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ansehnliche Truppenmasse bei Varna gesammelt, die aber hier zwet Monate (Juli und August) völlig unthätig lag, und noch ehe fie in einen Kampf gekommen, von der Cholera und dem Typhus gelichtet

Bis zum Abgang der Erpedition nach der Krimm hatten diese Seuchen über 14,000 Franzosen hingerafft

. Nach dem Journal de · Constantinopel vom 4. Sept. 1854" bestanden die zur Grpedition

nach der Krimm bestimmten Truppen aus 35,000 Franzosen (unter St. Arnaud), 20,000 Engländern (unter Lord Raglan), 10,000 Türken. Etwas abweichend von dieser Angabe erklärt die dem Prinzen Napoleon zugeschriebene Broschüre, daß der Appell bei der Landung in Eupatoria am 15. Sept. 1854 im Ganzen 62,000 Mann ergeben habe, nämlich 28,000 Franzosen, 26,000 Engländer und 8000 Türken. Die gemeinschaftliche Flotte hatte eine Bemannung von 25,000 Mann mit 3000 Kanonen. Schon den ganzen Monat August 1854 wurde Vorbereitung zur Einschiffung getroffen; der Abgang der Haupttruppenmassen erfolgte vom 2. bis 4. Sept.; erst jeßt wurde der Armee eröffnet, daß ihre Bestimmung nach Sebastopol gehe. Nach einer glüdlichen Fahrt landete die Erpedition am 14. September 1854 an der Küste der Krimm bei Eupatoria. Der Landung wurde von russischer Seite kein Widerstand entgegengesept; die ruffisden Corps zogen fich überall zurück, nahmen aber eine sehr vortheilhafte Stellung jenseit des Flusses Alma beim Dorfe Alma ein, wo es am 20. Sept. 1854 zum ersten Zusammenstoß kam. Die Russen unter Mentícitoff, 35,000 Mann stark, hielten die steilen Höhen des fast ausgetrockneten Flusses beseßt, wo sie sich mit 64 Feldgeschüßen stark versdanzt hatten. Nach vierstündigem Kampfe wurden die Sdanzen genommen und die Russen zogen sich auf Sebastopol zurüd; sie sollen 6000, die Alliirten 3000 Todte auf dem Plaß gelassen haben. Die türkische Division betheiligte sich nicht bei diesem Kampfe ; sie hatte Befehl, während der Action die Gärten und Gebüsche des Flußthales beseßt zu halten. Der französische Obercommandant St. Arnaud starb am 29. Sept. 1854, nachdem er am 28. Sept. den Oberbefehl über die franzöfischen Truppen dem General Canrobert übergeben hatte, der für diesen Fall die kaiserliche Ernennung schon selbst in der Tasche mit sich trug. Die alliirten Truppen marscirten nun geraden Wegs gegen Sebastopol, befestigten die auf dem Wege dahin, 13/4 deutsche Meilen von Sebastopol, gelegene kleine Hafenstadt Balaklawa, nahmen am 26. und 27. Sept. Stellung auf der Südseite von Sebastopol, von Balaklawa bis zum Rap Chersones, die Nordseite aber blieb den Nussen offen. Die Laufgräben wurden am 10. Dkt. 1854 eröffnet, das Bombardement von der Land- und Seeseite begann am 17. Oktober. Es zeigte sich jeßt, daß man, wie die Erpedition gegen Kronstadt, so auch diese gegen Sebastopol ohne alle Kenntniß der Schwierigkeiten der Aufgabe, welche man sich vorgesteďt, unternommen hatte. Die Aliirten glaubten, nur anrüden zu dürfen und die Festung alsobald zu nehmen; die ersten Bea ridite ihrer Generale sprachen diese Ueberzeugung mit großer Zuversicht

aus, und ganz Europa erwartete daber schon in den ersten Tagen der Belagerung Sebastopol's Fall; in Paris wurden schon die kanonen für die Salven bereit gehalten, welde das wichtige Ereigniß der Stadt verkündigen sollten. Allein nach und nach überzeugte man sich immer mehr, daß man es mit einer wohl construirten Festung ersten Ranges zu thun habe, und zog eine regelmäßige Belagerung dem zweifelhaften Erfolg eines Sturmes vor, der sehr viel Blut gekostet hätte. Die Russen ihrerseits machten häufige Ausfälle, schlugen fich tapfer, erhielten ansehnliche Verstärkungen und errichteten fortwährend neue Befestigungen, deren Baue die Belagerer fein Hinderniß entgegen zu seßen wußten. Am 25. Okt. 1854 griff das Corps des russischen Generals Liprandi, 20,000 Mann stark, die türkisd en Redouten bei Balaklawa an, die Türken wichen, englisde Truppen, später auch eine französisdie Division, kamen zu Hülfe und trieben die Russen zurück, wobei jedoch eine Abtheilung der englischen Cavalerie durch eine misverstandene Weisung zum Vorrüden unter dem Feuer der rusijden Artillerie außerordentlich litt. Sdon am folgenden Tage (26. Dkt. 1854) wiederholten die Russen von Balaklaw a und Sebastopol her den Angriff auf die Verschanzungen der Alliirten, wurden aber mit einem Verlust von ungefähr 1000 Todten zurückgeschlagen. Nachdem sie am 4. Nov. 30,000 Mann Verstärkung erhalten hatten, griffen sie bei den Ruinen von Jnkerman am 5. Nov. 1854 unter Anführung des Generals Dannenberg und in Anwesenheit der Großfürsten Michael und Nikolaus die englischen Linien, von einem didten Nebel begünstigt, Morgens 5 Uhr mit 40,000 Mann an. Der englische General Cathcart konnte ihnen für den Augenblic nur 8000 Mann gegenüber stellen; nach zwei Stunden kamen ihm 3000 Franzosen zu Hülfe; die englischen Stanzen wurden dreimal von den Russen genommen und dreimal von den Alliirten wieder erobert. Als Nachmittags die franzöfide Brigade Monet eintraf, mußten die Russen weichen. Sie hatten während des Kampfes, um die Franzosen zu hindern, den Engländern zu Hülfe zu kommen, mit 8000 Mann der Garnison von Sebastopol, aus dem Quarantänefort einen Angriff auf die französishen Versdıanzungen gemacht, der aber bald zurüdgeworfen war. Der Verlust der Russen in dieser Schlacht bei Inkerman wird auf 8000, jener der Alliirten auf 3000 Mann an Todten und Verwundeten angegeben. Dies war im Jahr 1854 die leßte Waffenthat von Bedeutung. Den ganzen Winter über erfolgte nur hie und da einmal ein Ausfall kleiner russischer Abtheilungen, meist bei Nacht, um die Alliirten zu beunruhigen. Die Flotte der Alliirten erlitt durch einen furchtbaren Sturm, der vom 13. auf den 14. November 1854 auf dem schwarzen Meere wüthete, große Verluste. Unsäglich waren die Leiden, welche die Armeen den langen Winter über in Folge der Kälte, des Schnee's, der Nässe und anstecender Krankheiten, namentlich des Typbus, Storbuts und der Cholera zu erbulden hatten. Vom russischen Heere ist in dieser Bes zichung W enig bekannt geworden, obgleich die Leiden und Entbehrungen

derjenigen Truppen, welche außerhalb Sebastopol's campiren mußten, gewiß nicht geringer waren, als jene der Aulirten; öffentliche Blätter geben den Verlust, welchen die Russen im Lager und Spital bis Anfang Februar 1855 erlitten, auf 35,000 Mann an. Auch aus dem französischen Lager hat man Wenig vernommen; nur so viel wurde durch englische Blätter bekannt, daß dort die Verpflegung und überhaupt die ganze Einrichtung weit besser war, als bei den Engländern. Bei Lepa teren fehlte es auch an dem Nothdürftigsten; es zeigte fich eine gänzliche Unfähigkeit der höheren Officiere in der Verpflegung einer Armee. Der beständige, mit Sdynee vermischte Regen hatte den Boden um die Festung in tiefen Koth aufgelöst, die Zelte boten fein hinreichendes Obdach mehr, an Nahrung war Mangel, an Holz gebrach es fast gänzlich, die Kleidung der Soldaten zerfiel in Lumpen, viele mußten baarfuß die Wachen beziehen. Der Soldat wurde bei Tag und Nacht nicht mehr trođen; in Folge dieser beständigen Näfse entstand eine ganz eigenthümliche Krankheit, Hände und Füße fingen an zu faulen, der Brand kam dazu und der Kranke starb ohne Rettung; aud Amputation des ergriffenen Gliedes schüßte nicht vor dem Tode. Wiewohl Frankreich und England den Winter über zahlreiche Verstärkungen nacsandten, so hielt man es doch nicht für rathsam, einen Sturm auf die Festung zu unternehmen. Die neu angekommenen Truppen unterlagen den Krankheiten noch schneller, als die älteren. Im Monat Januar 1855 find von den Engländern 6500 Mann dienstunfähig geworden. Am Anfang Februars bestand die Armee der Alliirten vor Sebastopol aus 110 bis 115,000 Mann, worunter 21,000 kampffähige Engländer waren. Die dem Prinzen Bonaparte zugeschriebene Denkschrift über die Erpedition in der Krimm gibt den gemeinsamen Verlust, welchen die Aulirten durch das feindliche Feuer, durd Krankheiten und Kälte in der Krimm bis Anfang Februars 1855 erlitten, auf 45,000 Todte und 30,000 Rampfunfähige an. In England riefen die Leiben der Armee, die großentheils in der schlechten Verpflegung ihren Grund fanden, die größte Entrüstung hervor. Das englische Parlament stellte auf den Antrag Röb u d'8 am Ende Februars 1855 eine Commission auf, um eine Untersuchung über die schlechte Verpflegung der englischen Truppen in der Krimm einzuleiten; sie hielt am 26. Februar ihre erste Sißung. Der Premierminister Lord Áberdeen trat am 8. Febr. 1855 von seinem Posten ab und Lord Palmerston an feine Stelle. Napier's Commando über die Ostseeflotte erhielt der Contre- Admiral Dundas. Das neue englische Ministerium verlangte für die Armee, die, ohne die indischen Truppen, auf 193,595 Mann gebracht werden sollte, für das laufende Jahr 1855 einen Credit von 24,437,496 Pf. Im Jahr 1854 auf 55 hatten die Engländer 27,153,931 Pfund für den Krieg ausgegeben; für das Jahr 1855 auf 56 waren die Ausgaben auf 37,427,003 Pfund veranschlagt. Die pecuniären Dpfer, welche Frankreich dem Kriege bisher gebracht, sind nicht bekannt geworden; doch mag man auf ihre Göhe salteßen, wenn man weiß, daß

aus, und ganz Europa erwartete daher schon in den ersten Tagen der Belagerung Sebastopol's Fall; in Paris wurden don die kanonen für die Šalven bereit gehalten, welche das widtige Ereigniß der Stadt verkündigen sollten. Allein nad und nad überzeugte man sich immer mehr, daß man es mit einer wohl construirten Festung ersten Kanges zu thun habe, und zog eine regelmäßige Belagerung dem zweifelhaften Erfolg eines Sturmes vor, der sehr viel Blut gekostet hätte. Die Russen ihrerseits madyten häufige Ausfälle, flugen fidh tapfer, erhielten ansehnlide Verstärkungen und errichteten fortwährend neue Befestigungen, deren Baue die Belagerer kein Hinderniß entgegen zu feßen wußten. Am 25. Okt. 1854 griff das Corps des russisden Generals liprandi, 20,000 Mann stark, die türkisdzen Redouten bei Balaklaw a an, die Türken wichen, englisde Truppen, später auch eine französische Division, kamen zu Hülfe und trieben die Russen zurüc, wobei jedoch eine Abtheilung der englisden Cavalerie durdy eine mißverstandene Weisung zum Vorrüden unter dem Feuer der ruflijden Artillerie außerordentlich litt. Schon am folgenden Tage (26. Dkt. 1854) wiederholten die Russen von Balaklawa und Sebastopol her den Angriff auf die Verschanzungen der Alliirten, wurden aber mit einem Verlust von ungefähr 1000 Todten zurüdge: schlagen. Nachdem sie am 4. Nov. 30,000 Mann Verstärkung erhalten hatten, griffen sie bei den Ruinen von Jnkerman am 5. Nov. 1854 unter Anführung des Generals Dannenberg und in Anwesenheit der Großfürsten Michael und Nikolaus die englischen Linien, von einem bidhten Nebel begünstigt, Morgens 5 Uhr mit 40,000 Mann an. englisdhe General Cathcart konnte ihnen für den Augenblic nur 8000 Mann gegenüber stellen; nach zwei Stunden kamen ihm 3000 franzosen zu Hülfe; die englischen Schanzen wurden dreimal von den Russen genommen und dreimal von den Alliirten wieder erobert. Als Nachmittags die französische Brigade Monet eintraf, mußten die Russen weichen. Sie hatten während des Kampfes, um die Franzosen zu hindern, den Engländern zu Hülfe zu kommen, mit 8000 Mann der Garnison von Sebastopol, aus dem Quarantänefort einen Angriff auf die franzöfisden Versd anzungen gemacht, der aber bald zurückgeworfen war. Der Verlust der Russen in dieser Schlacht bei Inkerman wird auf 8000, jener der Alliirten auf 3000 Mann an Todten und Verwundeten angegeben. Dies war im Jahr 1854 die legte Waffenthat von Bedeutung. Den ganzen Winter über erfolgte nur hie und da einmal ein Ausfall kleiner russischer Abtheilungen, meist bei Nadt, um die Aliirten zu beunruhigen. Die Flotte der Alliirten erlitt durch einen furchtbaren Sturm, der vom 13. auf den 14. November 1854 auf dem schwarzen Meere wüthete, große Verluste. Unsäglich waren die Leiden, welche die Armeen den langen Winter über in Folge der Kälte, des Schnee's, der Nässe und ansteđender Krankheiten, namentlich des Typhus, Skorbuts und der Cholera zu ertulden hatten. Vom russischen Heere ist in dieser Bezichung W enig bekannt geworden, obgleich die Leiden und Entbehrungen

