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fich England durch Vermittlung Wellington's, ber nach Petersburg gefandt worden war, am 4. April 1826 mit Rußland für die Beendigung des griechisch-türkischen Kampfes. Es lag nabe, daß bei dieser Veranlassung auch die mehrjährigen Differenzen zwijchen der Pforte und Rub= land beigelegt würden; Rußland aber verbat sich jede fremde Einmischung und wollte blos diese Verhältnisse, welche ein Wiederanknüpfen seiner seit 1821 mit der Pforte abgebrodenen diplomatischen Verbindungen verlangten, benüßen, um auch seine eigenen Angelegenheiten mit der Türkei zu ordnen. Der russische Geschäftsträger in Constantinopel übergab am 5. April 1826 ein Ultimatum, worin die Absendung von türkisden Bevollmächtigten an die russische Grenze zur Ausgleichung der Differenzen und die Vollziehung des Friedens von Bukarescht gefordert wurde. Die Pforte wollte sich nicht gern durch neue Stipulationen binden, und glaubte einer solchen Conferenz auszuweichen, wenn sie die in Haft gehaltenen serbischen Deputirten entließe und in der Walachei alles auf den Fuß von 1821 stellte. Allein Rußland drang demungeachtet auf gegenseitige Verhandlung, und so erschienen endlich am 5. August 1826 in Atjer: man, einer Stadt in Bessarabien an der Mündung des Dnjester in das sdhwarze Meer, als türkische Bevollmächtigte Seid Mehemed, Hadi Effendi und Seid Ibrahim Iffet Effendi; die russisdien Bevoumächtigten, der Staatsrath Fronton, Graf Woronzow, Gouverneur von Neurußland, und der Geheimerath v. Ribea upierre, hatten fich schon früher in Afjerman eingefunden. Die Conferenzen begannen am 6. August, das Protokoll führte der Baron Brunow. Die Türken erhoben Sdywierigkeiten und zogen die Verhandlungen in die Länge. Nur die Drohung, daß die am Pruth aufgestellte russische Armee bei längerem Zögern den Fluß überschreiten werde, erwirkte endlich am 7. Dktober 1826 die Unterzeichnung des Vertrages. Der Marquis von Ribeaupierre, welcher zum russischen Botschafter bei der Pforte bestimmt war, begab sich nach Abidließung desselben sogleich nach Constantinopel, um die Vollziehung der Convention zu betreiben.

Die Convention enthält 8 Artikel und zwei Separat-Artikel, wovon der erste die Moldau und Wala chei, der zweite Serbien betrifft. Der erste Artikel bestätigt den bukareschter Frieden in allen seinen Stipulationen. Der zweite bezieht sich auf ein am 21. Aug. (2. Sept. 1817 zu Constantinopel zwischen dem russischen Gesandten und den Ministern der Pforte abgefaßtes Protokoll, welches die Hauptmündung der Donau völlig in die Hände der Russen liefert, und das hier anerkannt wird, wie wenn es budystäblich in die Convention eingerückt wäre. 9m dritten Artikel verspricht die Pforte die genaueste Aufrechthaltung der Privilegien der Moldau und Waladhei. Im vierten bequemt sie sich zu dem Berlangen Rußland's, die Grenzen in Asien nach dem dermaligen factischen Besiß zu regeln, wonach also die von Rußland besepten türtischen Festungen in Asien im Besiß der Russen blieben. Im fünften Artikel verpflichtet sich die Pforte, die Bestimmungen des bukareschter

Friedens bezüglich Serbien's gewissenhaft zu erfüllen. Nach dem sechsten Artikel soll den beiderseitigen Unterthanen durch eine gemischte Commission zur Liquidirung ihrer Privatforderungen an Unterthanen des anderen Theiles verholfen, auch Entschädigung für die während des Krieges erlittenen Gonfiscationen und Beraubungen durch Piraten geleistet werden. Der siebente Artikel verspricht den russischen Schiffen Schuß vor den Piraten von Algier, Tunis und Tripolis und dem russischen Handel ungehinderte Freiheit im türkischen Reiche. Der erste Separat- Artitel behandelt die Verhältnisse der Moldau und Walachei und segt namentlich fest, daß die Hospodare auf sieben Jahre von den Bojaren, unter Billigung der getroffenen Wahl von Seiten der Pforte und Rußland’s gewählt werden sollen. Der zweite Separat-Artikel zählt die eingelnen Rechte der Serbier auf und macht die Pforte verbindlich, den Beschwerden derselben abzuhelfen. Die Convention von Atjerman findet sich abgebrudt in Nr. 349 des Moniteur Jahrgang 1826, im Journal de Francfort vom 10. Dez. 1826, bei Martens nouveau recueil tom. VI b., p. 1053, bet Martens et Cussy recueil manuel t. IV, p. 221 u. a.

