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Die füdliden, katholischen Provinzen mit der Hauptstadt Brüssel blieben, wie bisher, im Besiße Spanien's. Die sieben vereinigten nördlichen Provinzen mit Drenthe wurden von Spanien als uns abhängiger Staat anerkannt; fie blieben auch im Besiß der den Spaniern abgenommenen Colonien in Ost- und Westindien und behielten sogar die Gebietstheile der spanischen Niederlande, welche fie inne hatten, nämlich Mästridt in Brabant, die größere Hälfte der Provinz Limburg, mehrere Ortschaften in Flandern, Breda und einige andere Orte.

Nach dem achtzigjährigen Kampfe zwischen den Niederländern und Spaniern ersdeinen also die Niederlande in zwei völlig gefchies dene und als solche aud von der gesammten europäischen Politik behandelte Staaten getheilt. Den einen dieser Staaten bilden die oben genannten sieben nördlichen Provinzen, welche von ihrer gemeinsamen Centralstelle, die sie gegen Außen vertritt, auch Generalstaaten, oder von der bedeutendsten und mächtigsten Provinz Golland heißen. Sie find überwiegend protestantisdy; an ihrer Spiße stebt, jedoch mit Unterbredungen, ein gewählter Generalstatthalter aus dem Hause NassauOranien, der mit Wilhelm III. erblich wird. Den zweiten Staat bilden die katholisden südlichen Provinzen (Brabant, Flandern, Luremburg, Namur, Hennegau). Dieser Staat ist nicht unabhängig, sondern gehört zu Spanien und wird durd spanische Statthalter regiert. Bei der zunehmenden Schwäche der spanischen Monarchie ist er häufigen Anfällen der franzöfischen Eroberungssucht ausgeseßt. Als die Habsburger auf dem spanijden Thron aussterben, kommen 1715 diese fpanischen Niederlande (der Name Belgien kommt erst 1790 wieder in Gebrauch) an Oestreid. Es wird nöthig sein, daß wir die wichtigsten Regierungsveränderungen in beiden Staaten getrennt andeuten.

Holland entwickelt sich in dem jeßt folgenden Zeitraum zu hober Blüthe und wird sogar der Mittelpunkt der diplomatischen Verhandlungen Europa's. Der Statthalter Wilhelm II. von Nassau-Oranien, welcher nad souveräner Herrschaft strebte und deßhalb mit den Ständen zerfiel, starb 1650; die sogenannte „große Versammlung" der Generalstaaten (1651) ernannte keinen Statthalter mehr, sondern übertrug die oberste Leitung der Kriegsangelegenheiten einem Staatsrath; 1654 wurde das Haus Oranien auf Betrieb Cromwell's, da es mit dem englischen Hause nahe verwandt fei, von jedem Antheil an der Regierung förmlich ausgeschlossen, worauf sodann der Friede mit England zu Stande kam; doch hielt sidy das Haus Oranien in Friesland und Gröningen. Als Karl II. in England zur Regierung kam, erklärte er den Generalstaaten den Krieg; auch der Bischof von Münster fiel, angeblich zu Gunsten des Hauses Oranien, in ihr Gebiet ein, worauf die Republik den jungen Wilbelm von Oranien, Sohn Wilhelm's II., wieder als Kind des Staates anerkannte; mit dem Bischof von Münster wurde 1666, mit England zu Breda 1667 Friede geschlossen. Im Jahr 1670 entwarf

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Ludwig XIV. mit Karl II. von England den geheimen Plan, die gesammten Niederlande zu theilen, beide erklärten im Vereine mit dem Kurfürsten von Köln und dem Bischof von Münster der Republik den Krieg; die Generalstaaten erwählten jept den Prinzen Wilhelm von Nassau-Oranien zum Generalcapitän und Oberadmiral, die beiden bisherigen Hauptlenker der Republik, die Brüder Johann und Cornelius de Witt, ersterer Großpensionär, leßterer Bürgermeister von Dortrecht, Gegner der Dranier, wurden 1672 in einem Aufstand ermordet und Wilhelm III. von Nassau-Oranien zum Statthalter von Holland, Zeeland, Geldern, Oberyssel und Utrecht erklärt; in Friesland und Gröningen blieb der bisherige Statthalter Johann Casimir von NassauDiet. Im Jahr 1674 ertheilten die Stände obiger Provinzen dem Prinzen Wilhelm III. die Würde eines Statthalters, Generalcapitäns und Generaladmirals erblich für seine männliden Nach kommen; Geldern bot ihm die volle Landeshoheit und Herzogswürde an, was aber Widerstand fand. Wenige Jahre darauf (1677) vermählte sich Wilhelm III. mit der englischen Prinzessin Maria, Tochter des Herzogs 8. York und nachmaligen Königs Jacob II. von England, was ihm elf Jahre später die Krone von England verschaffte; denn von den Engländern gerufen, landete er mit einem holländischen Heere 1688 an der englischen Küste, und am 23. Febr. 1689 wurde Jacob II. für entthront, Wilhelm's Gemahlin Maria zur Königin, er selbst zum König von England erklärt. Wilhelm II. bestieg jept den englischen Thron, blieb aber auch Generalstatthalter in den fünf westlichen Provinzen der Generalstaaten; in Gröningen, Friesland und Drenthe dagegen war auf den Fürsten Heinrich Kasimir der Fürst Johann Wilhelm Friso von Nassau - Diep gefolgt. Als Wilhelm III. am 19. März 1702 kinderlos starb, bemühte sich der Fürst Johann Wilhelm Friso, auch die Statthaltersdiaft in den fünf westlichen Provinzen zu erhalten, was Wilhelm III. selbst bei seinen Lebzeiten gewünscht hatte; allein die Stände gaben es nicht zu, schafften die Statthalterschaft ganz ab und übertrugen cie Leitung der auswärtigen Angelegenheiten einem Groß- oder Rathspensionär (damals Heinsius bis 1720). Wilhelm III. hatte in seinem Testament seinen Vetter, den Prinzen Johann Wilhelm Friso von Nassau - Dieß zum alleinigen Erben eingeseßt, er war der nächste Agnat des Königs, da er in directer Linie von dem jüngeren Bruder Wilhelm's I. abstammte. Dagegen machten auch die Fürsten von NassauSiegen und ganz besonders der König von Preußen Friedrich I. Ansprüche auf die deutsden Befißungen (Mörs und Lingen) des oranisden Hauses und auf das Fürstenthum Dranien selbst, lepterer, weil sein mütterlider Großvater, der Prinz Friedrich Heinrich von Dranien in seinem Testament bestimmt hatte, daß für den Fall des Aussterbens der Linie seines Vaters, Wilhelm's II., die Linie seiner Tochter Luise (Mutter des Königs von Preußen) folgen sollte. Der deutsche Kaiser und Frankreich entschieden sich für Preußen, welches sodann im utredhter

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Frieden 1713 das Fürstenthum Oranien an Frankreich abtrat. Der Fürst Johann Wilhelm Friso von Nassau - Dieß protestirte ohne Erfolg, nahm aber jeßt wenigstens den Titel von Nasau: Oranien an, den das Haus noch jeßt führt *); er ertrant den 14. Juli 1712. Sein erst nach dem Tode des Vaters, am 1. Sept. 1712 geborener Sohn Wilhelm Karl Heinrich Friso, Erbstatthalter von Friesland, wurde unter dem Namen Wilhelm als ein fiebenjähriger Knabe 1718 zum Statthalter von Gröningen, 1722 zum Statthalter von Drenthe und Geldern gewählt, und verstärkte die Macht der oranischen Partei in den Generalstaaten durch seine 1733 vollzogene Verheirathung mit der Tochter des englischen Königs Georg II. Seine Partei benügte die Kriegsverhältnisse mit Frankreich, um dem Volte die Nothwendigkeit darzuthun, in dem Prinzen Wilhelm dem Hause Oranien wieder die Generalstatthalterwürde zu übertragen, und so wurde dieser Wilhelm IV. nach und nach auch in den übrigen Provinzen zum Statthalter, Generalcapitän und Generaladmiral ernannt, und 1748 wurde die Generalstatthalterwürde der fieben Provinzen in dem Hause Wilhelm's IV. in männlicher und weiblicher Linie für erblich erklärt; 1749 wurde derselben audy die Verwaltung der im westphälischen Frieden von den spanisden Niederlanden den Generalstaaten abgetretenen Theile Flanderns und Brabants (der sogenannten Generalitätslande) zugesprochen, ebenso das Directorium der westindischen und ostindischen Handelscompagnie. Wilhelm IV., der auch sämmtlidie vier Landestheile des nassau-ottonischen Stammes, Hadamar, Siegen, Dillenburg und Dieß, an seine, die diepische Linie gebracht hatte, starb 1751. Sein erst dreijähriger Sohn Wilhelm V. stand anfangs unter der Vormundschaft seiner Mutter Anna, die 1759 starb, von da an unter der Vormundschaft der Generalstaaten selbst, trat 1766 die Regierung an und vermählte sich in demselben Jahre mit der Prinzessin Friederike Sophie Wilhelmine von Preußen, Sdwester des nad maligen Königs Friedrich Wilhelm ll. Seine Mutter hatte sich als Vormünderin den Prinzen Ludwig von Braunschweig - Wolfenbüttel zum Beistand erwählt, der auch bei der Großjährigkeit des Erbstatthalters seinen Einfluß behielt, aber im Lande, namentlid) durdy seine Begünstigung der englischen Interessen, viel Unzufriebenbeit erregte. Das Bestreben der Holländer, die Erbstatthaltersdaft wieder ganz abzusd;affen, führte 1787 ein Einrüden der Preußen herbei, worauf am 3. Juli 1788 die Rechte des Erbstatthalters von allen Provinzen wieder anerkannt und für ein Grund

