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Oesterreich, Grossbritannien, Preussen, Sardinien, Bayern, Württemberg, der Geschäftsträger Russlands u. s. w. hatten sich ebenfalls in der für sie errichteten Tribüne eingefunden, und unter ihnen befanden sich in anspruchslosem Anzug Seine Kaiserliche Hoheit der Erzherzog Johann von Oesterreich, welcher Abends vorher von Basel eingetroffen war, um dem Bundesschwur beizuwohnen, und dessen Gegenwart dieser Nationalfeier der Schweiz zur hohen Zierde gereichte. Eine grosse Anzahl von Zuschauern beiderlei Geschlechts füllte den übrigen Raum der Kirche. Nachdem die Gesandtschaften ihre Plätze eingenommen hatten, eröffneten Seine Excellenz der Herr Bürgermeister v. Wyss, Präsident der Tagsatzung, die feierliche Versammlung durch eine von allen Anwesenden mit sichtbarer Rührung vernommene Anrede (siehe Abscbiedsbeilage zum III. Bd., litt. D).

Nach dieser Anrede verlas der eidgenössische Kanzler die neue Bundesurkunde (die Abschiedsbeilage zum III. Band, litt. E enthält den vollständigen Inhalt derselben) und die am Schlusse derselben enthaltene Eidesformel, worauf sämmtliche Gesandtschaften den ihnen von dem Herrn Präsidenten vorgesagten Eid kräftig und laut nachsprachen, in welchem Augenblick der Donner der Kanonen diesen feierlichen und religiösen Akt öffentlich verkündigte. Die Musikertönte von Neuem; der Herr Präsident wurde von den Gesandtschaften bis zu seiner Wohnung begleitet, wo das sämmtliche Militär unter kriegerischer Musik vorbeidefilirte.

So endigte sich diese erhabene und wichtige Handlung, mit welcher zugleich eine neue Zeitrechnung in der Geschichte der Eidgenossen beginnt.

(Absch. III, p. 118.) Ein glänzender Schmaus im Kasino und ein ebenso glänzender Ball am Abend schlossen den feierlichen Tag, bei dem die fremden Gesandten und der Erzherzog von Oesterreich eine viel grössere Rolle spielten, als das Volk, für das diese Verfassung geschaffen wurde.

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Tillier sagt in seinem Geschichtswerk: «Das Erscheinen des Abkömmlings Rudolfs von Habsburg und des « edeln Leopold von Oesterreich » habe einen tiefen Eindruck gemacht, « und als er sich erhob und mit einem herzlichen Trinkspruch den neuen Bund der Eidgenossen leben liess, blieb Niemand ungerührt » Wenn die groben Bauern bei Sempach so tief gerührt und geschmeichelt über das Erscheinen Leopolds auf ihrem Territorium gewesen wären, als ihre aristokratisch angehauchten Enkel über das seines Nachkommen, so hätten sie uns allerdings die Mühe erspart, im Jahre 1815 eine neue Bundesverfassung zu inauguriren. Für eine wirklich republikanisch-würdige Haltung gleich weit entfernt von bäurischer Unvertrautheit mit einmal angenommenen äussern Verkehrsformen, wie von allzugrosser Unterwürfigkeit gegen fürstliche Personen, hatte die damalige Zeit so wenig Verständniss, wie für die Demokratie überhaupt.

Noch war aber nicht die ganze Schweiz unter dem neuen Dache vereinigt. Monnard sagt sehr plastisch, bei dem feierlichen Akte vom 7. August wäre die Eidgenossenschaft nur unvollkommen repräsentirt gewesen ohne einen der Zwietracht vorbehaltenen Platz, die gewissermassen zu ihren historisch-berechtigten Eigenthümlichkeiten gehöre. Wir können vielleicht beifügen: und ohne eine gewisse Kleinlichkeit, die einigen ihrer Verhältnisse ebenfalls unvertilgbar anklebt. Die Vertretung der letztern eidgenössischen Nationaluntugend übernahm diesmal Appenzell I. Rh., die erstere fand ihren, seit Beginn der modernen Eidgenossenschaft im Jahre 1798 traditionellen Vertreter in Nidwalden. Die Appenzeller brachten am 12. August als Nachspiel zu der Feierlichkeit des 7ten folgende wichtige Angelegenheit vor die Tagsatzung:

« Am 12. August machte der Heri Gesandte von Appenzell Inner-Rhoden die Bemerkung: es sei in dem 1. Artikel der Bundesakte sein Kanton eingetragen als Appenzell beider Rhoden und bei den Unterschriften sogar als Appenzell Ausser- und Inner-Rhoden; da nun aber Ausser-Rhoden seinen Ursprung eigentlich von Inner-Rhoden habe, und daher der Kanton laut alten Dokumenten immer Inner- und AusserRhoden bezeichnet worden, so glaube der Gesandte im Namen seines Standes diesen Titulaturrang ferner verlangen zu sollen.

Der Herr Gesandte von Appenzell Ausser-Rhoden erklärte darauf, er sei zwar über diesen Gegenstand ohne Instruktion, sehe sich jedoch verpflichtet, diessfalls die Rechte seines Standes, iu Erwartung der bevorstehenden Ausmittlung seiner Verbältnisse mit Inner-Rhoden, zu verwahren, und beharre wenigstens auf der in die Bundesakte aufgenommenen Bezeichnung beider Rhoden.

