Images de page
PDF
ePub

nachdem er mehr als 100,000 Hinrichtungen hatte vollziehen lassen. Sein Bruder Jbrahim, der ihm folgte, begann zu Gunsten des Fiebenbürgischen Racoczy), welcher sich einen Theil von Ungarn unterwerfen wollte, Krieg mit Destreich, sdiloß aber 1645 Frieden auf Grund der Vereinbarungen zu Szöny. Candia konnte er, troß großer Anstrengungen, den Venetianern nicht entreißen. Er wurde 1648 in Folge eines Aufstandes der Janitscharen ermordet. Für seinen Bruder Muhamed IV., der jeßt, erst sieben Jahre alt, auf den Thron kam, führten anfangs seine Mutter und Großmutter die Regierung, was zu Parteiungen und vielen Aufständen Veranlassung gab. Die Venetianer schlugen die türkische Flotte 1651 , die Türken die venetianisdie 1654, die Venetianer wiederum die Türken 1656, 1657, 1662. Gin Rojaken-Hetmann, der fich gegen Polen empörte und fich dem Sultan unterwarf, führte einen unbedeutenden Krieg mit Polen herbei, den der Friede von Kaminiec (1653) endigte. Das türkische Reid hatte in dieser Zeit zwei tüchtige Großwesire, den Muhamed Kiuperli (Sob eines französischen Renegaten), dem nad, seinem Tode 1661 fein Sohn Achmed Kiuperli folgte. Ueber Siebenbürgen kam es 1663 wieder zum Kriege. Nachdem einige kleinere Scylachten mit wechselndem Glücke gesdylagen worden waren, erfocht die faiserliche Armee in Verbindung mit deutschen Reichs - und selbst franzöfijden Hülfetruppen den ersten großen Landjieg der Christen über die Türken unter Anführung Montecuculi's bei dem Cistercienser: Kloster Sct. Gotthard an der Raab (an der Grenze von Ungarn und Steyermart, 1. August 1664). Der geldilagene Großwefir zog sich nad Vas var zurück, wo zehn Tage nad der Schlacht ein für die Türfen auffallend günstiger Friede oder eigentlich Waffenstillstand auf 20 Jahre zu Stande fam. Für Destreich wurde in diesem Frieden Nights gewonnen, als daß die Türken Siebenbürgen nidit in ein türkisches Paschalik verwandeln durften; die Türken blieben im Besiß von Neubäusel und Großwardein, der türkisdie Sdjüßling Abaffi blieb Fürst in Siebenbürgen, jedoch jeßt als Schüßling beider Mädite. Der Kaijer hatte sich beeilt, den von den Türken angebotenen Frieden anzunehmen, weil er den ungarischen Truppen und französijden Hülfsvölfern nicht traute. Der Großwesir Adymed Kiuperli wandte sich jeßt gegen Candia, das er von den Venetianern aber erst nad dreijährigen Anstrengungen 1669 eroberte. Gegen Polen, das die ukrainischen Kosaken wieder unter polnisdie Hoheit zwingen wollte, begann er 1672 den Krieg, focht anfangs mit Glück, wurde aber bei Chokzim 1673 von Sobieski auf's Haupt geschlagen. Die polnisdien Wahlunruhen nach dem Tode des polnischen Königs Michael erlaubten den türkisdien Herren, ohne besonderen Widerstand in die polnisdien Provinzen einzufallen, der unter: bessen zum König gewählte Sobieski trat ihnen zmar tapfer entgegen, wurde aber vom Neidstag nicht hinreichend unterstüßt, und mußte, in seinem verschanzten Lager bei Zupawna von den Türken eingeschlossen, einen nachtheiligen Vertrag eingehen. Auch mit Rußland kamen die

Türken wegen des Abfalls eines ukrainischen Rosaken-Hetmanns, der sich unter russische Lebenshoheit begeben hatte, in Krieg, wurden aber von den Russen geschlagen und mußten im Frieden zu Rodzin (1681) Assow an die Russen abtreten.

Hiemit hätten wir den Faden der Geschichte bis zu den Ereignissen geführt, welde den carlowißer Frieden veranlaßten. Diese Ereignisse, sowie der Friede selbst, verlangen eine gesonderte Behandlung. Wir schiđen den Einleitungen zu den einzelnen neueren Friedensídlüssen eine Ueberficht der Donauländer und ihrer geschichtlichen Verhältnisse voraus.

