Images de page
PDF
ePub

verwaltet wurde, den dortigen Militärkommandanten zu übertragen.

Uebrigens haben diese Vorfille sehr wohlthätig auf den Gemeingeist gewirkt, denn alle vorliegenden Truppen und die Landleute fanden sich schnell auf ihren Sammelplätzen ein. Selbst die Gemeinden im pays de l'aud, wo sich der Geist der Unzufriedenheit am lautesten aussprach, schlossen sich unaufgefordert an die Truppen an.

Seit jenem Missverständnisse, werden die Schweizer Ordonnanzen, die bisher bei Versoix auf dem kürzesten Wege das französische Gebiet berühren mussten, um nach Genf zu kommen, von den französischen Posten zurückgewiesen. Kein Franzose wird dafür mehr in Genf und den umliegenden Gegenden angenommen und der Vorpostenkrieg ist gleichsam erklärt. Zugleich hat General Bachmann beschlossen, Verschanzungen vor Basel, den neuen französischen Schanzen bei dem Grabmale des Generals Abatucci gegenüber aufzuwerfen, und Basel selbst in Vertheidigungsstand zu setzen. Dies geschieht bereits und die Kanonen müssen jetzt schon auf die Walle geführt sein.

Die Stadt Basel liegt, wie ein Blick auf die Landkarte Euer Durchlaucht überzeugen wird, ausser der Vertheidigungslinie der Schweiz, die an der Bergkette anfängt, die sich hinter Liechstall') erhebt; aber ich glaube, dass den Wünschen Euer Durchlaucht nichts entsprechender sein kann als die Befestigung von Basel. Die Besatzung von Hüningen, die jetzt grösstentheils aus Nationalgarden besteht, kann nie etwas von Bedeutung auf diesen Ort unternehmen, der gegen jeden Angriff gesichert wird, und dadurch erhalten Euer Durchlaucht einen Punkt an der Grenze Frankreichs, der wenigstens fest genug ist, um als eine Hauptniederlage von Waffen und Lebensmitteln, die kürzeste Zufuhrlinie zu sichern. Genf, dessen Vertheidigungsmittel auch vermehrt werden, ist es auf der andern Linie für die Operation gegen Lyon; ein anderer fester Punkt an der Abdachung des Jura bei den Bieler Pässen (vielleicht Biel selbst, was ich erst untersuchen werde), und die Linie der Schweiz ist, wie ich glaube, hinlänglich gesichert, um alle Transporte ohne Gefahr der Armee folgen zu lassen.

1) Liestal.

Ich habe die Ehre, Euer Durchlaucht in der beiliegenden Karte die neue Aufstellung der Schweizertruppen gehorsamst anzuzeigen. Zugleich muss ich Euer Durchlaucht diese Karte, die jetzt erst in Zürich herausgekommen ist, als die beste der Schweiz anempfehlen, denn sie ist aus den besten Spezialkarten der Schweiz zusammengetragen. Mayer'sche ist auf den meisten Grenzen, hauptsächlich in Neufchâtel, Schaffhausen, dem Bisthum Basel und dem Kanton Tessin nach unrichtigen Zeichnungen entworfen. Die beiliegende ist unter dem Namen der Keller'schen in allen Buchhandlungen zu haben.

Die Stellung der Schweizertruppen ist folgende:

15,000 Mann werden in einem Lager (eigentlich Kantonirungen, die aber hier, wo Haus an Haus liegt, so gedrängt wie in einem Lager sind) zwischen Murten und Aarberg zusammengezogen.

Diese bilden die Hauptmacht. Sie haben vor sich die Pässe des Jura (Brundruth) und Biel, die durch vorgeschobene Posten, die ihre Ablösung und Reserven bei Biel haben, beobachtet werden. In zwei Stunden können alle Truppen an diesen Pässen versammelt sein. Es bedarf nur zwei angestrengte Tagemärsche, um diese Macht in Genf oder Liechstall, dem Endpunkte der Schweizer Vertheidigungslinie gegen Basel aufzustellen.

