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der nach dem Frieden erwählte Bojar Bradfowan wurde von der Pforte nicht anerkannt, fie übertrug die Hospodarenwürde dem Alerander Opsilanti, den fie gleichwohl idon 1782 wieder absepte. 3m Jahr 1789 befeßten die Russen gemeinschaftlich mit den Destreichern die Walachet von Neuem; im Frieden von Hafiy 1792 wurde das Land jedoch der türkischen Oberhobeit wieder überlassen; 1807 rüdten die Ruffen abermals ein, verlangten Abtretung des Landes, räumten es aber wieder im Frieden von Bukarest 1812. Nach dem Tode des Hospodars Suzzo begann der Bojar Wladimiresto, früher russischer Officier, 1821 die Erhebung, aus welcher der griechische Befreiungskampf hervorging; er selbst hatte nur den Zweck, dem Druc der Hospodare und der Pforte auf die walachische Bevölkerung ein Ende zu machen. Der russische Generalmajor Ypsilanti, ein Nachkomme früherer Hospodare, stellte sich in 3afly an die Spiße der Griechen und reßte die Bewegung fort. Die Walachen unterlagen völlig, ihr Land wurde fortan von den Türten befeßt gehalten, die in alle Städte und größeren Dörfer Ulema's als Lehrer septen; der neue Hospodar Fürst Grigori Ghita, völlig bevormundet von der Pforte, erlaubte sich die größten Erpressungen, um den Geldforderungen der Pforte zu dem griechischen Krieg zu genügen. Rußland nahm sich im Vertrag von Åtjerman 1826 der Walachen an. Die Gospodare sollten fortan nicht mehr aus den Fanarioten genommen, sondern von einem Divan der Bojaren auf sieben Jahre gewählt,

von der Pforte zwar bestätigt, aber nur unter Zustimmung Rußland's berworfen oder abgelebt werden können. Die Steuern sollten unter Zustimmung der Pforte und Rußland's bon dem walachischen Divan festgeseßt werden. Auch diesen Vertrag erfüllte die Pforte nicht. Die Russen bejeßten dayer 1828 die Walachei abermals, Graf Pahlen wurde Generalgouverneur; die Lage der Einwohner aber gestaltete fich unter der Herrschaft der Russen keineswegs besser, vielmehr vermehrte fich der Drud durch Lieferungen u. 1. f. in einer Weise, daß viele ihr Befikthum ganz verließen und in die Wälder floben. Im Frieden von Adrianopel 1829 wurde festgeseßt, daß die Convention von Atjerman gehalten werden müsse, die Hospodare aber fortan auf Lebenszeit gewählt werden fouten. Ale Türfen mußten die Walachei, deren Grenze gegen die türktidhen Provinzen die Donau bilden sollte, räumen. Bis zur Abzahlung der im Frieden von Adrianopel der Türkei auferlegten Entschädigungø= summe, 0. i. bis 1834, blieb die Walachei unter russischer Verwaltung und von den Russen besept; Commandirender war General Kisselef. In dieser Zeit wurde von den Bojaren unter Vorsiß des rusfischen Generalconsul'8 Minciaky eine Landesverfassung für die Fürstenthümer der Moldau und Walachei ausgearbeitet, welche in Petersburg einer Revision unterzogen, sobann von den beiden Sdupmächten Rußland und der Lürtei genehmigt und 1832 in den beiden Fürstenthümern als Landesgeseß eingeführt wurde. Auch wurde zwischen Rußland und der Pforte festgefept, daß der Tribut des Sospodar's an die Pforte jährlich 3 Millionen türkische Piaster betragen folle. Zum Hospobaren erwählten die Bojaren 1834 den Alerander Ghika, den Rußland und die Pforte zwar bestätigte; er dankte jedoch schon 1842 auf Andringen der Bojaren wieder ab. Wenn es jeßt auch der russijden Politik nicht gelang, einen Russen (der General Kisselef und der russische Generalconsul waren unter den Candidaten) zur Hospodarenwürde zu erheben, so wußte sie doch die Wahl pon Georg Bibesto, einem russisch gesinnten Bojaren durchzuseßen. Das immer Fichtlider bervortretende Streben Rußland's, fich in der Walachei festzuseken, rief jedoch unter der Bevölkerung, namentlich in den Ständeversammlungen, einen wadysenden Widerstand gegen den ruisschen Einfluß und gegen Bibesko » selbst hervor, wiewohl lepterer durch Anlage von Strassen, Erleichterung der Lasten der Bauern a. fid um die innere Verwaltung anerkennungswerthe Verdienste erworben hatte. Im Jahr 1848 brach auch in der Walachet ein Aufstand aus, der zu= nähst von den Bauern