Die Donauländer
Bosnien, Serbien, Walach ei, Moldau.

Bosnien oder Bosna, so genannt von dem Flusse Bosna, der die Mitte des Landes durchströmt, das nordwestlichste dieser Länder, besteht aus dem eigentlichen Bosnien, aus türkisch Kroatien und der Herzogew ina (so genannt, weil Kaiser Friedrich III. 1440 dem Fürsten dieses Landestheils den Titel eines Herzogs verlieb), hat circa 750 (Meilen und 850,000 Einwohner. Ungefähr ein Drittheil der Ginwobner find Türken, die den Grundbesig größtentheils in Händen haben, zwei Drittheile Slaven, die sich zur griech.-kathol. Confession bekennen; auch gibt es Juden und Zigeuner. Gegen Norden bildet die der Donau zuströmende Sau die Grenze gegen Oestreich (Ungarn), audi im Westen wird es von Destreid (Dalmatien) begrenzt, im Osten von Serbien, nach Süden verengt es sich und grenzt an Montenegro und türkische Landestheile : (Albanien). Hauptstadt Bosna-Serai oder Serajevo, 65,000 Einwohner, 100 Mosdeen, befestigtes Schloß. Bosnien wurde von den Römern zu Möfien oder auch zu Dalmatien gerechnet, fiel bei der Tbeilung des römischen Reiches dem weströmischen Theile zu, kam sodann in den Besiß der Gothen, weiter in den der Slavonier, gehörte bald zu Serbien, bald zu Kroatien, erscheint unter einer besonderen Bezeichnung (Bosna) seit dem Ende des 9. Jahrhunderts, wird 1138 mit Ungarn vereinigt und im 12. und 13. Jahrhundert von ungarischen Prinzen unter dem Titel von Herzogen Bosnien's, seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts aber von selbständigen Fürsten regiert, von denen der Ban Twartko 1370 den Königstitel annahm. Diese Fürsten schlagen fidy tapfer gegen die andrängenden Türken, werden aber dody (1401) der Pforte tributpflichtig. Endlich (1465) unterwirft Mahmud Pascha das Land und macht es zur türkisdhen Provinz vollständig, der lepte König Stephan wird getödtet, doch bleibt die Pforte bei den Kämpfen mit Destreich nicht in ungestörtem Besik, bis der Friede von Carlow iş (1699) ihr denselben zuspricht. Seitdem ist Bosnien der Türkei einver

Leibt und wird von türkischen Statthaltern regiert. Gegenwärtig bildet ed eines der vier europäischen Gjalets oder Fürstenthümer, die unter Pascha's von drei Robidweifen (Muschir's) stehen. Unter den vielen Aufständen, die sowohl von Seite der türkischen, als der christlichen Einwohner Bosnien's gegen die Regierung der Pforte statt hatten, ewähnen wir hier nur den leßten vom Jahr 1850. Die Aushebung und hohe Steuern gaben die Veranlassung, daß sich in diesem Jahre ganz Bosnien gegen die Pforte erhob. Dmer Pafda sdlug die Bosnier am 30. Cht. bei Zepse, der Insurgentenchef Ravas Bald i floh im Februar 1851 auf östreichisches Gebiet; der Aufstand schien unterdrückt, brach aber im März von Neuem aus, Omer Pascha sdhlug die Insurgenten abermals bei Jayka, wo ihr Anführer Ladia Kapit um's Leben kam, und begann nun im Jahre 1852 die strengsten Maßregeln zu ergreifen, um das Regiment der Pforte im Lande wieder zu befestigen. Unter dem Vorgeben, man sei einer weit verzweigten panslavistischen Versdwörung auf der Spur, wurden alle Christen (Radidahs) entwaffnet und in ver: schiedener Weise auf das Härteste bedrüdt, was viele zur Auswanderung nach Destreid veranlaßte und zum Theil jene Spannung zwischen Destreich und der Pforte hervorrief, in Folge deren im Januar 1853 Graf Leiningen als außerordentlicher östreid isdjer Botschafter in Constantinopel erschien.

