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S. 2. Dass das Königreich seine eigenen Kronämter haben soll, zu welchen Wir Uns vorbehalten die dazu am meisten geeigneten Individuen nach Verdiensten zu ernennen.

$. 3. Dass die uralte eiserne Krone die Krone dieses Königreichs bleibt, mit welcher Unsere Nachfolger bei dem Antritt ihrer Regierung gekrönt werden sollen.

9. 4. Dass Wir den von Uns bereits im Allgemeinen bestätigten Orden der eisernen Krone in die Zahl Unserer übrigen Haus-Orden aufgenommen haben, und das neue Statut desselben von Uns bereits genehmigt ist.

§. 5. Dass Wir endlich beschlossen haben, Uns in Unserem neuen Königreiche durch einen Vice-König repräsentiren zu lassen.

§. 6. Das Königreich wird zum Behufe der Verwaltung in zwei Gouvernements-Territorien, welche durch den Fluss Mincio getrennt werden, getheilt. Das Gebiet am rechten Ufer des Mincio wird den Namen mailändisches Gouvernement, jenes am linken Ufer des Mincio den Namen venetianisches Gouvernement führen.

§. 7. Jedes Gouvernements-Gebiet wird in Provinzen, jede Provinz in Districte, jeder District in Gemeinden eingetheilt. Die Namen und Grenzen der Provinzen, und die Districte mit den ihnen zugetheilten Gemeinden werden nachträglich durch besondere Circulare bekannt gemacht werden.

$. 8. In jedem Gouvernements-Gebiet ist die administrative Geschäftsleitung unter der Abhängigkeit von Unsern Hofstellen einem Gouverneur und einem Gubernial-Collegium, das seinen Sitz in Mailand, und beziehungsweise in Venedig nehmen wird, anvertraut.

$. 9. In jeder Provinz wird die administrative Geschäftsführung, unter der Abhängigkeit von dem Gubernium, einer Königlichen Delegation übertragen.

S. 10. Jedem Districte wird in der Königlichen Delegation ein Cancelliere del Censo vorgesetzt, der die Oberleitung der in seinem Bezirke befindlichen Gemeinden der zweiten und dritten Classe, die Steuerangelegenheiten und die allgemeine Aussicht über die Befolgung der politischen Gesetze zu besorgen hat.

§. 11. Die Eintheilung der Gemeinden nach drei Classen und ihre Municipal-Verwaltung wird vor der Hand und bis hierüber andere Bestimmungen werden festgesetzt werden, in der gegenwärtigen Art beibehalten. In dem venetianischen Territorium werden die Communal-Bezirke wieder so hergestellt, wie sie am 1. Januar 1813 bestanden, in so fern nämlich in der Zwischenzeit darin eine Veränderung vorgenommen wurde. Die Gemeinden der ersten Classe und jene Städte, welche Wir zu Königlichen Städten erhoben haben, dann jene, wo der Sitz einer Königlichen Delegation ist, unterstehen unmittelbar den Königlichen Delegationen, und sind von dem Einflusse der Cancellieri del Censo unabhängig.

§. 12. Um die Wünsche und Bedürfnisse der Einwohner Unseres lombardisch-venetianischen Königreichs im gesetzlichen Wege genau zu vernehmen, und die Einsichten und Rathschläge ihrer Repräsentanten für das

Wohl des Landes in der öffentlichen Verwaltung zu benutzen, haben wir beschlossen, Unsern landesfürstlichen Verwaltungs-Behörden permanente Collegien aus Mitgliedern der verschiedenen Classen der Nation an die Seite zu setzen. In dieser Absicht wird:

S. 13. In dem mailändischen Gebiete eine Central-Congregation in Mailand und in dem venetianischen Gebiete eine Central - Congregation in Venedig, dann für jede Provinz eine Provinzial-Congregation in dem Orte, in welchem die Königliche Delegation ihren Sitz hat, eingesetzt. Die näheren Bestimmungen hierüber werden in einem eigenen Patente nachgewiesen.

$. 14. In jeder Gemeinde werden Consigli comunali in der bisherigen Art bis auf weitere Bestimmung aufrecht erhalten, und in dem venetianischen Gebiete, wo sie in der Zwischenzeit aufgehoben wurden, wieder hergestellt.

9. 15. Mit einer besondern Verordnung wird der Zeitpunkt bekannt gemacht werden, an welchem die Wirklichkeit der Reggenza in Mailand, des provisorischen Guberniums in Venedig, der Präfectur und Vice-Präfecturen aufhören wird, und von welchem Tage die Consigli generali der Departemente als aufgehoben zu betrachten sein werden.

Gegeben in Unserer Kaiserlichen Residenz zu Wien, den 7. April des Jahres 1815, und des vierundzwanzigsten Unserer Regierung.