ausging, sich aber bald über das ganze Land verbreitete. Die Forderungen, ausgebend von dem Saße, daß alle Einwohner gleiche Rechte haben müßten, waren ähnliche, wie sie damals in den meisten Ländern Europa's gestellt wurden; ganz besonders aber verlangte man Unabhängigkeit von Rußland. Der Fürst mußte eine in der Eile in diesem Sinn zusammengeschriebene Verfassung unterzeichnen und besdwören, legte aber am 25. Juni 1848, 'wo der russische Consul v. Roßebue gegen diese Verfassung protestirte, seine Regierung nieder. Auf Andringen der russischen Regierung rückte ein türkisches Heer von 23,000 Mann unter Omer Paida in der Walachei ein. Als die Walachen sich der Anforderung, die Zustände wieder auf den alten Fuß zu sepen, nicht fügten,, wurde am 26. Sept. Bukarescht von den Türken erstürmt, am 27. Sept. rückte auch eine russische Armee unter General Lüders in das Land, der Aufstand wurde jeßt völlig unterdrüdt und Alles wieder auf den alten Fuß gebracht. Ueber die Art und Weise, wie die Verhältnisse der Donaufürstenthümer (Walachei und Moldau) für die Zukunft geordnet werden sollten, fanden zwischen der Pforte und dem petersburger Cabinet lange Verhandlungen statt, die endlich in der Acte von Balka-liman (1. Mai 1849) ihren Ausgangspunct fanden. In dieser Acte, die vorläufig auf sieben Jahre Gültigkeit haben sollte, nach welcher Zeit die beiden Höfe, wenn erforderlich, neue Bestimmungen treffen wollten, wurde festgesept, daß das Staatsgrundgeseß von 1831 wieder zur Gültigkeit fomme, an die Stelle der Versammlungen der Bojaren aber ein aus einer Anzahl bober Geistlicher und Bojaren zusammengesepter Divan trete. Das Reglement organique sollte von zwei Commissionen revidirt, die von denselben proponirten Aenderungen aber der Genehmigung der Höfe von Constantinopel und Petersburg unterworfen werden. Bis die Rube in den Fürstenthümern vollständig hergestellt sei, jollten zwei Commisjäre der Höfe und eine russisch-türkische Armee von 35,000 Mann in den Fürstenthümern bleiben, die Zahl der Occupationstruppen jedoch nach und nach vermindert werden. An die Stelle Bibesko's wurde

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1849 der Großbojar Barbo Stirbei als Hospodar eingefeßt. Die russischen Truppen zogen erst im Jahr 1851 ab. In Folge der neuesten russisch-türkisden Differenzen rückte unter den Generalen Danneberg und Lüders am 2. Juli 1853 wieder eine russische Armee in die Waladhei ein, die unter dem Oberbefehl des Fürsten Gortid akoff bald zu einer Stärke von 75,000 Mann anwuchs und das Fürstenthum wie eine russische Provinz behandelte. Dem Hospodar Stirbei wurden drei russische Commisjäre an die Seite geseßt, ohne deren Einwilligung er Nichts unternehmen durfte. Stirbei zog es unter solchen Verhältnissen vor, nachdem er einen Verwaltungsdivan eingeseßt, im Dkt. 1853 nach Wien abzugeben. Fürst Gortschatoff dagegen seşte statt dieses Divan's ein Gouvernement ein, erklärte Ende Oktober 1853 das Fürstenthum in Belagerungszustand und bedrohte jede Verbindung mit der Pforte mit standrechtlicher Behandlung. Das zu Wien am 9. Apr. 1854 pon Enga land, Frankreid), Destreich und Preußen unterzeichnete Protokoll, welches auf die Räumung der Fürstenthümer drang, konnte diese Räumung nicht bezweden. Erst als Destreid wiederholte sogenannte Sommationen (3. Juni und 9. Juli 1854) an Rußland erlassen, auch die russische Armee gegen die Türken Nichts ausgerichtet, vielmehr fidy veranlaßt gesehen, am 30. Juni 1854 die Belagerung von Silistria wieder aufzuheben, Destreich dagegen unter demselben Datum eine Convention mit der Pforte bezüglich der Belegung der Fürstenthümer durch östreichische Truppen geschlossen hatte, fanden sich die Russen veranlaßt, die Fürstenthümer zu verlassen (14. Aug. 1854), wogegen sogleich die Destreicher einrüdten. dem ist die Walachei von östreichischen Truppen beseft. Möge ein günstiges Geschid den bedrängten Einwohnern dieser fruchtbaren Landstriche, die seit Jahrhunderten unter beständigen Kriegsverheerungen der Nachbarländer seufzen, endlich eine bessere und gesicherte Zukunft bereiten!

