Images de page
PDF
ePub

dem Fürst Hohenzollern, der als dort in der Nähe kommandirender General diese Massregel dringend von dem Magistrate in Basel fordern kann. Ein Zeitungsartikel, nach welchem der ehemalige Polizei-Präfekt Heynau in Karlsruhe obne Pass nach Basel und von dort nach Frankreich ging, gab mir den Anlass zu meiner Vorstellung an die Regierung. Im Badischen selbst ist nicht die geringste Vorsichts-Massregel genommen; ich bin, ohne selbst an der Grenze gefragt zu werden, durch den badischen Landstrich gereist und bei Mörseburg') in der Nacht über den See gesetzt worden, ohne die Neugier einer Behörde zu reizen. Ich glaube, dass diess einer schleunigen Abhülfe bedarf, und ich habe Herrn v. Schraut ersucht, gleich desshalb an unsern Geschäftsträger in Karlsruhe zu schreiben. Heute Abend ist endlich die erste Zusammentretung des Ausschusses der Tagsatzung über meinen Auftrag, und morgen werde ich, wie ich hoffe, dazu eingeladen werden, um meine Aufträge auseinander zu setzen. Was mir diese Scene sehr erleichtern wird, ist, dass mir der Präsident der Konföderation selbst über die zerstreute Aufstellung und das so oft wechselnde Hin- und Her-Bewegen der Truppen geklagt hat. Ich werde dann gleich mit der Einwilligung und selbst mit dem Wunsche der Regierung nach Bern gehen und Alles aufbieten, dass der Plan der neuen Aufstellung wenigstens in seinen meisten Theilen schnell ausgeführt wird. Meine erste Sorge wird dann sein, eine Ordonnanz-Linie zu ziehen, die sich von der deutschen Armee bis zur italienischen Schweiz fortzieht, um eine schnelle Verbindung zwischen Deutschland und Italien festzustellen, und dann mit dem General Bachmann über einige Punkte übereinzukommen, die man an der Abdachung des Jura wenigstens durch Erdverschanzungen gegen jeden Ueberfall sichern muss.

Vor allen Dingen scheint es mir nöthig, Verbindungen mit dem mittäglichen Frankreich anzuknüpfen. Wenn auch die Gerüchte, dass in Marseille die weisse Fahne weht, und andere dieser Art Erfindungen von Emigrirten sind, die immer durch ihr Prisma sehen, was sie wünschen, so scheint es doch gewiss, dass der Geist des Missvergnügens dort schneller, als in den übrigen Provinzen, das Volk für die

1) Meersburg a. Bodensee.

gute Sache bewaffnen wird, sobald es durch Truppen unterstützt wird. Zwei Schweizer Kaufleute, die gerade aus Bordeaux kommen, bestätigen es, dass niemand dort eine öffentliche Stelle annehmen will, gar keine Geschäfte gemacht werden, viele der ersten Kaufläden geschlossen sind, und Bestürzung und Missvergnügen allgemein sind. Ein Theil der Haufen, die für den König kämpften, haben sich in den Gebirgen zerstreut; andere leben jetzt ruhig in ihrer Heimat, bis sie ein entschlossener Anführer oder eine Hülfe von aussen wieder unter ihre Fahnen sammelt. Wo die Soldaten Bonaparte's nicht sind, wird das Missvergnügen laut, und ein Land, das durch die Ausführung der Erzeugnisse seines Bodens und seines Kunstfleisses reich wird und in dem jetzt alle Fäden der Betriebsamkeit stocken, kann unmöglich einer Ordnung der Dinge angehören wollen, die seinen Wohlstand vernichtet.

Der richtige Massstab des öffentlichen Vertrauens sind die Bankaktien in Paris, die noch vor zwei Monaten auf 1185 Franken standen und am 22. April bis auf 820 Franken gefallen waren.

Nach den neuesten Nachrichten scheinen wirklich alle Linientruppen zusammengezogen und die Bewachung der festen Plätze meistens den Kohorten anvertraut zu werden. Hier folgt die Zahl dieser Kohorten, wie sie nach den neuesten Nachrichten in die festen Plätze vertheilt werden. Besançon 4,000 Metz.

