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aber, unter dem Woywoden Bogdan III., den Türken, die schon seit 1310 Einfälle in das Land gemacht hatten, tributpflichtig wurden. Mit dem Sultan Solyman, der gegen Wien vorrückte, traf der Woywode Peter VI. das Abkommen, daß er gegen einen Tribut von 4000 Goldgulden nebst einer Anzahl von Pferden und Falken völlige Gewalt im Lande behielte und kein Türke seinen bleibenden Wohnsit in der Moldau nehmen durfte. Im Jahr 1538 trennte der Sultan Bessarabien von der Moldau ab und vereinigte diesen Landestheil mit dem türkischen Reiche; er mußte jedoch, als die Tataren dort einfielen, an den Tatarenkhan abgetreten werden. Auch in der Moldau septen die Sultane, wie in der Walachei, die von den Bojaren gewählten Woywoden nach Belieben ein und ab, oder ließen sie hinrichten, ebenso besepten fie die Stelle bäufig mit Griechen. Mit Rußland kam die Moldau zuerst unter Peter, dem Großen, in Verbindung (1711); der Woywode Demetrius Kan= temir floh nach der mißlungenen Unternehmung Peter's am Pruth in das russische Reich und wurde vom Czaren reich besdhenkt. Im Jahr 1770 ergriffen die Russen Besiß von der Moldau, traten sie zwar im Frieden von Rudd ut-Kainardi di (1774) den Türken wieder ab, behielten sich aber eine Art Scuprecht vor. Die Kaiserin Maria Theresia erklärte Jahr 1774 die zur Moldau gehörende Bukowina (178 M. mit 70,000 E.) für einen Theil Galiziens und verlangte die Abtretung an Destreich, in welde die Pforte 1777 auch willigte. In den Kriegen der Pforte mit Destreich und Rußland (1787 ff.) war die Moldau, wie die Waladjei, der Kriegsschauplap; die Einwohner, welche schon durch ihre Gospodare, gewöhnlid Griechen (Fanarioten), welche diese Würde als Meistbietende von der Pforte erkauften, auf das Aeußerste ausgesaugt wurden, litten auch unter diesen Kriegen außerordentlich. Der Friede von Bukarescht 1812 machte den Pruth zur Grenze zwischen der Moldau und Rußland und trennte also ganz Beifarabien ab, das dem russischen Reidie einverleibt wurde. (Seinen Namen trägt dieses Land, circa 780 M. groß mit 700,000 E., Hauptstadt Kiscineff 42,000 E., von der moldauischen Regentenfamilie Beijarab). Der Aufstand der Griechen gegen die Pforte im Jahr 1821 ging hauptsächlich von der Moldau aus; von Jasin erließ der Fürst Ypsilanti ben Aufruf zum Aufstand, der Hospodar Michael Suzzo begünstigte die Bewegung, das kleine Heer der Aufständischen wurde aber von den einrüdenden Türken geschlagen, die Moldau verheert und von den Türken beseft gehalten, an die Stelle Suzzo's wurde tein Grieche mehr, son= dern der moldauische Bojar Stourdza gesegt. Erst in den Jahren 1825 und 1826 räumten die Türken auf wiederholtes Andringen Rußland's die Fürstenthümer wieder. Von jest an betreffen alle Friedensschlüsse und Verträge die Moldau mit der Walachei gemeinschaftlich; wir können uns daher hier in Bezug auf die neueren Ereignisse kürzer fassen, als bei der Waladei, und verweisen auf unsere diefes Land behandelnde Skizze. Der Vertrag von Atjerman (1826) gab der Moldau und