Die Moldau, so genannt von dem Flusse Moldowa, heißt bei den Türken Bogdan, hat circa 773 O Meilen und 1,254,000 Einwohner, die dem walachischen Volksstamme und der griechisd-katholischen Confession angehören; dod gibt es audy Armenier, Juden und Zigeuner. Hauptstadt 3 afch oder Fally, 27,000 Einw. Die Moldau grenzt gegen Osten, wo der Pruth die Grenze madt, an Rußland (Bessarabien), gegen Norden und Westen an Destreich (an die Bukowina und Siebenbürgen), gegen Süden an die Walachet. Bei den Alten gehörte die heutige Moldau zu Dacien. Zur Zeit der Völkerwanderung kam das fand in den Besiß der Westgotben, dann in den der Hunnen, später an die Magyaren, Þetscenegen, Kumanen u. Das Christen thum fand um 1050 Eingang. Am Anfang des vierzehnten Jahrhunderts fepten sich die Wala en unter Bogdan I. in den Befiß des Landes, das in dieser Zeit seinen besonderen Namen von dem Fluß Moldowa erhielt. Sie blieben fortan in Besiß und wurden von eigenen Fürsten regiert, die den Titel Woywode oder M irß a führten, bald an Ungarn, bald an Polen, bald an beide Kronen zugleich lehnspflichtig waren, seit 1529

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aber, unter dem Woywoden Bogdan III., den Türken, die schon seit 1310 Einfälle in das Land gemacht hatten, tributpflichtig wurden. Mit dem Sultan Solyman, der gegen Wien vorrückte, traf der Woywode Peter VI. das Abkommen, daß er gegen einen Tribut von 4000 Goldgulden nebst einer Anzahl von Pferden und Falken völlige Gewalt im Lande behielte und kein Türke seinen bleibenden Wohnfiß in der Moldau nehmen durfte. Im Jahr 1538 trennte der Sultan Bessarabien von der Moldau ab und vereinigte diesen Landestheil mit dem türkischen Reiche; er mußte jedoch, als die Tataren dort einfielen, an den Tatarenkhan abgetreten werden. Auch in der Moldau fepten die Sultane, wie in der Walachei, die von den Bojaren gewählten Woywoden nach Belieben ein und ab, oder ließen sie hinrichten, ebenso befekten fie die Stelle häufig mit Griechen. Mit Rußland kam die Moldau zuerst unter Peter, dem Großen, in Verbindung (1711); der Woywode Demetrius Kana temir floh nach der mißlungenen Unternehmung Peter's am Pruth in das russische Reich und wurde vom Czaren reich beschenkt. Im Jahr 1770 ergriffen die Russen Besig von der Moldau, traten fie zwar im Frieden von Kudich uk - Kainardschi (1774) den Türken wieder ab, behielten sich aber eine Art Sdußrecht vor. Die Kaiserin Maria Theresia erklärte Jahr 1774 die zur Moldau gehörende Bukowina (178 M. mit 70,000 E.) für einen Theil Galiziens und verlangte die Abtretung an Destreich, in welche die Pforte 1777 aud willigte. In den Kriegen der Pforte mit Destreich und Rußland (1787 ff.) war die Moldau, wie die Walachei, der Kriegsschauplaş; die Einwohner, welche idon durch ihre Sospodare, gewöhnlid Grieden (Fanarioten), welche diese Würde als Meistbietende von der Pforte erkauften, auf das Aeußerste ausgesaugt wurden, litten auch unter diesen Kriegen außerordentlich. Der Friede von Bukarescht 1812 machte den Pruth zur Grenze zwischen der Moldau und Rußland und trennte also ganz Bessarabien ab, das dem russischen Reiche einverleibt wurde. (Seinen Namen trägt dieses Land, circa 780 OM. groß mit 700,000 E., Hauptstadt Rischineff 42,000 E., von der moldauischen Regentenfamilie Bejjarab). Der Aufstand der Griechen gegen die Pforte im Jahr 1821 ging