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wohl vorauszusehen war, daß fie zu unangenehmen Verwoldlungen führen werde. Als es fich im Jahr 1832 um die Anerkennung des Cantons Basel-Land handelte, stand die neufchateler Regierung auf Seite der Cantone Sdwyz, Uri, Unterwalden und Basel-Stadt, welche auf der sarner Conferenz am 14. Nov. 1832 erklärt hatten, daß sie die Tagsaßung nicht beschiden würden, wenn Basel-Land Zutritt erhielte. Die Tagsaßung dagegen hatte am 17. Aug. 1832 die mit dem Namen sarner Conferenz bezeichnete Verbindung einiger Cantone für unverträglich mit den Gefeßen der Eidgenossenschaft und für aufgehoben erklärt, und bot Truppen auf, um ihrem Beschluß Nachdruck zu geben, worauf fide die genannten Cantone fügen mußten. Auf Anregung Lucern's įprad fich die Tagfaßung von 1832 insbesondere gegen Neufchatel babin aus, daß die monarchische Verfassung des Cantons unverträglich sei mit seinen Verhältnissen zur Eidgenossenschaft, und daß Neufchatel fic entweder von der Eidgenossenschaft trennen, oder seine Verbindung mit Preußen lösen und Schweizercanton im vollen Umfang des Wortes werden müsse. Unter dem Einverständniß des Königs von Preußen beabfichtigte nun die neufchateler Regierung, die Verbindung mit der Schweiz völlig zu lösen; das preußische Cabinet trat auch mit den Großmädten wegen des Austrittes des Fürstenthums aus der Eidgenossenschaft in Verhandlung. Am 28. März 1834 übergaben Abgeordnete des neufchateler Staatsraths dem Vorort Zürich eine vom 26. März 1834 datirte und von General v. Þfuel unterzeichnete Erklärung, daß der Staatsrath von Neufchatel vom König von Preußen ermächtigt sei, wegen eines völligen Ausscheidens des Cantons mit der Tagfaßung in Verhandlung zu treten; Neufchatel wolle für die Zukunft nur noch an der von den Mächten der Soweiz zugesicherten Neutralität Theil nehmen; die Zustimmung der Großmächte zu diesem Schritt, hieß es am Soluße dieses Shreibens, jei ficher. Allein die Tagsaßung ging auf den Vorschlag des Austrittes nicht ein, verlangte vielmehr, daß fich Neufchatel nicht mehr als Fürstenthum bezeichne und die preußischen Farben ablege. Nun wollte der Staatsrath von Neufchatel den Austritt des Cantons dadurch bethätigen, bag er 1835 die Tagsapung nicht mehr beschichte; da legtere aber drohte, den Canton als widerspenstig mit 10,000 Mann beseßen zu lassen, wenn kein neufchateler Abgeordneter erschiene, so bequemte man sich an der Tagsapung Theil zu nehmen. Die Bestrebungen eines großen Theils der Schweizer, die Bundesgewalt auf Kosten der Cantonalfelbstständigkeit zu erweitern, riefen im Jahr 1843 den sogenannten Sonderbund hervor. Die katholischen Cantone Schwyz, Uri, Unterwalden, Zug, Fretburg und Wallis verbanden fich zur Aufrechtbaltung der cantonalen Selbstherrschaft und der katholisden Religion, und verhandelten unter einander über eine Trennung von den protestantischen Cantonen. Dagegen versdafften sich in den übrigen Cantonen die Bestrebungen für Austreibung der Jesuiten und Beschränkung der Cantonalsouveränetät zu Gunsten der Bundes-Centralgewalt immer entschiedenere Geltung. Die in Bern am

5. Juli 1847 eröffnete Tagfaßung erklärte am 20. Julimit 129/2 Stimmen den Sonderbund für aufgehoben und drohte, diesen Beschluß mit Waffengewalt auszuführen, wenn sich der Bund nicht sofort auflöse. Neufchatel, obwohl protestantisch, stimmte auf dieser Tagsaßung mit den Sonderbundscantonen, welche, ebenso wie eine Note des franzöfischen Ministers Guizot vom 2. Juli, der Mehrheit das Recht absprachen, der Minderheit derartige Beschlüsse aufzubringen. Dagegen erklärte eine Note des englischen Ministers Palmerston vom 12. Aug., daß auswärtige Mächte kein Recht hätten, fich in die inneren Angelegenheiten der Schwetz zu mischen, was die Tagsaßung ermuthigte, am 16. August auch die Revision des Bundesvertrags zu beschließen. Die Sonderbundscantone legten in der Tagsaßung vom 29. Dkt. eine Wahrung ihrer politischen und kirchlichen Rechte ein; allein ihre Anträge wurden mit 122/2 gegen 8 Stimmen verworfen, worauf die fieben Abgeordneten die Versammlung verließen. Schon seit längerer Zeit hatten diese Cantone auf das Eifrigste gerüstet; die Tagfaßung beschloß jeßt, 50,000 Mann unter General Düfour gegen sie zu schicken. Neufchatel hatte auf der Tagsapung bisher immer Partei für den Sonderbund genommen und weigerte sich jeßt auch, sein Contingent gegen denselben zu stellen. Der König von Preußen erließ unter dem 19. Nov. 1847 eine Proclamation an die Regierung von Neufchatel, worin er den von Neufchatel am 29. Dktober gefaßten Beschluß, fich bei dem bevorstehenden Kriege neutral zu halten, vollständig billigte (urkunde 6). Diesen Beschluß übergab der preußische Gesandte v. