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richtete die wenigen Manufacturen Portugal's vollende zu Grunde. Nac diesem Vertrage sollten alle englischen Waaren ohne Unterschied in Portugal und Brasilien zugelassen werden und nur 15 vom 100, d. i. ungefähr die Hälfte des Eingangszolles entrichten, den andere Nationen zu bezahlen hatten (vgl. Artikel XV des Vertrages). Wie dieser Tractat den Manufacturen Portugal's höchst empfindlich wurde, so dem portugtefischen Handel die Verfügung vom 28. Januar 1808, welche die Häfen Brasilien's allen Schiffen befreundeter oder neutraler Nationen zur Ein- und Ausfuhr aller Waaren, mit Ausnahme des Brasilienholzes, öffnete. Die Engländer waren bei dem Handel nach Brafilien auch so noch, vermöge der Zolbegünstigung, welche sie genossen, in großem Vortheil. Marschall Beresford blieb auch nach dem Kriege Obercommandant der portugiesischen Armee, erregte aber durch sein wenig leutseliges Benehmen, durch die Anstellung einer übermäßigen Anzahl englischer Officiere, die gewohnt waren, gegen die Portugiesen eine gewisse Geringschäßung an den Tag zu legen, große Unzufriedenheit in der Armee, die noch außerdem durdy die beabsichtigte Verwendung portugiesischer Truppen in Brasilien unmuthig gemacht worden war, so daß sich in derselben unter dem General Gomez Freire eine Verschwörung zur Vertreibung der Engländer bildete (1817), die aber entdedt wurde und mit der Hinrichtung Freire's und seiner nächsten Mitschuldigen endigte.

Wir geben folgende, als die wichtigsten Actenstüde. 1) Den Vertrag des Königs Johann IV. mit Cromwell, batirt Westminster, 10. Juli 1654, und 2) den Freundschafts- und Handelsvertrag vom 19. Febr. 1810. Ersterer findet sich, wie oben bemerkt, im dritten Bande des nach Moetjens benannten recueil, lepterer bei Martens nouveaux supplemens au recueil tom. II.

Portugiesische Thronstreitigkeiten. Der Prinzregent Johann war nach dem Tode seiner Mutter Maria I. (20. März 1816) unter dem Namen König Johann VI. völlig in die königlichen Rechte eingetreten, blieb aber mit seiner Familie und dem hoben Adel in Brasilien, während in Portugal die Regentschaft, oder vielmehr Lorb Beresford und die Engländer die Regierung führten. Am 24. Aug. 1820 brach eine Revolution in Portugal aus, zunächst in Dporto, welcher sich schon am 15. Sept. 1820 ohne alles Blutvergießen die Hauptstadt Lissabon anschloß. Das Volt verlangte eine Constitution und Rückehr des Königs oder Kronprinzen. Lord Beres: ford, der nach Brasilien gereist war, um den König von der bedentlichen Gährung in Portugal zu unterrichten, wurde bei seiner Rüdtebr (10. Dkt. 1820) in Lissabon nicht mehr an's Land gelassen. Der König Johann VI. sah sich genöthigt, da auch die Truppen und Städte

Brasilien's von der Bewegung ergriffen wurden, die neue Constitution am 26. Febr. 1821 anzuerkennen, und schiffte sich mit seiner Familie am 26. Apr. 1821 nach Lissabon ein, wo er am 3. Juli mit einem Gefolge von 3000 Personen ankam. Der Kronprinz Don Pedro blieb als Statthalter in Brasilien zurüdt; Brasilien selbst, dem die portugiesisden Cortes nicht dieselben Rechte einräumen wollten, trennte sich vom Mutterlande, und Don Pedro wurde daselbst am 23. September 1822 zum Kaiser ausgerufen. König Johann VI. beshwor am 1. Dkt. 1822 die neue portugiesische, fast ganz republikanisch gehaltene Verfassung; die Gesandten von Destreich und Rußland waren don Ende August pon Lissabon abgereist. Als die Franzosen unter dem Herzog von á ngouleme 1823 in Spanien einrüdten, bildete fich in Portugal eine Gegenrevolution; der Infant Don Miguel (geb. 26. Okt. 1802), zweiter Sohn des Königs Johann VI., stellte fich an die Spiße der Absolutisten mit dem Vorsaß, den König wieder in seine alten unumschränkten Rechte einzuseßen, was ihm auch gelang. Als sich nun aber König Johann selbst dem Schredenssystem feines Sohnes widersepte und Don Miguel deßhalb auf Entfeßung seines Vaters drang, nahmen sich die Engländer des bedrängten Königs an, Don Miguel mußte Portugal verlassen (12. Mai 1824), die Königin Donna Carlotta, die an der Spiße der Absolutisten stand, wurde in das Kloster Estrella verwiesen, blieb aber freilich wegen Kränklichkeit in ihrem Palaste, und der König stellte die Cortes wieder her (4. Juni 1824). Brasilien wurde am 29. Aug. 1825 als ein selbstständiges unabhängiges Kaiserreich unter Kaiser Don Pedro von Portugal anerkannt. Johann VI. starb am 10. März 1826. Er übergab bei seinem Tode die Regentschaft über Portugal seiner zweiten Todter, der Infantin 3fabella Maria (geb. 1801), welche diefelbe im Namen ihres Bruders, des Kaisers Don Pedro, bis zum 26. Febr. 1828 führte, und zwar für Don Pedro's Tochter Maria da Gloria (geb. 4. Apr. 1819), zu deren Gunsten Don Pedro am 2. Mai 1826 auf die portugiesische Krone verzichtet hatte, wobei er zur gleich seinen Bruder Don Miguel zum Gemahl für seine Tochter Maria da Gloria bestimmte. Den Portugiesen gab er am 26. Apr. 1826 eine Verfassung, welche von der Regentin 3sabella beschworen wurde. Am 3. Juli 1827 ernannte Don Pedro den Don Miguel zum Regenten von Portugal unter der Bedingung, daß bis zur Bolljährigkeit der Königin nad der von ihm gegebenen Constitution regiert werde. Don Miguel kehrte jeßt von Wien zurüd, beschwor die Berfassung am 26. Febr. 1828, übernahm die Regentschaft von seiner Schwester Isabella, erklärte aber, von der absolutistischen Partei in Portugal unterstüßt, am 3. Mai 1828 die Verfassung für aufgehoben und ließ sich am 25. Juni 1828 als Rönig von Portugal proclamiren. Gegen die constitutionell Gesinnten traten jeßt in ganz Portugal die härtesten Verfolgungen ein, selbst die Regentin Isabella, gegen die Don Miguel eine Pistole abfeuerte, wurde in ein enges Gefängniß gefeßt.

Die Oppositions - Junta, welche sich in Oporto gebildet hatte, konnte sich gegen die Truppen Don Miguel's im Felde nicht behaupten; als er selbst im November 1828 durch einen Sturz seines Wagens gefährlich erkrankte, führte seine Mutter, die verwittwete Königin Donna Carlotta, von der man sagte, daß sie die Triebfeder der Handlungsweise Don Miguel's gewesen sei, die Regierung mit derselben Härte fort, wurde aber, da sie den Plan hatte, sich selbst zur Regentin zu machen, nach Don Miguel's Genesung 1829 von den Staatsgeldjäften entfernt und starb am 7. März 1830. Don Pedro hatte schon am 8. Aug. 1828 gegen die Usurpation Don Miguel's protestirt; am 10. Juni 1831 kam er nach Europa. Als gütliche Verhandlungen bei seinem Bruder Miguel keinen Eingang fanden, landete er am 8. Juli 1832 mit einem kleinen Heere in Oporto, welches die Miguelisten flug, und zog am 29. Juli 1833 in Lissabon ein, wo er für seine Tochter Maria da Gloria am 30. Juli die Regierung übernahm. Maria da Gloria, die sich mit ihrer Stiefmutter (Herzogin von Leuchtenberg und Kaiserin von Brasilien) bisher in Paris aufgehalten hatte, kam jept nach Portugal und wurde am 23. Sept. 1833 als Königin gekrönt. Die Mächte England, Frankreich, Spanien und Portugal sdlossen am 22. April 1834 die Quadrupelallianz (vergl. die Urkunde). In diesem Vertrag verpflichteten fich Don Pedro und die Regentin Christine von Spanien, den Don Miguel und Don Carlos aus Portugal zu vertreiben; Christine sollte zu diesem Zweck eine hinreichende Anzahl spanischer Truppen auf portugiesisches Gebiet senden und auf Kosten Spanien's verpflegen; England versprach die Unternehmung durch eine Seemacht zu unterstüßen, Frankreich, auf Verlangen gleichfalls mit einer bewaffneten Madit Beistand zu leisten. Dem Don Miguel sollte, wenn er die Halbinsel verlassen habe, ein seinem Rang angemessenes Auskommen gesichert werden. Es vereinigte sich jeßt ein spanisches Hülføcorps unter Rodil mit den Truppen Don Pedro's unter Villaflor; dieses pereinigte spanisch-portugiesisde Heer sdlug die Truppen Don Miguel's am 12. Mai 1834 entscheidend auf den Höhen von Affeiceira bei Tomar. Don Miguel wurde auch aus seiner Position bei Santarem gedrängt und zog sid) nad Evora; hier wurde sein Heer umzingelt; er sab fid, da kein Waffenstillstand gewährt wurde, mit seinem Freunde, dem spanischen Thronprätendenten Don Carlos, gezwungen, am 26. Mai 1834 die Capitulation von Evora einzugehen. Der Tert dieser Capitulation, welche den Miguelisten Amnestie bewilligte, lautet nach der madrider Hofzeitung (vergl. augsb. allg. Zeitung vom 17. Juni 1834), so weit er Don Miguel betrifft, wie folgt: „Es ist dem Senhor Don Miguel eine jährliche Pension von 60 Contos de Reis (375,000 Franken) in Berücsichtigung des hohen Ranges feiner Geburt gesichert, und es ist ihm gestattet, über sein persönliches Eigenthum zu verfügen unter der Bedingung, daß er die Kronjuwelen und alle der Krone oder Privatleuten gehörigen Gegenstände wieder erstattet. Der Senhor Don