hauptsächlich von der Moldau aus; von Jassy erließ der Fürst Ypsilanti den Aufruf zum Aufstand, der Hospodar Michael Suzzo begünstigte die Bewegung, das kleine Heer der Aufständischen wurde aber von den einrüdenden Türken geschlagen, die Moldau verbeert und von den Türten beseft gehalten, an die Stelle Suzzo's wurde fein Grieche mehr, son dern der moldauische Bojar Stourdza geseßt. Erst in den Jahren 1825 und 1826 räumten die Türken auf wiederholtes Andringen Rußland's die Fürstenthümer wieder. Von jept an betreffen alle Friedensschlüsse und Verträge die Moldau mit der Walachei gemeinschaftlich; wir können uns daher hier in Bezug auf die neueren Ereignisse fürzer fassen, als bei der Walachei, und verweisen auf unsere dieses Land behandelnde Stizze. Der Vertrag von Atjerman (1826) gab der Moldau und

Walachei dieselben Vorschriften bezüglich der Sospodarenwahl. Nach dem frieben von Adrianopel (1829) mußte auch die Moldau von den dort ansäßigen Türken vollständig geräumt werden, und das Land blieb bis 1834, wo der Bojar Michael Stourdza zum Hospodar gewählt wurde, von den Russen besept. In demselben Jahre erkannte die Pforte im Vertrag von Petersburg (28. Jan. 1834) das von einer Commission von Bojaren 1829 für beide Fürstenthümer entworfene organische Statut an. Die Bestrebungen für politische Verbindung getrennter Nationalitäten, welche in den vierziger Jahren in einem großen Theil Europa’s ficy Geltung zu verschaffen suchten, griffen audy in den Fürstenthümern Plas; eg entstand eine 'geheime Verbindung, welche aus der Moldau, Walachei und fämmtlichen Walachen oder Romanen der angrenzenden Länder ein Königreich Dacien gründen wollte; mit dem Hospodar Stourdza aber, der vornehmlich für die Vermehrung seines Privatvermögens sorgte und sich völlig von russischen Einflüssen leiten ließ, wurde man immer unzufriedener. Als nun 1848 die Februarrevolution ausgebrochen war, erhoben sich auch die Moldauer; eine Versammlung in Jalin (8. Apr.) bradyte eine Petition an den Hospodar, worin auf Einhaltung der Landesgeseße, Erleichterung des gedrüdten Bauernstandes, Errichtung von Sdulen, auf Preßfreiheit u. gedrungen wurde. Alein der Hospodar ging auf diese Petition nicht ein, ließ am anderen Tage vielmehr eine Versammlung von Bojaren durch Soldaten gefangen nehmen, wobei das Volk völlig theilnahmlos blieb. Noch im Monat April eridienen der rusliide Generalconsul b. Kopebue und der kaiserliche Flügeladjutant General v. Duhamel in Jassy und erklärten, daß der Kaijer durchaus keine Neuerung dulde; Ende Juli wurde die Moldau von russischen Truppen beseßt, die erst im April 1851 wieder abzogen. Unterdessen hatten die Pforte und Rußland am 1. Mai 1849 zur Regelung der Verhältnisse der Fürstenthümer die Acte von Balkaliman unterzeidynet, deren Bestimmungen wir bereits unter dem Artikel Waladhei angegeben haben. Nach dem Erlaß dieser Akte dankte Fürst Stourdza ab; an seine Stelle fam als Hospodar (14. Juli 1849) der beim Volke beliebte Bojar Gregor Ghika. In Folge des neuesten Vorgehens Rußlands gegen die Pforte rüdten die Russen anfangs Juli 1853 abermals in die Moldau ein und verließen dieselbe erst Mitte August 1854. Sogleich nach ihrem Abzug besepten, gemäß einer Uebereinkunft zwischen Destreich und der Pforte, östreichische Truppen das fürstenthum.

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