Walachei dieselben Vorschriften bezüglich der Hospodarenwahl. Nach dem frieben von Adrianopel (1829) mußte auch die Moldau von den dort ansäßigen Türken vollständig geräumt werden, und das Land blieb bis 1834, wo der Bojar Michael Stourdza zum Hospodar gewählt wurde, von den Russen beseßt. In demselben Jahre erkannte die Pforte im Vertrag von Petersburg (28. Jan. 1834) das von einer Com= mission von Bojaren 1829 für beide Fürstenthümer entworfene organische Statut an. Die Bestrebungen für politische Verbindung getrennter Nationalitäten, welche in den vierziger Jahren in einem großen Theil Europa's fidy Geltung zu verschaffen suchten, griffen auch in den Fürstenthümern Plas; es entstand eine geheime Verbindung, welche aus der Moldau, Baladei und sämmtlichen Waladjen oder Romanen der angrenzenden Länder ein Königreich Dacien gründen wollte; mit dem Hospodar Stourdza aber, der vornehmlich für die Vermehrung seines Privatvermögens sorgte und fich völlig von russischen Einflüssen leiten ließ, wurde man immer unzufriedener. Als nun 1848 die Februarrevolution ausgebrochen war, erhoben sich auch die Moldauer; eine Versammlung in Jalin (8. Apr.) brachte eine Petition an den Hospodar, worin auf Einhaltung der Landesgeseße, Erleichterung des gedrüđten Bauernstandes, Grridtung von Sdulen, auf Prebfreiheit ac. gedrungen wurde. Allein der Bospodar ging auf diese Petition nicht ein, ließ am anderen Tage vielmehr eine Versammlung von Bojaren durch Soldaten gefangen nehmen, wobei das Volk völlig theilnahmlos blieb. Noch im Monat April eridienen der russische Generalconsul 5. Roßebue und der kaiserliche Flügeladjutant General v. Duhamel in Jassy und erklärten, daß der Kaiser durchaus keine Neuerung dulde; Ende Juli wurde die Moldau von russischen Truppen befeßt, die erst im April 1851 wieder abzogen. Unterdessen hatten die Pforte und Rußland am 1. Mai 1849 zur Regelung der Verhältnisse der Fürstenthümer die Acte von Balka: liman unterzeichnet, deren Bestimmungen wir bereits unter dem Artikel Waladiei angegeben haben. Nach dem Erlaß dieser Akte dankte Fürst Štourdza ab; an seine Stelle kam als Hospodar (14. Juli 1849) der beim Volke beliebte Bojar Gregor Ghika. In Folge des neuesten Vorgehens Rußlands gegen die Pforte rüdten die Russen anfangs Juli 1853 abermals in die Moldau ein und verließen dieselbe erst Mitte August 1854. Sogleich nach ihrem Abzug besepten, gemäß einer Uebereinkunft zwischen Destreich und der Pforte, östreichische Truppen das Fürstenthum.

I.

Türkisch - öftreichische Friedenssdlüsse.
1. Friede zu Carlowiß.

(26. jan. 1699.)

Der Waffenstilstand, welcher 1664 zu Vasyar zwischen Deftreich und der Pforte auf 20 Jahre geschlossen worden war, wurde nicht bis zu dem Ablauf der bestimmten Zeit gehalten. Die Ungarn waren mit demselben unzufrieden, weil er ohne Theilnahme ihrer Stände geschlossen worden war und ihre Grenzen bloß gab. Eine Verschwörung der Ungarn unter Wesseling, die vor dem Ausbruch entdect wurde, hatte von Seiten der östreichischen Regierung sehr harte Maßregeln gegen das Volt überhaupt, namentlich einen gewaltsamen Versud, den Protestantismus im Lande auszurotten, zur Folge; daraus entstand eine Empörung der Ungarn unter dem Grafen Tökel y. Die Türken, von dem französischen König Ludwig XIV. angeregt, erklärten den Tökely für ihren Schüßling und erkannten ihn als Lebenskönig von Ungarn an. Der Großwesir Kara Mustapha erschien (1683) mit einem Heere in Ungarn, schlug das kaiserliche Heer nad Destreich zurück und erschien am 14. Juli 1683 mit 200,000 Mann und 200 Geschüßen vor Wien. Kaiser Leopold I. floh nad Passau. König Ludwig XIV. hatte bereits ein franzöfisches Heer an der Reichsgrenze zusammengezogen, um beim Fall von Wien und der Zertrümmerung der östreichischen Macht seinen Sohn zum römischen Rönig zu machen. Aber Graf Rüdiger von Stahremberg vertheidigte, unterstüßt von den Bürgern und Studirenden Wien's, mit nur 12,000 Mann regulärer Truppen die Stadt auf das Tapferste gegen die türkische, in der Belagerungskunst nur wenig erfahrene Uebermadt. Ein mächtiger Heer von 80,000 Deutschen und 20,000 Polen unter dem Oberbefehl des polnischen Königs Sobiesky (unter ihm befehligten der Herzog Carl von Lothringen und der Fürst von Waldet) erschien am 12. Sept. 1683 vor der bedrängten Stadt, schlug das Türkenbeer entscheidend und verfolgte dasselbe nach Ungarn. Im folgenden Jahr (1684)