Serbien, so genannt von der slavisden Volfsstamm der Serben, ist circa 800 Meilen groß und hat 900,000 Einwohner, die außer etwa 15,000 Muhamedanern und wenigen Zigeunern und Juden durdy gängig der griechisch-katholischen Confession angehören; Türken dürfen nach den neueren Verträgen nur noch in Belgrad wohnen und fich nirgends weiter im Lande niederlassen, wohl aber können die Serben nach der Türkei übersiedeln. Serbien grenzt gegen Norden an Ungarn, gegen Westen an Bosnien, gegen Süden und Osten an türkisdhe Provinzen, nordöstlich auch in mäßiger Ausdehnung an die Waladei. Hauptstadt Belgrad, wo der Pascha von Belgrad residirt, der mit türtijdşen Truppen die Stadt und andere feste Pläße des Landes (Palanken) besegt hält, am Einfluß der Sau in die Donau , Festung mit 30,000 Ginwobnern. Auf die Verwaltung des Landes hat dieser Paida keinen Einfluß; fie wird von einem eingeborenen, erblichen Fürsten geführt, welder in Rragujew a $ residirt, unmittelbar mit der Pforte verbandelt, ihr einen jährlichen Tribut von 2,300,000 türk. Piastern zahlt und auf Verlangen ein Contingent von 12,000 Mann stellt. Das Land hat eine Volksvertretung und völlige Religionsfreiheit. Serbien bieß bei den Römern Mösien, und wurde, nachdem verschiedene Stürme der Völkerwanderung darüber hingegangen waren, 623 von den Serbiern, einem slavisden Volksstamm, erobert, der sodann unter einem eigenen Fürsten die Oberhoheit der griedrisdyen Kaiser anerkannte und 640 zum Christenthum bekeyrt wurde.

Im 10. 3 indert geriethen die Serbier unter die Herrschaft der Bulgaren, dann wieder unter die Oberhobeit der Griechen,

und so wechselte das Verhältniß ihrer eingeborenen Fürsten zwischen Selbstständigkeit und Tributpflichtigkeit an die griech. Raiser oder an Ungarn, bis die Türken auf dem Schauplaß erschienen. Der türkische Sultan Murad I. schlug die Serbier 1389 auf dem Amselfelde, ließ ihren gefangenen Rönig Lazar hinrichten und machte die Einwohner tributpflichtig, ein Verhältniß, in welchem die Serbier troß aller Gegenanstrengungen blieben, bis Sultan Muhamed II. 1459 das Land dem türkischen Reiche völlig einverleibte. Unter dem türkischen Regiment (ein Pascha in Belgrad war Statthalter) hatten die Serbier ein sehr hartes Loos; ein Theil des Landes kam zwar im Frieden von Passarow iß (1718) an Destreich, mußte aber schon im Frieden von Belgrad (1739) wieder abgetreten werden. Dazu kam noch, daß das Land bei den Kriegen der Pforte gegen Destreich fast beständig einen Theil des Kriegsschauplaßes abgeben mußte. Am Anfang

Am Anfang unseres Jahrhunderts wurde der Drud ber türkisden Beamten und der Webermuth der Janitscharen, die jeden Serbier zu ermorden drohten, der Bevölkerung unerträglich. Unter Georg Petrowitsch, gewöhnlich Georg Czerny genannt, erhoben fich die Serbier gegen die Janitscharen, brachten sie auch zur Ordnung, was die Pforte selbst billigte, wollten aber jeßt die Waffen nicht niederlegen, sondern verlangten von der Pforte, daß die Türken Serbien ganz verließen und die Serbier gegen einen jährlichen Tribut unter einem Fürsten aus ihrem Volke ihre Regierung selbst führen dürften. Auf diese Forderungen ging die Pforte nicht ein. Die Serbier führten daber den Krieg fort und schlossen sich an Rußland an, das um diese Zeit mit ben Türken im Kriege war. Als die Russen 1812 zu Bukarest mit den Türken Frieden schlossen, wurde dabei zwar aud der Serbier mit ziemlich günstigen Bedingungen gedacit, nachdem aber die Russen abgezogen waren, wollten die Türken einige dieser Bedingungen nicht erfüllen, während die Serbier wieder mehr, als das Stipulirte verlangten. Der russische General versprach ihnen nur unter der Bedingung russijden Beistand, wenn sie die serbisden festen Pläße an die Russen aushändigen und ihre Armee der ruffischen einverleiben würden. Darauf gingen die Serbier nicht ein und legten den Krieg 1813 allein fort. Sie waren aber der Macht der Pforte, weldie jest die Hände gegen Rußland frei batte, nicht gewachsen, die Türken septen sich nach viermonatlichem Kampfe in den Besiß des Landes, Czerny und die meisten Anführer flohen nach Destreich. Nur einer derselben, Milosch Obrenow itsch (der Sohn eines Landmanns, geb. 1780, er trieb vor dem Ausbruch des Aufstandes einen kleinen Handel, ein in jeder Beziehung tüchtiger Mann) gab noch nicht Alles verloren, warf sich mit etwa 10,000 Mann in die Gebirge und focht hier einen Kampf der Verzweiflung, so daß die Türken endlich selbst anfingen zu unterhandeln, seinen Leuten völlige Amnestie zufidyerten und ihn selbst zum Oberknees von Rudnik ernannten mit dem Auftrag, die Ruhe im Lande wieder herzustellen. Diesem Auftrag suchte er auch nachzukommen; als aber die Türken in ihren Bebrüdungen fortfuhren,

rief er im Frühjahr 1815 die Serbier wieder unter die Waffen, focht glüdlich und zwang bie Türken (1816) zu einem Uebereinkommen, nach welchem sie den Serbiern die Verwaltung ihrer inneren Angelegenheiten zugestanden, während sie selbst nur die Festungen beseßt hielten. Die Pforte genehmigte zwar diesen Vertrag nigt, aber der Pascha von Belgrad mußte ihn anerkennen. Milosch wurde von den Serbiern 1817 zum Oberhaupt erwählt und 1827 auf einer Nationalversammlung zu Kragujewaz zum erblichen Fürsten des Landes ernannt, in welcher Würde ihn die Pforte 1834 bestätigte und zugleich anerkannte, daß die Serbier gegen einen Tribut von 2,300,000 türk. Piastern ihre inneren Angelegenheiten unter einem einheimischen Fürsten selbst verwalten dürften und die Türken nur nod in Belgrad feßhaft bleiben, daselbst aber gleiche Rechte mit den Serbiern haben sollten. An dem Zuge der Rufien, der mit dem Frieden von Adrianopel (1829) endigte, in welchem Serbien die sechs losgerissenen Distrikte wieder erhielt, nahm Milord nicht Theil. Die Verfassungsurkunde, welche er 1835 ausarbeiten ließ, kam wegen der Einwendungen Rußland's, Destreidy's und der Pforte nicht zur Geltung, dagegen erhielt eine andere, welche unter ruffisdem Einfluß 1838 zu Stande kam, die Genehmigung der Pforte. Parteiumtriebe zwangen den Fürsten Milojd 1839 zur Abbankung zu Gunsten seines Sohnes Milan Obrenowitsch, der aber bald nadh seiner Erhebung starb, worauf sein jüngster Sohn Michael Obrenowitsch zum Fürsten erhoben wurde. Audy dieser mußte 1843 dem Alerander George witfd weiden (geb. 1806, Sohn des obgenannten Georg Czerny, welchen lepteren der Pasda von Belgrad nach einem mißlungenen Einfall in Serbien 1817 hatte hinrichten lassen). Alerander Georgewitsch wurde, troß der Protestation des Fürsten Milosch und seines Sohnes, von der Pforte bestätigt. Die des Thrones für verlustig erklärte Familie des Fürsten Milosh zog fich nach Wien zurüc. Alerander Georgew its d hat bisher gut regiert. An dem Racenkampfe im Jahr 1848 nahmen die Serbier zu Gunsten der Slaven gegen die Magyaren nur mäßigen Antheil. Bei der neuesten orientalisden Verwicklung (1854) kommen bis jept zwar bic und da panslavistis de Bestrebungen zu Gunsten Rußland's zur Erscheinung, der Fürst Alerander Georgewitsch aber, der ebensowohl, wie Moliso, einsehen mag, daß seine Herrschaft zu Ende ist, wenn Ruß land vollständig Herr jener Gegenden wird, scheint fidy Destreich nähern zu wollen.

Walachei. . Der Name Wlachen oder Walachen soll von den alten deutschen Ansiedlern an der Donau herrühren und so viel als Ausländer bedeuten. Die Deutschen bezeichneten damit die alten Gin= wohner jener Gegenden; der Name scheint am Anfang des 10. Jahrhunderts für die Bevölkerung jener Länder aufgekommen zu sein. Die Walachen selbst nennen sich Rumuny oder Romanen, Römer, was auf ihre Abstammung von römischen Colonisten zurücweist; von den Türken werden sie Eflaks, das Land selbst Eflat genannt; auch die Bewohner

« PrécédentContinuer »