Durch die letzten Ereignisse bei Genf und das Anwachsen der französischen Streitkräfte an den Grenzen von Savoyen scheint dieser Punkt hauptsächlich bedroht zu sein,

so mehr, da durch die Nähe der deutschen Truppen Basel gesichert ist Bei Jverdun?) werden daher 8000 Mann unter dem Obersten Gaudy3) die Eidgenossenschaft erkennt ausser dem kommandirenden keinen General bei der Armee

einem der thätigsten und entschlossensten Offiziere, aufgestellt. Diese Stellung ist eine der festesten der Schweiz. Drei Wege, die sich nach Jverdun, Moudon und Lausanne hinziehen, können die dort aufgestellten Korps schnell auf alle bedrohten Punkte in einem Marsche bis an die Grenze der Schweiz von jeder Seite führen. Der rechte Flügel dieser Stellung wird durch den Neuenburger See, der linke

um

1) Pruntrut. 2) Yverdon. 3) Gady.

durch einen Morast, der nur im heissesten Sommer austrocknet, und die Front durch die Orbe gedeckt, über welche drei hölzerne Brücken führen, die in einer halben Stunde abgebrochen werden können.

Genf selbst ist mit 1000 Mann unter dem Obersten Sonnenstein') aus Solothurn, einem braven Offizier, besetzt. Der Geist der Einwohner ist vortrefflich und 1500 bewaffnete Bürger haben sich angeboten, bei jeder Gefahr den Dienst mit den Truppen zu versehen und ihre Vaterstadt zu vertheidigen. Ehe es möglich wird, diesen Punkt einzunehmen, kann die ganze Masse der Schweizer Streitkräfte dort angekommen sein. Der Pass von St. Maurice im Wallis wird durch 600 Walliser unter dem Grafen Courten, der sich schon im vorigen Kriege ausgezeichnet hat, vertheidigt. Zwei Berner Kompagnien sind ihm zugegeben. Zum Ueberfluss wird eine Mine angelegt, um bei dringender Gefahr einen Theil der Simplonstrasse zu sprengen, und zwei hölzerne Brücken, die diese Strasse verbinden, können in einer Stunde abgetragen wer len. Von dieser Seite ist nichts zu befürchten.

In Neufchâtel stehen 400 Mann, welche dort die Strasse und Pässe beobachten. Sie können, wie Biel, in der nämlichen Zeit Unterstützung erhalten und ihr Rückzug über den See ist gesichert.

Basel ist durch zwei Bataillons (etwa 1000 Mann) besetzt. Auch hier hat sich die Bürgerschaft zur Vertheidigung der Stadt angeboten und nur im Fall, wenn die Truppen in Basel oder die ausgestellten Posten an der Grenze genöthigt wären, sich zurückzuziehen, ist bei Liechstall eine Reserve von 3000 Mann aufgestellt, die diese aufnimmt und sich dann auf die hinterliegende Gebirgskette, die eigentliche Vertheidigungslinie der Schweiz von dieser Seite, zieht. Alle übrigen Pässe werden nur beobachtet. Sie können nur gefährlich sein, dass leichte Truppen sich dort durchschleichen, um Verwirrung im Innern des Landes zu verbreiten, aber die oben angeführte Stellung deckt nach meiner Ansicht die Schweiz. Die Truppen sind in voller Bewegung und in fünf Tagen, wenn diese Aufstellung ausgeführt ist und ich mich davon überzeugt habe, bürge ich für die Sicherheit der

1) Vielmehr Sonnenberg.

Schweiz, wenn sie nicht mit einer zu grossen Uebermacht angegriffen wird, und auch dann wird der Feind keine grossen Fortschritte machen, denn er wird überall auf Hindernisse der Gegend und auf Truppen stossen, die entschlossen sind, ihm jeden Schritt streitig zu machen.

Die Ordonnanzlinie zwischen Deutschland und Italien wird morgen ausgestellt. Es ist eine ordentliche Militärpost, die in Basel jeden Abend um 9 Uhr abgeht Ich habe diesen Punkt vorgeschlagen, weil er bei allen Bewegungen nach Frankreich der nächstgelegene und die Linie kürzer als über Schaffhausen ist. Wichtige Depeschen müssen zu jeder Stunde gleich versandt werden; für besonders wichtige Aufträge werden an den Endpunkten der Linie vertraute Offiziere aufgestellt, die, wenn der Offizier, der sie abgibt, wieder zurückeilt, diese übernehmen und überbringen müssen.