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5. friede von Adrianopel.

(14. Sept. 1829.)

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Die Mächte England, Frankreich und Rußland hatten am 6. Juli 1827 zu London einen Vertrag geschlossen, durch welchen sie sich vereinigten, dem Krieg zwischen der Pforte und Griechenland ein Ende zu machen. Sie beantragten bei der Pforte zunächst einen Waffenstilstand, wurden aber vom Sultan Mahmud II. in beleidigender Weise abgewiesen. Der Angriff der verbündeten Flotten auf die türkisde Flotte bei Navarin und die Zerstörung der leßteren (20. Okt. 1827) brachte den Sultan so sehr in Aufregung, daß er am 3. Nov. den Gesandten der drei Mächte sagen ließ, ihre Anwesenheit in Constantinopel sei ihm gleichgültig, und der Divan erklärte am 5. Nov. alle mit England, Frantreich und Rußland geschlossenen Verträge für aufgehoben. Die Gesandten reisten Anfangs Dezembers ab; die Pforte sperrte den Bosporus, vertrieb die Unterthanen der drei Mächte aus Constantinopel und rief alle Moslemim zu den Waffen. Rußland sammelte im Anfang des Jahres 1828 eine gegen die europäische Türkei bestimmte Armee von 178,000 Mann unter Witgenstein, eine andere von 70,000 Mann, welche gegen Kleinasien marsdiren sollte, unter Pastewitíd, und erklärte am 26. Apr. 1828 an die Pforte den Krieg. Die Festungen Braila, Maczin, Tuldscha, Şirsowa, Kustendschi, Anapa, Varna fielen nach und nach, ohne besondere Anstrengung, in die Hände der Russen; in Afien eroberte Paskepo itsa Kars, Athalkalati, Athaltzit. Um 11. Juni 1829 schlug der

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Feldmarschau Diebitsch, der im Winter vorher das Commando über die russische Armee in der europ. Türkei erhalten hatte, den Großwefir Reidid Pascha entscheidenb bei Madara, am 30. Juni fiel Silistria, hierauf überschritt die russische Armee den Balkan, drang immer weiter vor, ohne besonderen Widerstand zu finden (das Aufgebot des türkischen Volkes in Masse hatte nur eine sehr geringe Wirkung) und ersdien am 19. Aug. 1829 vor Abrianopel, das schon am folgenden Tag capitulirte. Die türkischen Truppen wurden entwaffnet und Diebitsch zog in Adrianopel ein. Auch in Asien waren die Russen im entschiedenen Vortheil und drangen rajd vorwärts.

Am 4. Aug. war der preußische Generallieutenant . Müffling in Constantinopel eingetroffen und versicherte dem Sultan im Namen des Königs von Preußen, daß Kaiser Nikolaus sich nicht auf Kosten des türkisden Reiches vergrößern, sondern billige Bedingungen stellen wolle und hauptsächlich auf die Erfüllung der Convention von Atjerman dringe. Hierauf nahmen am 1. Sept. 1829 die Friedensconferenzen im Hauptquartier des Feldmarschaus Diebitsch ihren Anfang. Russische Bevollmächtigte waren der Geheimerath Graf v. Þablen und der General-Adjutant Graf v. Drlow; von Seiten der Pforte der Defterdar Mebemed zabit Effendi und der berridter Abu! Kadir Bei; das Protokoll führte Baron Brunow. Es handelte sich hauptsädlich um Erfüllung des Friedens von Bukares dt und der Convention von Afjerman. Am 4. Sept. wurden die Präliminarien unterzeid net. An der von den Russen verlangten Entschädigungssumme (1/2 Millionen hou. Ducaten für die russijden Unterthanen und 10 Millionen hou. Ducaten an Rußland selbst für Kriegetosten, lepterer Punct ist im 9. Artikel des Friedensinstruments offen gelassen) sdienen fich die Unterhandlungen zu zersdlagen; doch führte die Drohung des russischen Feldmarsdịaus, gegen Constantinopel vorzurüđen, und die Vermittlung des preußischen Gesandten s. Royer, der am 11. Sept. bei den Conferenzen eintraf, endlid den Abschluß des Friedens herbet, der am 26. Sept. 1829 vom Sultan ratificirt wurde. Am 20. Nov. 1829 zogen die Russen aus Adrianopel ab. Die Pforte fandte im Frühjahr 1830 einen außerordentlichen Gesandten in der Person Halil-Pada' nach Petersburg, um den Kaiser zu einer Verminderung der Entschädigungssumme zu bestimmen. In Folge dieser Sendung wurde durch Convention vom 5. Mai 1830 an der Entschädigungeforderung für Kriegskosten 3 Millionen Ducaten erlassen.

Das Friedensinstrument von Adrianopel besteht aus 16 Artikeln. Angesd lossen ist ein Separatvertrag zwischen Rußland und der Pforte, die Dona ufürstenthümer betreffend.

Im zweiten Artikel stellt Rußland der Pforte die Moldau und Waladei nebst den übrigen in dem Kriege gemachten Eroberungen zurüc. Nach dem dritten Artikel soll, wie bisher , der Pruth die Grenze betder Reiche bis an seinen Einfluß in die Donau bilden. Von dort an

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foll die Grenze dem Lauf der Donau folgen bis an die Mündung des Armes von Sct. Georg und zwar so, daß alle durch die verschiedenen Donauarme gebildeten Inseln zu Rußland gehören. Das rechte Donauufer, welches den Türken bleibt, 'muß von dem Plaß an, wo fich der Arm von Sct. Georg von dem Arme von Sulineh trennt, zwei Stunden landeinwärts unbewohnt bleiben und die Türken haben kein Recht, daselbst Befestigungen oder Etablissements irgend einer Art anzulegen. Auf dieses Redt verzichten auch die Russen bezüglich der Donauinseln. Im Weiteren werden Bestimmungen über die Donauschifffahrt gegeben. Der vierte Artikel behandelt die Grenzen in Afien; fie werden genau angegeben; Alles, was südlich und westlich von dieser Grenzlinie liegt, fou der Pforte, alles, was nördlich und östlid, zu Rußland gehören. 3n Folge dieser Bestimmung gibt Rußland das Paschalit Athaltzit, die Stadt und das Paschalik von Kars, die Stadt und das Paschalit von Bayazid, die Stadt und das Paschalit von Erzerum zurüd, dagegen behält eg die Festungen und Städte Athaltzit, Anapa, Poti, Uz dhour und atbalfalaki. Der fünfte Artikel stellt die Fürstenthümer Moldau und Walahei wieder unter die Oberhoheit der Pforte, fichert ihnen aber ihre Privilegien, und bestimmt, daß der in Bezug auf diese Fürstenthümer dem Friedensinstrument angeschlossene Separatvertrag diefelbe Gültigkeit habe, wie wenn er einen Artikel des Instrumentes selbst ausmachte. Der jedote Artikel bringt auf Erfüllung der Convention von Atjerman in Bezug auf Serbien, namentlich auf Rüdstellung der sechs abgerissenen Districte. Der siebente Artikel fichert den russischen Unterthanen die vouste Handelsfreiheit im türkischen Reiche. Die Passage durch die Meer: enge von Constantinopel und durch die Dardanellen sou sowohl den ruffischen Rauffahrteischiffen, als denen anderer Nationen, mit welchen die Pforte frieben hat, unbehindert offen stehen. Der a chte Artikel bestimmt, daß die Pforte zur Entschädigung an russische Unterthanen die Summe von 1'/, Millionen hou. Ducaten bezahle. Der neunte Artikel erklärt, daß fich Rußland als Entschädigung für seine Kriegskosten nicht mit der unbedeutenden Gebietsvergrößerung in Afien begnügen könne, sondern daß die Türkei noch eine festzuseßende Summe in Baarem zu zahlen habe. 3m zehnten Artikel bekennt sich die Pforte zu den Verträgen der Mächte vom 6. Juli 1827 und 22. März 1829 bezüglich Griechenland's. Sie verpflichtet sich, diese Bestimmungen sogleich nach der Unterzeichnung des Friedens in's Wert zu seßen. Im elften Artikel verpflichtet sich die Pforte, die Artikel des Friedens nach der Unterzeichnung auch sogleich auszuführen. Erst nachdem dies geschehen, wird die russische Armee das türkische Gebiet räumen. Nach dem zwölften Artikel sollen die Feindseligkeiten sogleich nach Unterzeichnung des Friedens aufhören. Im dreigebnten wird Amnestie bewilligt, im vierzehnten werden die Gefangenen gegenseitig frei gegeben, im fünfzehnten alle älteren Friedensschlüsse und Verträge, so weit fie durch gegenwärtigen keine Abänderung erleiden, bestätigt. Der redozehnte Artikel verspridt die Ratification des Fries bensinstruments in längstens sechs Monaten. Der die Moldau und Walachei betreffende Separatvertrag bestimmt zunächst, daß, um den dortigen Verhältnissen mehr Stetigkeit zu geben, die Hospodare nicht mehr, wie bisher, auf fieben Jahre, sondern auf Lebenszeit gewählt werden sollen; die Hospodare haben sich bloß mit ihren Divans zu berathen und dürfen in der Verwaltung der inneren Verhältnisse von der Pforte nicht gestört werben.

