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stirbt Requesenz und die spanischen Truppen empören fich wegen rüđ= ständigen Soldes, worauf fich in der Genter Pacification (1576) den fieben nördlichen Provinzen auch noch Brabant, Flandern, Lille, Valenciennes, Douai, sennegau, Namur, Orchies, Mecheln und Utrecht, im Jahr 1578 auch Gröningen und Friesland zur Vertreibung der Spanier ansdyließen. Jeßt nimmt die Königin Elisabeth von England offen Partei für die Niederländer. An Requesenz Stelle wird 1576 Don Juan d'Austria, Philipp's II. Bruder, Generalstatthalter der Niederlande, dagegen wählen die brabanter Stände den Wilhelm von Oranien, der brabanter Adel (weil Wilhelm protestantisd war) den Erzherzog Matthias, nadmaligen Raiser, Philipp's II. Neffen. Stände und Adel von Brabant vereinigen sich dahin, daß Wilhelm dem Matthias als Verweser beigegeben wird; neben beiden behauptet fich Juan d'Austria in Luremburg und Namur. Im Jahr 1578 bewilligt die englische Königin Elisabeth 6000 Mann Hülfø= truppen und eine Anleihe; es kommt aber unter den Niederländern selbst zu einem Religionskrieg, da fich die Calvinisten Uebergriffe erlauben und katholische Obrigkeiten verjagen, worauf fich unter den Katholifen die Partei der Malcontenten bildet. In demselben Jahre 1578 stirbt Juan d'Austria, es folgt ihm Alerander Farnese, Herzog von Parma, der mit spanischen und deutschen Truppen erschienen war, als spanischer Oberstatthalter. Dieser sucht den Kampf der Protestanten und Katholiken zu nähren; 1579 am 5. Jan. schließen die Provinzen Artois, Douai und Hennegau ein Bündniß, die Freiheit zwar aufrecht zu erhalten, aber die protestantische Religion nicht zu dulden; dagegen gründet Wilhelm von Oranien am 23. Jan. 1579 die utredhter Ünion für die Erhaltung der alten Freiheiten und Erringung der Religionsfreiheit; diese Union bringt die Provinzen Geldern, Holland, Zeeland,' utredt, Ober-uifel, Friesland, Gröningen und Drenthe in sehr nahe Verbindung und bildet das Fundamentalgeseß des nadyherigen Staates ber fieben vereinigten Provin= zen, der von Holland, der bedeutendsten dieser Provinzen, auch schlechthin Holland genannt wurde; Drenthe war nicht stimmfähig und zählte daher nicht mit. Jeßt schließen die katholischen Provinzen (Sept. 1579) mit den Spaniern den Vergleich zu Mon 8 und vereinigen ihre Truppen mit den spanischen; dagegen sichern sich die protestantischen den Beistand Frankreichs, mit dem sie am 19. Sept. 1580 den Vertrag von Plessis le Tour schließen, der am 21. Jan. 1581 von beiden Theilen zu Bourdeaur beschworen wird. Nach diesem Vertrage wird der Herzog von Anjou, unter der Bedingung, daß er die Religionsfreiheit und die alten Redyte aufrecht erhalte und den Krieg gegen Spanien auf eigene Kosten, jedoch von niederländischen Hülssgeldern unterstüßt, führe, erblicher D berstatthalter; Erzherzog Matthias legt seine Würde jeßt nieder und kehrt nach Deutschland zurüdt; die Provinzen Holland, Seeland, Friesland, Flandern, Brabant

und Geldern mit Zutphen aber erklären am 26. Mai 1581, daß der König Philipp II. aufgehört habe, im Besite der Niederlande zu sein. Am 19. Febr. 1582 wird dem Herzog Franz von Anjou zu Antwerpen als Herzog von Brabant gehuldigt; die Provinzen Holland, Zeeland und Utrecht jedoch erkennen den Prinzen Wilhelm von Oranien als ihren Regenten an. Anjou, mit dem die Niederländer febr unzufrieden waren, kehrte schon 1584 (nach Vertrag vom 28. Juni) wieder nach Frankreich zurück. Wilhelm von Oranien wird am 10. Juli 1584 zu Delft von Gerard erschossen und die Stände von Holland übertragen seinem zweiten Sohne, dem Grafen Mori$ von NassauOranien, 1584 die oberste Leitung des Staatsrathes, im Noveinber 1585 die Statthalterschaft von Holland und Zeeland; Oberstatthalter wird Graf Leicester, der im November 1585 mit englischen Hülfstruppen angekommen war. Als Leicester im Dezember 1587 seine Oberstatthalterschaft niederlegt, wird Moriß von Nassau - Oranien auch Statthalter zu Utrecht, Geldern und Oberysjel. Die Statthalter waren mit der erecutiven Gewalt der Provinzen bekeidet. Sede Provinz nämlich hatte ibre aus Abgeordneten des Adels und der Städte bestehenden Stände, welde die Regierung führten und an ibre Spiße einen Präsidenten stellten, welcher Pensionär, Syndicus oder Advocat hieß. Die Grecutive wurde von jeder einzelnen Provinz oder von einigen Verbündeten zusammen einem Statthalter übertragen. Aus ihrer Mitte sandten die vermöge der utredyter Union vereinigten sieben Provinzen je einen lebenslänglichen Abgeordneten zu einer gemeinsamen Oberbehörde, den Generalstaaten, deren erecutive Gewalt einem General - Statthalter übertragen war. Die innere Verwaltung der Provinzen hatten die Provinzialstände, welche aus dem Adel und den städtischen Magistraten zusammengesept waren; die Generalstaaten (seit 1593 saßen fie fast immerwährend in Haag) hatten es vornehmlich mit dem Krieg und den auswärtigen Verhältnissen zu thun. Die Statthalter wurden gewöhnlich aus dem um jene Provinzen verdienten Hause Nassau gewählt. Nach Alerander Farnese's Tod (1592) wird für die Niederlande der Graf Peter Ernst von Mansfeld zum spanischen Statthalter ernannt, aber schon 1594 durch den Erzherzog Ernst abgelöst; dieser stirbt 1596 und wird durd Fuentes ersegt. In demselben Jahre 1596 schließen die Niederlande eine Alianz mit König Heinrid IV. von Frankreid), zerstören, im Verein mit der englischen Flotte, die spanisde und nehmen Cadir; das Bündniß mit Frankreich löst sich jedoch schon 1598, wo Frankreid mit Spanien zu Vervins Frieden schließt. Im Jahr 1598 endlich hört das spanische Regiment auf, da Philipp II. die Niederlande seiner Tochter 3sabella Klara Eugenia abtritt, die sich mit dem Erzherzog Albert vermählt; doch dauert der Krieg der Spanier fort. Der spanische König Philipp II. stirbt in demselben Jahre (3. Sept. 1598) und es folgt ihm sein Sohn Philipp III. Da dieser den Niederländern den Handel in Spanien untersagt und ihre Schiffe confiscirt, so nehmen sie viele spanische Colonien

weg und gründen am 20. März 1602 die ostindisch - holländische Handelsgesellschaft. Ostende dagegen muß fidh nach dreijähriger hartnädiger Vertheidigung am 2. Sept. 1604 an den spanischen General Spinola ergeben. Endlich kommt im April 1607 zwischen den Niederlanden und Spanien ein Waffenstillstand vorläufig auf 8 Monate, dann, nachdem derselbe wiederholt erneuert worden, am 9. April 1609 auf zwölf Jahre zu Stande; derselbe erkennt jedoch die Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien noch nicht an, obgleich die Generalstaaten mit anderen Mächten, wie ein völlig unabhängiger Staat, Bündnisse schließen. Nachdem der Krieg aufgehört, beginnen in den Generalstaaten die Zwistigkeiten zwischen den Patrioten, welche eine republikanische Regierung ohne Fürsten, und den Drangisten, welche den Prinzen Moriß von Nassau als erblichen, wenn auch in der Gewalt beschräntten Regenten an die Spiße des Staates gestellt wissen wollen, und die Kämpfe der religiösen Parteien, der Arminianer und Gomaristen. Den Arminianismus verurtheilte die Synode von Dortrecht (1619). Im Jahr 1621 sterben der König Philipp III. von Spanien und der Erzherzog Albert; feine Gemahlin Eugenie geht in ein Kloster; in dem selben Jahre lauft aud der Waffenstillstand ab. Philipp IV. beginnt den Krieg durch seinen General Spinola von Neuem; die Generalstaaten nahmen den Herzog Christian von Braunschweig und den Grafen Ernst von Mansfeld in ihre Dienste. Moriß von NassauOranien stirbt 1625 in Haag, ohne eheliche Nachfommen zu hinterlassen; in Holland, Zeeland, Utrecht, Geldern und Oberyssel folgt ihm als Statthalter sein Bruder Friedrich Heinrich von NassauOranien, in Gröningen und Drenthe aber der Statthalter von Friesland Ernst Rasimir von Nassau - Dies, und als dieser 1632 bei der Belagerung von Roermonde um's Leben gekommen, dessen Sohn Heinrich Rasimir. Als die Wittwe Eugenie 1633 mit Tod ab= geht, sollen die gesammten Niederlande nach den spanischen Verträgen wieder an Spanien zurüdfallen; König Philipp IV. sendet 1634 seinen Bruder, den Cardinal - Infanten Ferdinand mit einem Heere als Oberstatthalter; in derselben Zeit bereitete aber eine Verschwörung in den katholijden Provinzen einen Abfall von Spanien und Anschluß an das Bündniß der Generalstaaten vor; leßtere schließen ein neues Bündniß mit Frankreich auf sieben Jahre, worauf die Franzosen den Krieg gegen die Spanier in den katholisdien Provinzen beginnen. Der Statthalter Friedrich Heinrich stirbt 1647, und es folgt ihm sein zweiter Sohn Wilhelm II. 1648; in den katholischen Niederlanden waren auf den Infanten Ferdinand 1641 Franzesco de Melo, 1644 Castel Rodrigo, 1648 der Erzberzog Leopold Wilhelm als spanische Oberstatthalter gefolgt. Endlich kommt auf dem westphälischen Friedenscongreß am 30. Juni 1648 aud der definitive Friede zwischen den Niederlanden und Spanien zu Stande. Deutschland ließ in diesem Frieden seine Ansprüche auf Niederland, als zum burgundischen Kreis gehörig, fallen.

Die südliden, katholischen Provinzen mit der Hauptstadt Brüssel blieben, wie bisher, im Besiße Spanien's. Die sieben vereinigten nördlichen Provinzen mit Drenthe wurden von Spanien als unabhängiger Staat anerkannt; fie blieben auch im Befiß der den Spaniern abgenommenen Colonien in Dst- und Westindien und behielten sogar die Gebietstbeile der spanischen Niederlande, welche fie inne hatten, nämlich Mästricht in Brabant, die größere Hälfte der Provinz Limburg, mehrere Ortschaften in Flandern, Breda und einige andere Orte.

Nach dem achtzigjährigen Kampfe zwischen den Niederländern und Spaniern erscheinen also die Niederlande in zwei völlig geschies dene und als solche aud von der gesammten europäischen Politit behandelte Staaten getheilt. Den einen dieser Staaten bilden die oben genannten sieben nördliden Provinzen, welche von ihrer gemeinsamen Centralstelle, die sie gegen Außen vertritt, auch Generalstaaten, oder von der bedeutendsten und mächtigsten Provinz Holland heißen. Sie sind überwiegend protestantisdy; an ihrer Spige steht, jedod mit Unterbrechungen, ein gewählter Generalstatthalter aus dem Hause NassauOranien, der mit Wilhelm III. erblich wird. Den zweiten Staat bilden die katholisden südlichen Provinzen (Brabant, Flandern, Luremburg, Namur, Hennegau). Dieser Staat ist nicht unabhängig, sondern gehört zu Spanien und wird durch spanis de Statthalter regiert. Bei der zunehmenden Schwäche der spanischen Monarchie ist er bäufigen Anfällen der französischen Eroberungssucit ausgesegt. Als die Habsburger auf dem spanijden Thron aussterben, kommen 1715 diese spanischen Niederlande (der Name Belgien kommt erst 1790 wieder in Gebraud) an D estreid). Es wird nöthig sein, daß wir die wichtigsten Regierungsveränderungen in beiden Staaten getrennt andeuten.