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*) Das Fürstenthum Oranien, im jebigen französischen Departement Vaucluse,

so genannt von dem Städtchen Drange, gehörte bis 1530 dem þause Chalono Oranien. Als iu diesem Jahre der Fürst Philibert finderlos starb, kam das Fürstenthum an seine Schwester Luise, die mit dem Grafen Renatus von Nassau: Dillenburg vermählt war, und auf diese Weise an das Haus Nassau.

geseß der Republik erklärt wurden. Als aber die franzöfische Republik am 1. Febr. 1793 dem Erbstatthalter den Krieg erklärt hatte und die Franzosen im folgenden Jahre des Landes Meister geworden waren, legte Wilhelm V. für fich und seine Söhne feine bisherigen Aemter nieder und ging nach England, wo ihm Hamptoncourt zum Wohnfiß eingeräumt wurde. Eine Versammlung von Volksdeputirten erklärte am 26. Jan. 1795 die Erbstatthalterwürde für aufgehoben und das Land zur batavischen Republik. Die fieben Provinzen wurden in Departements verwandelt, ihre einzelnen Verfassungen aufgehoben; eine Gesammtverfassung wurde eingeführt, an die Stelle der Generalstaaten trat eine Nationalversammlung: franzöfische Einrichtungen, womit die Einwohner ganz und gar nicht zufrieden waren. Je nach den Veränderungen in der Verfassung der Franzosen erhielt auch die batavische Verfassung ihre Abänderungen. Die Verbindung mit Frankreid führte ungeheuere Ausgaben und Lasten und den Verlust vieler Colonien an die Engländer herbei, so namentlich den des Caps der guten Hoffnung (1795). Als Napoleon 1804 Kaiser geworden war, gab er der Republik eine mehr monarchische Verfassung und am 8. Juni 1806 feßte er seinen Bruder Ludwig zum erblichen, constitutionellen König ein, wobei er erklärte, daß Holland ein unabhängiger Staat bleiben und niemals mit Frankreich bereinigt werden sollte; freilich aber blieb sein Bruder ludwig, fo gerne dieser auch im Interesse seines Landes selbstständig gehandelt bätte, in völliger Abhängigkeit von der Politik des Raisers. Als das Widerstreben Ludwigs gegen die Holland so nachtheiligen Verfügungen des Raisers, namentlich gegen die Continentalsperre, vöüig ohne Erfolg blieb und die Spannung zwischen ihm und Napoleon immer drohender wurde, legte Ludwig am 1. Juli 1810 zu Gunsten seines ältesten Sohnes feine Krone nieder und ging als Privatmannn nach Graß in Destreidy; Holland aber wurde jeßt dem französischen Meiche völlig einverleibt; alle Staatseinrichtungen, Gerichtshöfe und Verwaltungsbehörden wurden auf franzöfischen Fuß geseßt, die Conscription wurde eingeführt und das Continentalsystem mit der äußersten Strenge aufrecht erhalten. In diesem Verhältniß blieb Holland bis zum November 1813. Am 20. Nov. 1813 erließ General Bülow, der mit einem preußischrussischen Armeecorps gegen die Niederlande anrüdte, eine Aufforderung an Holland zum Anschluß an die Aliirten, worauf fich die Holländer erhoben und den Grafen Hogendorp und Baron van der Duyn van Maasdam an die Spiße der nationalen Bewegung stellten, welche auch sogleich die Farben des Hauses Nassau - Oranien aufstedten. Es bildete sich eine provisorische Regierung; der Prinz Wilhelm von Dranien, Sohn des 1806 zu Braunschweig verstorbenen Erbstatthalters Wilhelm V., der bisher in Preußen gelebt hatte, fich aber gerade in England aufhielt, um die Interessen seines Hauses zu vertreten, wurde berbeigeholt und landete am 29. Nov. 1813 in Scheveningen. Das Volt empfing ihn mit dem größten Enthusiasmus; die am 2. Dez. in