Der Herr Präsident bemerkte bei diesem Anlass: man habe nicht ohne Verwunderung, aber, um der hohen Feierlichkeit Rechnung zu tragen, stillschweigend bemerkt, dass der Herr Gesandte von Inner-Rhoden bei der Bundesbeschwö

ng seinen Sitz in dem Kreise der ersten Gesandten eingenommen habe, ungeachtet ein und eben derselbe Kanton, wenn auch in sich abgetheilt, nicht doppelte Repräsentation haben dürfe; die Tagsatzung könne künftig keine solchen · Ausnahmen von der Regel gestatten; auch werde von der nunmehr in der Bundesakte angenommenen Bezeichnung beider Rhoden nicht abgegangen werden.

Da diese Aeusserungen von der Bundesversammlung gebilligt wurden, so verwahrte der Gesandte von Appenzell Inner-Rhoden die Rechte seines Standes. » (Absch. III, 119.)

Am 29. August trat die Gesandtschaft von InnerRhoden nochmals in die Schranken und verlangte noch die Aufnahme eines diessbezüglichen Schreibens der Regierung in das Tagsatzungsprotokoll, das denn auch wirklich seither dort prangt und in Jedem, der es heute liest, fast ebenso grosse Rührung hervorruft, wie die Reden des Erzherzogs von Oesterreich. Besser ist es, nicht zu viel in die Protokolle einzuschreiben, « verba volant, scripta manent ». Nidwalden hatte seit Beginn der langen Tagsatzung dieselbe beharrlich niemals beschickt, vielmehr noch neuestens in mehreren stürmischen Landsgemeindebeschlüssen vom 28. März, 16. April) und 30. April 1815 die frühere Zurückweisung der neuen Verhältnisse vom 20. Januar und 11. September 1814 bestätigt (Absch. III, 122). Das kleine Volk war gänzlich, wie in der Periode der Helvetik, in einen Taumel der Widersetzlichkeit gegen Alles verrannt, woran auch wieder, wie damals, die Magnaten des Ländchens und ein Theil der Geistlichkeit in erster Linie Schuld trugen. Gegenüber diesem letztern Einfluss rief man, als alle wiederholten Schreiben der Tagsatzung und auch des Obergenerals nichts vermochten, schliesslich durch Vermittlung der fremden Gesandtschaften den päpstlichen Nuntius zu Hilfe?), der in der That, als moderner Niklaus von der Flüe, mit einem Schreiben vom 4. Juli in's Mittel trat ?), aber nicht mit dem Erfolge seines Vorgängers.

1) Ein Bericht über dieselbe findet sich in der Allg. Zeitung vom 13. Mai.

2) Geschähe diess erst heute, so würde man sagen: « nach berühmten Mustern ». So aber gingen wir mit diesem Schachzuge gegen katholische Bevölkerungen anderen Staaten voran.

3) Dasselbe lautet: « Der Erzbischof von Berytus, Apostolischer Nuntius

in der Schweiz

an

die Hochgeachteten Herren Landammann und Rath

des Kantons Unterwalden nid dem Wald.

Hochgeachtete Herren! Durch die wichtigsten und dringendsten Gründe bewogen, glaube ich meiner ganz sonderbaren (sic!) Zuneigung gegen Ihren Kanton

Die Verhältnisse in Nidwalden gestalteten sich zuletzt zu einem förmlichen Terrorismus des Landraths, der sich am Ende in einen sogenannten «Extrarath>, eine ganz revolutionäre Behörde, umgewandelt hatte, die das eigene Land in Schrecken erhielt. Alte Theile desselben lösten sich unter diesen Umständen förmlich von demselben ab. So namentlich Engelberg, das sich mit Obwalden durch einen Vertrag vom 8. und 9. Juli 1815 verband, welcher der Tagsatzung vorgelegt und von derselben am 18. August genehmigt wurde (Absch. 134, 138, 156). Der Vertrag lautet, wie folgt:

«Wir Amtsstatthalter und Rath des Kantons Unterwalden ob dem Wald an einem, und Wir der Abt und Kapitel des Klosters, und Wir Ammann,

angemessen, Ihnen über einen meinem apostolischen Amte zwar fremden, nicht aber gleichgültigen Gegenstand zu schreiben, nämlich über Ihre wirkliche Lage in Rücksicht der Schweizerischen Eidgonossenschaft. Die grössten Gefahren und bedenklichsten Folgen für Ihren Kanton und für die gesammte Schweiz fordern, dass Sie sich ohne fernern Verschub mit den andern Kantonen vereinigen, und Ihren förmlichen Beitritt der Tagsatzung notifiziren. Ich bitte Sie desswegen inständigst, Sie möchten dazu die nöthigen Massregeln unverzüglich ergreifen. Sie sehen ohne Zweifel selbst ein, Hochgeachtete Herren, dass die reinste Absicht diesen meinen Schritt belebe, weit entfernt, Ihnen einen Fallstrick zu legen. Sie sind ja ganz allein, auch Ihre ältesten Bundesgenossen, Uri und Schwyz, halten es mit der Schweiz. Ich kann mich nicht überzeugen, dass Sie sich willig der schrecklichen Gefahr einer solchen Trennung länger aussetzen werden.

In der zuversichtlichen Erwartung Ihres nächsten Beitritts habe ich die Ehre, Sie meiner ausgezeichneten Hochachtung zu versichern. Luzern, den 4. Julius 1815. (Gezeichnet) Fabricius Archiepiscopus Beryti, Nuncius Apostolicus. »

(Absch. III, p. 132.)

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