Qolland entwidelt fich in dem jebt folgenden Zeitraum zu hober Blüthe und wird sogar der Mittelpunkt der diplomatischen Verhandlungen Europa's. Der Statthalter Wilhelm II. von Nassau-Oranien, welcher nach souveräner Herrschaft strebte und deßhalb mit den Ständen zerfiel, starb 1650; die sogenannte „große Versammlung" der Generalstaaten (1651) ernannte keinen Statthalter mehr, sondern übertrug die oberste Leitung der Kriegeangelegenheiten einem Staatsrath; 1654 wurde das Haus Oranien auf Betrieb Cromwell's, da es mit dem englischen Hause nahe verwandt sei, von jedem Antheil an der Regierung förmlich ausgeschlossen, worauf sodann der Friede mit England zu Stande kam; doch hielt sich das Haus Oranien in Friesland und Gröningen. Als Karl II. in England zur Regierung kam, erklärte er den Generalstaaten den Krieg; auch der Bischof von Münster fiel, angeblich zu Gunsten des Hauses Oranien, in ihr Gebiet ein, worauf die Republik den jungen Wilhelm von Oranien, Sohn Wilhelm's II., wieder als Kind des Staates anerkannte; mit dem Bischof von Münster wurde 1666, mit England zu Breda 1667 Friede geschlossen. Im Jahr 1670 entwarf

Ludwig XIV. mit Karl II. von England ben geheimen Plan, die gesammten Niederlande zu theilen, beide erklärten im Vereine mit dem Kurfürsten von Köln und dem Bisdjof von Münster der Republik den Krieg; die Generalstaaten erwählten jept den Prinzen Wilhelm von Nassau-Oranien zum Generalcapitän und Oberadmiral, die beiden bisherigen Hauptlenker der Republik, die Brüder Johann und Cornelius de Witt, ersterer Großpensionär, teßterer Bürgermeister von Dortrecht, Gegner der Dranier, wurden 1672 in einem Aufstand ermordet und Wilhelm III. von Nassau-Oranien zum Statthalter von Holland, Zeeland, Geldern, Oberyssel und Utrecht erklärt; in Friesland und Gröningen blieb der bisherige Statthalter Johann Casimir von NassauDie . Im Jahr 1674 ertheilten die Stände obiger Provinzen dem Prinzen Wilhelm III. die Würde eines Statthalters, Generalcapitäns und Generaladmirals erblich für seine männlid) en Nachkommen; Geldern bot ihm die volle Landeshoheit und Herzogswürde an, was aber Widerstand fand. Wenige Jahre darauf (1677) vermählte sich Wilhelm III. mit der englischen Prinzessin Maria, Tochter des Herzogs v. Yorf und nachmaligen Königs Jacob II. von England, was ihm elf Jahre später die Krone von England verschaffte; denn von den Engländern gerufen, landete er mit einem holländischen Heere 1688 an der englischen Küste, und am 23. Febr. 1689 wurde Jacob II. für entthront, Wilhelm's Gemahlin Maria zur Königin, er selbst zum König von England erklärt. Wilhelm III. bestieg jeßt den englisden Thron, blieb aber auch Generalstatthalter in den fünf westlichen Provinzen der Generalstaaten; in Gröningen, Friesland und Drenthe dagegen war auf den Fürsten Heinrich Kasimir der Fürst Johann Wilhelm Friso von Nassau - Dieß gefolgt. Als Wilhelm III. am 19. März 1702 kinderlos starb, bemühte fich der Fürst Johann Wilhelm Friso, auch die Statthalterschaft in den fünf westlichen Provinzen zu erhalten, was Wilhelm II. selbst bei seinen Lebzeiten gewünscht hatte; allein die Stände gaben es nicht zu, schafften die Statthalterschaft ganz ab und übertrugen die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten einem Groß- oder Raths pensionär (damals Heinsius bis 1720). Wilhelm III. hatte in seinem Testament seinen Vetter, den Prinzen Johann Wilhelm Friso von Nassau - Dieß zum alleinigen Erben eingeseßt, er war der nächste Agnat des Königs, da er in directer Linie von dem jüngeren Bruder Wilhelm's I. abstammte. Dagegen machten auch die Fürsten von NassauSiegen und ganz besonders der König von Preußen Friedrich I. Ansprüche auf die deutschen Besißungen (Mörs und Lingen) des oranischen Hauses und auf das Fürstenthum Oranien selbst, leşterer, weil sein mütterlider Großvater, der Prinz Friedrich Heinrich von Oranien in seinem Testament bestimmt hatte, daß für den Fall des Aussterbens der Linie seines Vaters, Wilhelm's II., die Linie seiner Tochter Luise (Mutter des Königs von Preußen) folgen sollte. Der deutsche Kaiser und Frankreich entschieden sich für Preußen, welches sodann im utrechter

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