derjenigen Truppen, welche außerhalb Sebastopol's campiren mußten, gewiß nicht geringer waren, als jene der Adiirten; öffentliche Blätter geben den Verlust, welchen die Russen im Lager und Spital bis Anfang Februar 1855 erlitten, auf 35,000 Mann an. Auch aus dem französischen Lager hat man Wenig vernommen; nur so viel wurde durch englische Blätter bekannt, daß dort die Verpflegung und überhaupt die ganze Einrichtung weit besser war, als bet den Engländern.

Bei Letzteren fehlte es auch an dem Nothdürftigsten; es zeigte fich eine gänzliche Unfähigkeit der höheren Officiere in der Verpflegung einer Armee. Der beständige, mit Schnee vermischte Regen hatte den Boden um die Festung in tiefen Roth aufgelöst, die Zelte boten kein hinreichendes Obdach mehr, an Nahrung war Mangel, an Holz gebracy es fast gänzlid), die Kleidung der Soldaten zerfiel in Lumpen, viele mußten baarfuß die Wachen be ziehen. Der Soldat wurde bei Tag und Nacht nicht mehr trođen; in Folge dieser beständigen Nässe entstand eine ganz eigenthümliche Krankheit, Hände und Füße fingen an zu faulen, der Brand kam dazu und der Kranke starb ohne Rettung; auch Amputation des ergriffenen Gliedes schüßte nicht vor dem Tode. Wiewohl Frankreich und England den Winter über zahlreiche Verstärkungen nachsandten, so hielt man es doch nicht für rathsam, einen Sturm auf die Festung zu unternehmen. Die neu angekommenen Truppen unterlagen den Krankheiten noch schneller, als die älteren. Im Monat Januar 1855 find von den Engländern 6500 Mann dienstunfähig geworden. Am Anfang Februars bestand die Armee der Alliirten vor Sebastopol aus 110 bis 115,000 Mann, worunter 21,000 kampffähige Engländer waren. Die dem Prinzen Bonaparte zugeschriebene Dentschrift über die Erpedition in der Krimm gibt den gemeinsamen Verlust, welchen die Autirten durch das feindliche Feuer, durch Krankheiten und Kälte in der Krimm bis Anfang Februars 1855 erlitten, auf 45,000 Todte und 30,000 Rampfunfähige an. In England riefen die Leiden der Armee, die großentheils in der schlechten Verpflegung ihren Grund fanden, die größte Entrüftung hervor. Das englische Parlament stellte auf den Antrag Röb u d'8 am Ende Februars 1855 eine Commission auf, um eine Untersuchung über die schlechte Verpflegung der englischen Truppen in der Krimm einzuleiten; sie hielt am 26. Februar ihre erste Sißung. Der Premierminister Lord Áberdeen trat am 8. Febr. 1855 von seinem Posten ab und Lord Palmerston an seine Stelle. Napier's Commando über die Ostseeflotte erhielt der Contre - Admiral Dundas. Das neue englische Ministerium verlangte für die Armee, die, ohne die indischen Truppen, auf 193,595 Mann gebracht werden sollte, für das laufende Jahr 1855 einen Credit von 24,437,496 Pf. Im Jahr 1854 auf 55 hatten die Engländer 27,153,931 Pfund für den Krieg ausgegeben; für das Jahr 1855 auf 56 waren die Ausgaben auf 37,427,003 Pfund veransdlagt. Die pecuniären Dpfer, welche Frankreich dem Kriege bisher gebracht, find nicht bekannt geworden; doch mag man auf ihre Söhe schließen, wenn man weiß, daß

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