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Amsterdam von den Commissarien des provisorischen Gouvernements von Holland erlassene Proclamation erklärte ihn „für den souveränen Fürsten dieses freien Landes." Die Truppen der Verbündeten im Verein mit den holländisden Freiwilligen hatten die Franzosen bald völlig aus dem Lande gedrängt; am 29. März 1814 wurde die neue Verfassung von König und Volk angenommen; ein mit England am 29. Dkt. 1814 geschlossener Staatsvertrag stellte die von England den Holländern genommenen Colonien, wie sie Holland im Jahr 1794 besessen hatte, zurüd, mit Ausnahme des Cap's der guten Hoffnung, Demerary's, Essequebo's und Berbice's, wogegen Holland auf dem Festlande durch Belgien ansehnlich entschädigt werden sollte. Durch den wiener Congreß wurden Belgien und Lüttich mit Holland vereinigt, der Fürst Wilhelm als Wilhelm I. zum König der Niederlande und Großherzog von Luremburg erhoben, und am 16. März 1815 als solcher in Haag aus: gerufen. Seine Stammländer in Deutsdland trat der König gegen den Besik von Luremburg an Preußen ab.

Die spanischen Niederlande (Belgien) blieben nach dem westphälischen Frieden spanisches Eigenthum und wurden auch ferner durch spanisde Statthalter regiert. Der Erzherzog Leopold Wilhelm, der die Statthalterwürde seit 1648 bekleidet hatte, übergab dieselbe 1656 an Don Juan d'Austria, den natürlichen Sohn des spanischen Königs Philipp IV. Im pyrenäisden Frieden (1659) mußte Philipp IV. an Frankreid die Grafschaft Artois, Gravelines, Landrecy, Thionville u. a. von den Niederlanden abtreten. Fortan folgen beständige Angriffe des eroberungssüchtigen Ludwig's XIV. Nadh dem Tode des Königs Philipp IV. wil Ludwig XIV. angebliche Rechte, die er sich durch seine Verheirathung mit einer spanischen Prinzessin auf die spanisde Monarchie erworben, zur Geltung bringen und beginnt den sogenannten Devolutionskrieg; e$ müssen ihm auch wirklich im Vertrag von Sct. Germain en Laye (23. Jan. 1668) und im Frieden von Aden (2. Mai 1668) Lille, Charleroi, Courtray ac. abgetreten werden; im ny mweger Frieden gibt er einige dieser Pläße wieder heraus, erhält aber dafür andere, wie Valencienne, Cambray, Condé u. Im Jahr 1691 wurde der Kurfürst Marimilian von Bayern Statthalter der spanischen Niederlande. Der Sohn des Kurfürsten Joseph Ferdinand war von dem kinderlosen Karl II., König von Spanien, zum Erben der spanischen Monarchie eingeseßt, starb aber plößlich (1699). Ludwig XIV. wußte den Kurfürsten zu gewinnen, und als Karl II., in dessen Testament jeßt Ludwig's Enkel Philipp von Anjou zum Erben eingelegt war, 1700 starb, öffnete der Statthalter den französijoen Truppen die Festungen des Landes; dody behauptete Ludwig im utrechter Frieden 1713 neben der spanischen Krone für seinen Enkel, nicht aud die spanischen Niederlande; diese mußten an Destreich abgetreten werden, das wiederum in einigen festen Pläßen des Landes der Holländern das Besaßungsrecht einräumte (Barrieretractat). Die von jest an

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