Die Linie geht in dreifachen Richtungen, um den Bewegungen der italienischen Armee folgen zu können, über die Gemmi nach Sitten, über die Gemmi nach Simpeln (dem letzten Schweizerdorfe am Fusse des Simplon) und über Lausanne nach Genf. Von Mailand bis Simpeln und von Turin bis auf den Bernhardsberg müssen die Stationen von italienischer Seite eingerichtet werden. Ich schreibe diess heute an den Feldmarschall-Lientenant Bubna in Turin, dem ich auch meine Meinung hierüber an den Herrn General der Kavallerie, Baron Frimont, beischliesse.

Die Franzosen ziehen in Eile Truppen bei Grenoble zusammen und alle Festungen, selbst die unbedeutendsten, werden mit Geschütz und Lebensmitteln versehen. Das 39. und 49. Linienregiment und das 2. Dragonerregiment waren in Grenoble angekommen; 10,000 Mann Infanterie sollten auf Wagen von der Nordarmee dort ankommen und man schätzte die Macht, die in wenig Tagen zwischen Grenoble und Chambéry aufgestellt werden sollte, auf 40,000 Mann. So sehr den hiesigen Grenzbewohnern jede Gefahr wie in einem Hohlspiegel erscheint, der Alles vergrössert, so glaube ich doch an die Zahl und die Zusammenziehung dieser Truppen. Der Punkt ist zu wichtig, die Grenze wird durch keine festen Punkte gedeckt, der Geist im nittäglichen Frankreich ist unruhig und der Rückzug der neapolitanischen Armee hat uns zu viele Streitkräfte übrig gelassen, die diese Grenze bedrohen. Aber in diesen Vertheidigungsmassregeln, welche die letzten Ereignisse nöthig gemacht haben, liegt keine Gefahr für die Schweiz, an die hier Jedermann glaubt. Diese Gefahr hat indessen das Gute, dass hier alle Anstalten beschleunigt werden. Lecourbe hat den Posten bei Brundruth selbst ausgestellt und den dort konmandirenden Schweizer Offizier zu sprechen verlangt, dem er sagte, dass er die Bewegungen in der Schweiz nicht begreife, dass er an keinen Krieg zwischen zwei Völkern glaube, die sich so lange angehört haben, und dass er diesen Krieg als einen wahren Familienkrieg betrachten würde. Desaix hat bei Chambéry 10,000 Mann zusammengezogen, die ihre Posten über St. Julien längs vier Grenze aufgestellt haben. Er hat in einem Briefe erklärt, dass er Genf sogleich nehmen würde, sobald die Oesterreicher den Schweizer Boden betreten. Die jetzige Aufstellung der Truppen wird ihn wenigstens an dem sogleich hindern. Ich werde über alles diess bald bestimmtere Nachrichten haben. Der General Watteville, Schultheiss von Bern, und der Generalquartiermeister Finsler haben mir zwei junge Leute empfohlen, die selbst Vermögen im Lande besitzen, die gestern nach Lyon abgereist sind und das südliche Frankreich, so weit als möglich, bereisen werden. Ich habe ihnen nicht nur versprochen, dass ich ihnen die Reisekosten vergüten werde, sondern auch eine Belohnung von Eurer Durchlaucht, wenn ihre Nachricbten ausführlich sind und richtig befunden werden.

Alle Nachrichten stimmen indessen darüber ein, dass Bonaparte durch die letzte Konstitution, die nichts weniger als demokratisch ist, einen grossen Theil seiner Anhänger beleidigt bat. Mehrere Offiziere nahmen ihren Abschied; so baben vor einigen Tagen in Grenoble vom 10. Linienregiment 12 Offiziere an einem Tage ihren Abschied gefordert (sic!) und ihn sogleich vom Marschall Grouchy erhalten. Die Regimenter sind nicht vollzählig, selbst der Geist, der sie belebte, scheint nicht mehr der nämliche zu sein, wenigstens werden die Aeusserungen des Enthusiasmus immer seltener. Der Reiz der Neuheit, der den Franzosen zu jeder Neuerung hinzieht, ist verschwunden und scheint, wenigstens bei Vielen, der Ueberlegung Platz gemacht zu haben, die nicht günstig für die neue Ordnung der Dinge sprechen kann. Je näher die Gefahr heranzieht und je gewisser sie wird, bisher glaubte man nicht an den Krieg, je stärker wird die

« PrécédentContinuer »