F r a n %.

(L. S.)

Ludwig Graf v. Ugarte,

Oberster Kanzler.
Prokop. Graf v. Lazanzky,

Kanzler.

Auf ausdrücklichen und allerhöchsten

Befehl Sr. k. k. Majestät Franz Graf Guiccardi.

Der Congreß zu Troppar und Laybach. (Pu Tropp au vom 20. Oct. bis 20. Nov. 1820. Zu Laybach vom 6. Jan.

bis 12. Mai 1821.) Wenn wir hier einige Actenstüde aus den Congreßverhandlungen zu Troppau und Laybach aufführen, so geschieht Dies nicht wegen der damaligen Verhältnisse Italien's; denn diese haben, nach Unterdrüdung der revolutionären Bewegung in den Königreichen Neapel und Sardinien, keine weitere Veränderung erlitten; der Congreß hat vielmehr durch östreidyisde Militärgewalt Áles wieder auf den alten Fuß geseßt. Wohl aber behauptet dieser Congreß in so ferne auch für unsere Zeit noch eine besondere Wichtigkeit, als von den drei nordijden Mächten hier als gemeinsamer Grundsaß aufgestellt wurde, keine Veränderung in der Verfassung eines Landes anzuerkennen, die nicht unter freiwilliger Beistimmung der bisher legitimen Re: gierungsgewalt zu Stande gekommen sei, vielmehr den durch Liberalismus bedrängten Fürsten zu Hülfe zu kommen, mittels bewaffneter intervention Neuerungen wieder auf den alten Stand zurüd= zuführen und auf solche Weise das legitime, monarchische System in den Ländern Europa's aufredyt zu erhalten. Die Schreiben der Monarchen von Destreid, Rußland und Preußen an den König von Neapel drüđen die Absichten des Congresses folgendermassen aus „å garantir de toute atteinte l'indépendance politique et l'intégrité territoriale de tous les Etats, et à assurer le repos et la prospérité de chacun des pays dont elle se compose" (Worte aus dem Schreiben des Raisers von Destreich vom 20. Nov. 1820 an den König von Neapel). England widersprach diesen Grundsäßen entschieden, Frankreich gab wenigstens keine Beistimmung; keine dieser Mächte aber widerseßte fich ernstlich ihrer Durðführung von Seiten der nordischen Höfe. Die Veranlassung zum Congresse von Troppau und Laybach und zur Aufstellung des Prinzips der bewaffneten Intervention gab der Fürst Metternich. Es hatten fich am Anfang des Jahres 1820 in verschiedenen Ländern Bea

wegungen gezeigt, die dem absolut-monarchischen System höchft bedenklich erscheinen mußten. In Spanien war am 1. Jan. 1820 eine vom Militär ausgehende Revolution ausgebrochen; vier Bataillone unter Riego proclamirten am Neujahrstage zu S. Juan die Verfassung von 1812. Die Bewegung machte so schnelle Fortschritte, daß fich der König Ferdinand VII. schon am 7. März 1820 veranlaßt fab, die Constitution von 1812 anzunehmen und zu beschwören. In Folge der Besdlüsse der nach den Bestimmungen von 1812 'einberufenen Cortes wurden das Inquisitionstribunal und ein großer Theil der Klöster aufgehoben, sowie viele andere Neuerungen im constitutionellen Sinne burdsgeführt. Das Beispiel wirkte auch auf Stalien. Die Carbonari's hielten den Zeitpunkt für günstig, ihre länger vorbereiteten Pläne auf eine Revolutionirung Italien's zur Ausführung zu bringen. Der Aufstand begann im Königreid beider Sicilien, wo am 2. Juli 1820 in der Stadt Nola der Lieutenant Morelli und der Priester Minichini mit dem Rufe für Gott, König und Constitution" durch die Strassen zogen und mit ihren Leuten sogleich Anhang fanden. Auch im Königreich Neapel war es vornehmlich das Militär, welches sich der Bewegung anschloß. Wie in Spanien die Truppen unzufrieden waren, daß fie der König nach Amerika zur Unterwerfung der südamerikanischen Provinzen schiden wollte, so hatte auch in Neapel vornehmlich unter den Officieren der Umstand Erbitterung bervorgerufen, daß der König Ferdinand dem öst= reichischen General Nugent den Oberbefehl über die sicilianisch-neapolitanische Armee übertragen hatte. In der Hauptstadt Neapel stellte sich der General Pepe an die Spiße der Unzufriedenen. Das ganze Beer trat auf Seite der Aufständischen, nur ein einziges Regiment blieb dem König treu und auch dieses bat ihn, den Wünschen des Volkes zu entsprechen. So blieb dem König Ferdinand zuleßt Nichts übrig, ale den Forderungen der Aufständischen nachzugeben und die spanische Conftitution von 1812 im Königreich einzuführen. Sofort brach am 14. Juli 1820 auch in Sicilien eine Revolution aus; hier verlangte man aber Trennung von Neapel und ein eigenes sicilianisches Parlament. Auch die Portugiefen erhoben sich am 24. Aug. 1820, zunächst in Dporto, gegen die Staatsverwaltung des Lorde Beresford und verlangten eine Constitution.

Diese günstigen Erfolge der Bestrebungen in Spanien, Portugal und Neapel für die Verwandlung der absolut-monarchisden Regierungsform in eine constitutionelle machten den Fürsten v. Metternid sehr bedenklich. Die pyrenäische Halbinsel lag zwar an der Westgrenze Europa's und konnte der östreichischen Regterung nicht nachtheilig werden; aber eine Revolution in Unteritalien, die ihre Verzweigung, wie albekannt, über ganz Italien hatte, forderte zu schleunigem und ernstem Einschreiten auf. Der Fürst ließ also zunächst durch seinen Schwager, Baron von Lebzeltern, östreichischen Gesandten am petersburger Hofe, dem Kaiser Alerander die Nothwendigkeit eines Monarchencongresses

darthun, welcher sich ernstlich mit den Gefahren zu beschäftigen hätte, die aus den politischen Erschütterungen der pyrenäischen Halbinsel und Italien's für Europa bervorgeben könnten. Als der Kaiser von Rußland für die Abhaltung eines solchen Congresses gewonnen war, wandte fich Metternid mit um so sichererem Erfolge an Preußen. Im October 1820 persammelten sich also in Troppau (in östreichisch Schlesien) der Kaiser von Destreid), der Kaiser von Rußland, der König von Preußen, der Erzherzog Rudolph, der Großfürst Nikolaus, der Kronprinz pon Preußen, die östreichischen Diplomaten Fürst Metternid, Graf Bidy, die bofräthe v. Genz und Mercy (beide als Protocollführer), die ruffisden Diplomaten Gtaf neffelrode, Graf Capo d'strias, Fürst Wordonsty, Graf Golowkin, Graf Alopä us, die preußischen Diplomaten Fürst Hardenberg und Graf Bernstorff. England war durch den englischen Gesandten am wiener Hofe, Lord Stewart, Frankreich durch den Grafen de la Ferronaye (französischen Gesandten in Petersburg) und Marquis Caraman (französijden Gesandten in Wien) vertreten. Auch der neapolitanische Gesandte in Wien, Fürst Ruffo, der die Veränderungen in Neapel nicht anerkannt hatte, nahm Theil. Kaiser Alerander war anfangs mehr einem gemäßigt liberalen, vermittelnden Systeme zugeneigt, welches, vornehmlich von dem Grafen Ferrona ye und Capo d' 3stria vertreten, teine völlige Rückführung der neapolitanischen Zustände auf den alten Fuß, sondern nur eine Ab= änderung der neuen Verfassung in einem mehr monarchischen Sinn für nöthig fand. Da aber gerade in dieser Zeit ein Aufstand unter dem petersburger Garderogiment Semenowoti ausgebrochen war, von dem Metternid durch seinen Sdwager, ben östreichischen Gesandten in Petersburg, früher Nadzricht erhalten hatte, als der Kaiser selbst, benüßte der Fürst diese Veranlassung, den Kaiser zu bedeuten, wie nun der Geist der Meuterei aud seine eigene Armee ergreife, wies dabei auf den tropigen Widerstand des Reidsrathes von Warschau, auf die Erfolge der Revolution in Portugal hin und erklärte, daß er fein anderes Mittel zur Unterdrüdung des Schwindels kenne, der ganz Europa zu ergreifen drohe, als eine innige Erneuerung der heiligen Alianz und die offene Erklärung und Durchführung des Principes der bewaffneten intervention in allen Fällen, wo eine Abweichung von den Verträgen von 1815, sei es nun in Bezug auf die Regierungsform oder auf das Gebiet eines Staates zum Vorschein komme. Als der Kaiser Alerander sich geneigt zeigte, auf diesen Vorschlag einzugehen, faßte Metternich sogleich selbst das Protocol ab, und dasselbe wurde von den nordischen Monarchen unterzeichnet, noch ehe die Gesandten von Frankreich und England Etwas davon erfahren hatten. Leştere unterschrieben nun zwar dieses Protocol nicht, England protestirte vielmehr durch eine Circulardepesche des engl. Ministers Castelereagh vom 19. Jan. 1821 an die englischen Gesandt(daften entschieden gegen das aufgestellte Princip der bewaffneten Intervention (Urkunde 6); aber man wußte wohl, daß sowohl der fran

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