verband fich auch Venedig mit dem Kaiser und dem König von Polen gegen die Türken; das erste Mal, daß Venedig gegen die Pforte der an= greifende Theil war. Die Venetianer kämpften zu Lande und zur See; sie eroberten Theile von Dalmatien und von Morea, durch ihren General v. Königsmark auch Athen. Indessen hielten sich die Türken und Tötely noch immer hartnädig in Ungarn; bei Mobacz wurden fie jedoch 1687 entideidend geschlagen, Ungarn wurde für ein bab8burgisches Erbreich erklärt und die Ungarn mußten dieses Erbrecht auf dem Reichstag zu Preßburg (1687) anerkennen. So viel Unglüd der türkisden Waffen rief in Constantinopel eine Empörung hervor. Sultan Muhamed IV. wurde in's Gefängnis geworfen und sein Bruder Solyman III. statt seiner auf den Thron geseßt. Die Türken verstärkten zwar jeßt ihr Heer in Ungarn, aber Kurfürst Mar Emanuel von Bayern erstürmte gleidwohl (6. Sept. 1688) die Festung Belgrad. Ein neuer Großwesir Mustapha Kiuperli (dessen Vater und Bruder idon mit Auszeichnung diese Würde bekleidet) erließ einen Aufruf an alle Muselmänner und focytin Siebenbürgen wieder mit Glüc. Solyman III. starb 1691, Riuperli feßte den Bruder des Sultan's, A meb II. auf den Thron, um in seinem Namen zu regieren, zog mit einem großen Heere nach Ungarn, wurde aber bei Salankemen (19. Aug. 1691) von den Destreidern nnter dem Markgrafen Ludwig von Baden entscheidend geschlagen und tödtlid verwundet. Wohl wären die Türken ießt zum Frieden geneigt gewesen, aber Ludwig XIV. wußte fie im Felde zu erhalten. Auf Achmed II., der 1694 starb, folgte der träftige Sultan Mustapha II.; er stellte sich 1695 wieder selbst an die Spike der Armee, welche gegen die Destreicher fodt. Peter, der Große, von Rußland war seit 1690 gleichfalls als Feind der Pforte aufgetreten und eroberte 1696 Affow. Mustapha II. tämpfte mit Glück; der Kurfürst August der Starke von Sachsen, welcher das kaiserliche Heer commandirte, war beständig im Nachtheil. Als aber Prinz Eugen das Commando der östreichisden Armee erhalten hatte, schlug dieser am 11. Sept. 1697 das türkische Heer entscheidend bei Zenta an der Theiß, worauf der neu ernannte Großwesir Kiuperli Hussein, ein alter Mann, sowie der Sultan selbst, das Anerbieten des englischen Gesandten Paget, den Frieden zu vermitteln, nach einigem Widerstreben annahmen.