Sodann folgen weitere Festfeßungen und Erklärungen zu Gunsten der Einwohner genannter Fürstenthümer. - Das Friedensinstrument von Adrianopel mit dem Separatvertrag, welcher die Moldau und Walachei betrifft, findet fich abgedrudt im Journal de Francfort, Jahrg. 1829, Nr. 293 und 295, bei Martens nouveau recueil tom. VIII, p. 143, bei Martens et Cussy recueil manuel tom. IV, p. 221 u. a.

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6. Vertrag von Unkiar-38kelessi.

(8. Juli 1833.)

Der Vicetönig von Aegypten Mebemed-Ult hatte im Oktober 1831 Syrien beseßt, was die Spannung, welche zwischen ihm und dem Sultan Mahmud II. schon seit der Capitulation von Morea obwaltete, in offenen Krieg ausbrechen ließ. Mehemed - Alt und sein Sohn Ibrahim wurden in Constantinopel mit dem Bann belegt, und gegen lepteren zog im März 1832 unter Hussein - Pascha ein türkisches Heer. Die Türken waren jedoch den Aegyptern nicht gewadisen; ussein: Pada wurde am 7. Zult bei ems, der Großwefir Reidid - Paida, der nach ihm das Commando übernommen hatte, am 21. Dez. 1832 bei Konieh total geschlagen. Die ägyptijdse Armee bedrohte Constantinopel. Rußland war schon früher zur Unterstübung des Sultans bereit gewesen, Mahmud aber hatte das Anerbieten eines Hülfsbeeres abgelehnt und sich an England gewandt. Da das englische Cabinet die nadıgesuchte Vermittlung von fich wies, warf sich der bedrängte Sultan jeßt in die Arme Rußlands und bat um eine Flotte mit 5000 Mann Landtruppen und ein Hülfeheer von 25,000 Mann (2. Febr. 1833). Die russisdie Hülfe war bereit. Eine ruffisde Flotte brachte bei untiar - 3 skeleist ein russisches Heer an die kleinasiatische Küste, das auf den dortigen Höhen am 5. April ein Lager bezog und bis zum 10. Juli 1833 daselbst verweilte. untiar - 3$teleifi ist eigentlich eine Verstümmelung aus Chunkiar- 3 skelesi, d. 5. Landungsplaß des Kaisers. Die Türken bezeichnen mit diesem Namen ein schönes Thalam asiatischen Ufer des Bosporus, Bujufdere gegenüber, wo sdon Soliman der Große (gest. 1566) einen Sommerpalast mit schönen Gärten anlegte, der aber jeßt in Ruinen liegt. An die Stelle des Palastes ließ Sultan Selim III. (gest. 1808) eine prächtige Papiermühle bauen. Sdon vor Absendung des Heeres

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