren. Unsere sämmtlichen deutschen Provinzen und Reichsländer zählen Wir dagegen wechselseitig von allen Verpflichtungen, die sie bis jetzt unter was immer für einem Titel gegen das deutsche Reich getragen haben, los, und Wir werden selbige in ihrer Vereinigung mit dem ganzen östreichischen Staatskörper, als Kaiser von Oestreich, unter den wieder hergestellten und bestehenden friedlichen Verhältnissen mit allen Mächten und benachbarten Staaten zu jener Stufe des Glücks und Wohlstandes zu bringen beslissen sein, welche das Ziel aller Unserer Wünsche, der Zweck Unserer angelegensten Sorgfalt stets sein wird.

Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt Wien, den 6. August im eintausend achthundert sechsten, Unserer Reiche, des Römischen und der Erblichen im fünfzehnten Jahre.

(L. S.) Franz.

Johann Philipp Graf v. Stadion, Ad Mandatum Sacrae Caesareae ac caes. regiae apost. Maj. proprium.

Hofrath 0. Hudelist,

Verträge zwischen Bayern, Würtemberg, Baden und den Alliirten.

(8. Dkt., 2. und 20. Nov. 1813.) Als Napoleon im April 1813 seinen legten Feldzug in Deutschland begonnen hatte, fodit auch nod ein bayrisches Corps unter Marschau Dudinot mit den Franzosen und machte die Treffen bei Ludau und Großbeeren (23. Aug. 1813) mit. Allein der Ruf nach Befreiung von dem französischen Joche war bereits in ganz Deutschland so lebendig geworden und der Glüdsstern Napoleon's rüdte so sichtbar seinem Untergang entgegen, daß das bayrisdye Kabinet, nachdem sich auch Destreich am 10. August 1813 mit Rußland und Preußen gegen Napoleon verbündet hatte, ernstlich darauf badyte, feine Sache von der des französischen Raisers zu trennen. Die bayrische Armee stand einer östreichischen am Inn gegenüber, und hier kam am 8. Okt. 1813 in dem Marktfleden Ried zwischen Bayern und Oestreich ein Vertrag zu Stande, welcher die Grundlage aller übrigen Verträge mit den Rheinbundesfürsten und sowohl auf die künftige Gestaltung Deutschland's, wie auf den da: maligen Gang der Ereignisse von einem wichtigen Einflusse geworden ist. Im Artikel IV. nämlich garantirt Destreid in seinem und seiner Alliirten Namen Bayern die volle Souveränetät und den Besiß aller Gebietstheile, die es vor dem Beginn der Feindseligkeiten inne hatte. In dieser günstigen Bedingung lag einestheils eine Aufforderung an die übrigen Rheinbundesglieder, fidh durch den schleunigen Uebertritt die gleiden Vortheile zu verdaffen, anderntheils aber hatte sie auch den Weg vorgezeichnet, den die innere Gestaltung Deutschland's nach Beendigung des Krieges nehmen werde, nämlich, daß die einzelnen Länder ihre volle Souveränetät behalten würden und man zum Kaiserthum nicht mehr zurüdkehren werde. Im Uebrigen verweisen wir auf die hier folgende Urkunde selbst. Sie findet sich bei Martens nouveau recueil etc. tom. I. und (ohne die geheimen Artikel) bei Klüber, Acten des Wiener Con= gresses Heft 2.

Dem Beispiele Bayern's folgten alsbald die fämmtlichen Rheinbundesfürsten, von denen jedod der König von Sachsen, der als

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Gefangener in Berlin lebte, der Großherzog von Frankfurt, der sein Land freiwillig verlassen und sich in sein Bisthum Constanz zurüdgezogen hatte, die Fürsten von Isenburg und Leien ausgeschlossen wurden. Im Laufe des Monates November und Dezember 1813 schlof= sen die vormaligen Rheinbundesfürsten mit Destreich, Preußen und Rußland die dahin bezüglichen Verträge ab, in denen ihnen so ziemlich diefelben Bedingungen eingeräumt wurden, wie Bayern, nur mit dem Beisaße, der sich im bayrischen Vertrage nicht findet, daß fie fich den Ginridtungen fügen wollten, die man bezüglich der Unabhängigkeit und Freiheit Deutschland's für nothwendig befinden werde. Am 1. Nov. schloß Sachsen-Weimar, am 2. Nov. Würtemberg und das Große herzogthum effen, am 20. Nov. Baden, am 23. Nassau, am 24. Coburg, am 2. Dez. der Kurfürst von Hessen seinen Vertrag ab. Förmlich wurde der Rheinbund erst im ersten pariser Frieden aufgelöst. Wir lassen hier die Verträge der beiden, nach Bayern bedeutendsten sübbeutschen Staaten, nämlich die von Würtemberg und Baben, folgen. (Sie finden fich u. a. bei Martens nouveau recueil tom. I.)

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