10,000 Bayonne

6,000 Mont Louis 2,500 Belfort 2,500 Perpignan

3,600 Neubreisach 4,000

Pfalzburg
Cherbourg 5,500 Saarlouis

2,000 Hüningen

3,000 Schlettstadt 3,000 Landau

5,000
Strassburg

15,000
Lille
12,000 Thionville

3,500 Longwy.

2,000 Valenciennes 8,000 Ich werde suchen, Euer Durchlaucht immer die besten Schweizer-Zeitungen zu übersenden, aus denen man den Zustand in Frankreich meistens richtiger beurtheilen kann, als aus französischen Blättern. Sechs der besten in der Schweiz werden nicht weniger als 24 herausgegeben - habe ich bereits bestellt, und da jetzt die Verbindung mit Frank

2,000

T

reich längs dem Ufer aufgehoben ist, was in der Schweiz trotz allem Verbot nicht möglich ist, so frage ich gehorsamst an, ob Euer Durchlaucht auf diesem Wege nicht den Moniteur und einige andere französische Zeitungen zu erhalten wünschen. S. D. dem Fürsten von Schwarzenberg.

Zürich, den 30. April 1815. Noch gestern Abend war die Zusammentretung des Ausschusses der Tagsatzung, in der ich die Nothwendigkeit entwickelte, die verbündeten Mächte, und hauptsächlich E. D., zu überzeugen, dass die Schweiz, durch die Anstrengung aller ihrer Kräfte und die richtige Verbindung derselben sich selbst zu schützen und uns dadurch die nähere Verbindung mit Italien und die Basis unserer Operationen am Oberrhein zu erhalten wisse. Nach langen Diskussionen kamen wir endlich darin überein, dass die Regierung mich mit ihrer Vollmacht versieht, um die Massregeln, die ich zu dieser Absicht nöthig glaube, dem General Bachmann vorzulegen und mit ihm gemeinschaftlich auszuführen. Da ich mit dem ersten Schritte unmöglich mehr gewinnen konnte, so ersuchte ich die Tagsatzung, mir die nöthige Vollmacht auszufertigen. Ich erhalte sie eben und gehe noch diese Nacht nach Bern, wo ich morgen Nachmittag eintreffen werde.

Um die Verbindung zwischen Deutschland und Italien ohne lange Diskussion über das wie und wo aufzustellen, habe ich der Taysatzung vorgeschlagen, die Ordonnanz-Linie zwischen diesen beiden Ländern auf die nämliche Art und auf den nämlichen Punkten herzustellen, wie sie die Franzosen im Jahre IX errichtet hatten. Ich kann es E, D, nicht oft genug wiederholen, wie nöthig, nach meiner Ansicht, eine schnelle, thätige Hülfe für den Geist des Missvergnügens im mittäglichen Frankreich ist. Jede Operation gegen Grenoble, Lyon, selbst vor dem Anfang auf den übrigen Punkten, würde unsere Kräfte vermehren, und einen Theil der französischen Streitkräfte, die zwischen Paris und Lille und Paris und Mainz aufgestellt sind, von dort abziehen. Die Aushebung der Nationalgarden findet täglich grössere Schwierigkeiten. Der General Desaix ist das einzige Mitglied der Armee, das sich bis jetzt in Chambéry eingefunden hat. Was ihm an Truppen abgeht, sucht er durch andere Mittel zu ersetzen. Savoyen, das Pays de Vaud, wo er Verbindungen hat, und durch diese die Schweiz, werden von Libellen überschwemmt, die mehr oder weniger auf die öffentliche Stimmung wirken. Er hat angekündigt, dass er sein Hauptquartier nach St. Julien (hart an der Grenze des piemontesischen Antheils von Savoyen) verlegen wird, und eine Armee von 200 Pferden, die ihre Posten hart an den Grenzen ausgestellt haben, hat den guten Leuten in Genf einige Furcht eingeflosst, bis sie die Stärke dieser Armee erfuhren. Der General Desaix sollte ein Korps von Nationalgarden von Savoyen, der Bresse und der Landschaft Gex bilden ; allein, statt in dem piemontesischen Antheil von Savoyen Unterstützung zu finden, haben sich die meisten waffenfähigen Einwohner des französischen Antheils in das Piemontesische, sowie die von Gex in die Schweiz geflüchtet, und vor zwei Tagen bestand dieses Korps aus 467 Mann, die schlecht bewaffnet waren.