Miguel wird von Evora am 31. Mai abreisen. Er kann sich auf einem Kriegsschiff einer der vier verbündeten Mädte, dem Tractat vom 22. April gemäß, einschiffen, um mit aller Sicherheit für seine Person und sein Gefolge und mit allen seiner hohen Geburt zustehenden Rü&Fichten in den von ihm bezeichneten Hafen gebracht werden. Der besagte Senhor Don Miguel wird sich verpflichten, Portugal in Zeit von 14 Tagen zu verlassen und nie auf irgend einen Punkt des Gebietes von Portugal oder von Spanien zurüdzukehren und auf keine Weise dazu beizutragen, die Ruhe dieser Königreiche zu stören. Im gegen theiligen Falle wird er sein Redyt auf die stipulirte Pension verlieren und alle Folgen seines Betragens zu tragen haben. Der Etat - Major des Senhor Don Mignel wird unverzüglid Befehle an alle Com= mandanten der Festungen oder Truppen im Felde und alle Autoritäten, die noch seine Regierung anerkennen, abgehen lassen, sich sogleich der Regierung Ihrer Majestät Donna Maria II. unter der Wohlthat der Bedingungen der Amnestie zu unterwerfen." - Don Miguel unterzeichnete diese Capitulation und schiffte sich am 1. Juni 1834 nach Genua ein. Von Genua aus aber protestirte er unter dem 20. Juni 1834 gegen die von ihm unterzeichnete Capitulation von Evora. Er erklärte in dieser Protestation seine Unterschrift für abgenöthigt durch die Rüdsicht, größerem Unglüc vorzubeugen und das Blut seiner Anhänger zu schonen, die durch diese Capitulation eingetretenen Verhältnisse in Portugal seien für ihn nur provisorisd (vergl. die u rfunde). In Portugal wurde jeßt die Charte von 1826 wieder hergestellt. Don Pedro starb am 24. Sept. 1834, nachdem er noch während seiner Krankheit seine Todter Maria da Gloria für volljährig hatte erklären lassen. Leştere vermählte sich am 26. Jan. 1835 mit dem Her303 August von Leuchtenberg, der aber schon am 28. März desselben Jahres starb. Am 9. April 1836 vermählte sich die Königin wieder mit dem Herzog Ferdinand von Sadsen-Coburg-Cohary (geb. 29. Okt. 1816). Die Königin Maria da Gloria starb am 15. Nov. 1853. Áus der Ehe der Königin mit dem Herzog von Coburg, der den Titel König-Regent erhielt, sind sieben Kinder vor

1) Der jebige König Don Pedro V., geb. 16. Sept. 1837, regiert unter der Vormundsdjaft seines Vaters. 2) Louis Philipp, geb. 31. Okt. 1838. 3) Johann, geb. 16. März 1842. 4) Maria Anna, geb. 21. Juli 1843. 5) Antonia, geb. 17. Febr. 1845. 6) Ferdinand, geb. 23. Juli 1846. 7) August, geb. 4. Nov. 1847. Don Miguel vermählte sich am 24. Sept. 1851 mit Adelbeid, Tochter des Fürsten von Löwenstein - Wertheim - Rochefort, geb. 3. Apr. 1831. Aus dieser Che find zwei Kinder vorhanden, Maria Isabella, geb. am 5. Aug. 1852, und Miguel, geb. am 19. Sept. 1853.