Die Türkei war müde, Destreid wünschte den Frieden wegen seiner Absichten auf Spanien, weniger geneigt für denselben waren Þo'len und Rußland; Venedig hatte in der legten Zeit den Krieg nur noch lässig geführt. Der kaiserliche Sof idlug Wien oder Debreczin zum Orte der Friedensverhandlungen vor, die Türken bestanden aber auf einem Plaß am rechten Donauufer, und so wurde endlid Carlowiß (an der Donau im beutigen peterwarbeiner Regimentsbezirk der slavonischen Militärgrenze) gewählt. Der englische Gesandte Lord Paget und der holländische Colliere machten die Vermittler. Um die Streitigkeiten wegen des Vortrittes zu umgehen, baute man für die Sißungen ein

eigenes Haus mit vier Thüren, zu denen auf ein gegebenes Zeichen die verschiedenen Gesandten zu gleicher Zeit eintraten. Zuerst berbandelten Destreich und die Pforte; die Bevollmächtigten Destreidy's waren der Graf Wolfgang von Dettingen und der Graf Leopold von Sdlid b, bie der Pforte der Reis - Effendi Rami und Alerander Maurocordato. Anfangs (7. Nov. 1698) verlangten die Türken, daß Siebenbürgen einen eigenen Fürsten unter türkischer Oberhoheit behalte; sie verzichteten aber bald auf diese Forderung, auch Ungarn erhielt der Kaiser, mit Ausschluß des Banats, die Maros foute die Grenze bis zu ihrer Einmündung in die heiß machen. Destreich wollte die Verhandlungen nicht beginnen, bis die Auslieferung Tök ely's zugesagt sei; allein die Türfen gingen auf diesen Punkt nicht ein, fie erklärten, Tökely sei zwar ein Hund, der sich auf Befehl -des Sultan's legen oder bellen müsse, aber er sei des Sultan's Hund, der auf seinen Befehl auch beißen könne. Tökely wurde nach Kleinasien gewiesen, wo er starb. Die Dauer des Friedens wurde auf 25 Jahre festgefeßt. Nadidem Destreich seine Ver handlungen beendigt, trat es für die übrigen Mächte vermittelnd auf. Die Bolen erbielten Raminieß zurück, die Türken verzichteten auf ihre Ansprüche auf die Ukraine und Podolien, dagegen gab Polen an die Türkei einige Pläße in der Moldau zurüc. Gegen Venedig zeigte sich die Pforte minder nadgiebig. Nach längeren Verhandlungen tam man überein, daß Venedig die Halbinsel Morea, St. Maura und Engina behalte, aber Lepanto, Prevesa und Romania herausgebe. Rußland lebte jede Vermittlung ab und fdyloß zu Carlowit nur einen Waffenstilstand auf zwei Jahre, nach welchem es das eroberte Affo w behielt (dieser Waffenstilstand wurde am 13. Juli 1700 in einen dreißigjährigen Frieden umgewandelt). Nachdem sämmtliche Verhandlungen 72 Tage gedauert hatten, wurde der Friede am 26. Jan. 1699 allseitig unterzeichnet. Der Friede von Carlow iß findet sich abgedruckt bei Lünig, teutsches Reichsarchiv Band V. (d. i. pars specialis continuatio 1–4, pag. 172), bei Dumont T. VII. P. II. p. 448, bei Christ, Ruhe des jeßt lebenden Europa Band II. p. 1127, bei: Neue ottom. Pforte, Augsb. 1700, Band II. p. 819. Wir geben hier nur das Friedensinstrument zwifchen Destreich und der Pforte.

2. Friede zu Passar ow i ķ.

(21. Juli 1718.)

Die im carlowißer Frieden bestimmten 25 Friedensjahre waren noch nicht abgelaufen, als der Sultan Adhmed III., um Morea wieder in seinen Befiß zu bekommen, mit den Venetianern einen neuen Krieg begann (1715) und in kurzer Zeit auch Morea und Gandia eroberte. Venedig suchte Hülfe bei Destreid), das den carlowißer Frieden garantirt hatte. Prinz Eugen von Savoyen zog mit einem ftarken östreichischen

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