Der neue Marschall Grouchy, der in Chambéry erwartet wurde, ist in Grenoble geblieben, wo Tag und Nacht an den Festungswerken gearbeitet und an jedem Thore Zugbrücken errichtet wurden; der Marschall Suchet, den man dort erwartete, hat sich von Lyon schleunig nach Marseille gewendet, was den Gerüchten von dort ausgebrochenen Unruhen wieder einige Wahrscheinlichkeit gibt. Das 83. und das 10. Linien-Infanterie-Regiment, die an den Unruhen im mittäglichen Frankreich Theil genommen hatten, sind von dort und der Gegend von Grenoble weggezogen und in ein. zelnen Bataillons verschiedenen Korps in den nördlichen Departements zugetheilt worden.

Ich werde, sobald ich mit dem General Bachmann über eine neue zweckmässige Aufstellung der Truppen, die Befestigung einiger Punkte und die Aufstellung der OrdonnanzLinie übereingekommen bin, sogleich nach Genf gehen und keine Mühe sparen, Verbindungen in dem südlichen Frank. reich anzuknüpfen und durch Nachrichten, die ich dort verbreiten lasse, den Muth einer Partei zu eben, die, allen Nachrichten zufolge, mit Ungeduld den Augenblick zu erwarten scheint, das Joch der neuen Ordnung zu zerbrechen.

Der bekannte Graf Scey, der die Ehre hat, E. D. aus Lörrach bekannt zu sein, ist in Neufchâtel, von wo aus er sehr thätig auf sein Departement (er war bekanntlich Präfekt

in Besançon) wirkt. Ich werde mich mit ihm in Verbindung setzen, da sein Eifer für die Sache, der wir dienen, bewährt ist, denn zwei königliche Kommissäre, die sich im Jura niedergelassen haben, um von dort aus anf den Geist zu wirken, sind mir zu wenig bekannt, um mich mit ihnen zu verbinden, und man hat wohl nie Unrecht, misstrauisch gegen jedes Mitglied dieses Volkes zu sein, das stets mit einer oder drei Farben an seinem Hute erscheint.

Meinen nächsten Bericht werde ich, den Befehlen E. D. gemäss, nach Heilbronn die Ehre haben zu senden.

Seiner Durchlaucht dem en chef komma n

direnden Herrn Feldmarschall Fürsten von Schwarzenberg.

Murten, den 4. Mai 1815. Ich erhielt vor zwei Tagen die Befehle Euerer Durchlaucht durch den Oberlieutenant Baron Forgatsch. Meine drei früheren Berichte aus Zürich werden Euer Durchlaucht über das Schicksal der Schweiz beruhigt haben, und der Ort, aus dem ich die Ehre habe, diesen Bericht zu senden, beweist, dass mein Vorschlag der neuen Truppenaufstellung, den die Tagsatzung dem General Bachmann überschickte, bereits ausgeführt wird. Die Furcht trug dazu bei, diesen Vorschlag schnell annehmbar zu machen. Durch ein Missverständniss dafür wird es wenigstens ausgegeben hatten sich die französischen Posten in der Nacht vom 30. April den schweizerischen Posten genähert; diese hatten, da sie auf ihr Anrufen keine Antwort erhielten, Feuer gegeben, die Reserven waren schnell herbeigeeilt und es entstand ein ziemlich lebhaftes Gewehrfeuer, das einige Minuten währte und drei Franzosen das Leben kostete. Was dieses Missverständniss bedeutend macht, ist ein Bericht der Genfer Regierung, die eine Verschwörung entdeckt haben will, die Stadt den französischen Truppen zu überliefern, und da zugleich die Nachricht eintraf, dass auch bei Arschweiler') vor Basel, die Vorposten auf einander geschossen haben, so ist mein Antrag sogleich angenommen worden, die Polizei in Genf und Basel, die bisher sehr schlecht und nachlässig

1) Allschwyl.

« PrécédentContinuer »