Wir geben folgende Urkunden: 1) die Quadrupel allianz zwischen England, Frankreich, Spanien und Portugal, ge

Die Oppositions - Junta, welche sich in Oporto gebildet hatte, konnte sich gegen die Truppen Don Miguel's im Felde nicht behaupten; als er selbst im November 1828 durch einen Sturz seines Wagens gefährlich erkrankte, führte seine Mutter, die verwittwete Königin Donna Carlotta, von der man sagte, daß sie die Triebfeder der Handlungsweise Don Miguel's gewesen sei, die Regierung mit derselben Härte fort, wurde aber, da sie den Plan batte, sich selbst zur Regentin zu machen, nach Don Miguel's Genesung 1829 von den Staatsgeschäften entfernt und starb am 7. März 1830. Don Pedro hatte schon am 8. Aug. 1828 gegen die Usurpation Don Miguel's protestirt; am 10. Juni 1831 kam er nach Europa. Als gütliche Verhandlungen bei seinem Bruder Miguel keinen Eingang fanden, landete er am 8. Juli 1832 mit einem kleinen Beere in Dporto, welches die Miguelisten fdlug, und zog am 29. Juli 1833 in Lissabon ein, wo er für seine Tochter Maria da Gloria am 30. Juli die Regierung übernahm. Maria da Gloria, die fich mit ihrer Stiefmutter (Herzogin von Leuchtenberg und Raiserin von Brasilien) bisher in Paris aufgehalten hatte, kam jeßt nach Portugal und wurde am 23. Sept. 1833 als Königin gekrönt. Die Mächte England, Frankreich, Spanien und Portugal sdylossen am 22. April 1834 die Quadrupelallianz (vergl. die Urkunde). In diesem Vertrag verpflichteten fich Don Pedro und die Regentin Christine von Spanien, den Don Miguel und Don Carlos aus Portugal zu vertreiben; Christine sollte zu diesem Zweck eine hinreichende Anzahl spanisdier Truppen auf portugiesisches Gebiet senden und auf Kosten Spanien's verpflegen; England versprach die Unternehmung durch eine Seemacht zu unterstüßen, Frankreich, auf Verlangen gleichfalls mit einer bewaffneten Macht Beistand zu leisten. Dem Don Miguel sollte, wenn er die Halbinsel verlassen habe, ein seinem Rang angemessenes Auskommen gesichert werden. Es vereinigte sich jeßt ein spanisches Hülfscorps unter Rodil mit den Truppen Don Pedro's unter Villaflor; dieses vereinigte spanische portugiesijde Heer slug die Truppen Don Miguel's am 12. Mai 1834 entscheidend auf den Höhen von Affeiceira bei Tomar. Don Miguel wurde auch aus seiner Position bei Santarem gedrängt und zog sich nad; Evora; hier wurde sein Heer umzingelt; er sah sich, da kein Waffenstillstand gewährt wurde, mit seinem Freunde, dem spanischen Thronprätendenten Don Carlos, gezwungen, am 26. Mai 1834 die Capitulation von Evora einzugeben. Der Tert dieser Capitulation, welche den Miguelisten Amnestie bewilligte, lautet nad der madrider Hofzeitung (vergl. augsb. allg. Zeitung vom 17. Juni 1834), so weit er Don Miguel betrifft, wie folgt: „Es ist dem Senhor Don Miguel eine jährliche Pension von 60 Contos de Reis (375,000 Franken) in Berücksichtigung des hohen Ranges seiner Geburt gesidyert, und es ist ihm gestattet, über sein persönliches Eigenthum zu verfügen unter der Bedingung, daß er die Kronjuwelen und alle der Krone oder Privatleuten gehörigen Gegenstände wieder erstattet. Der Senhor Don

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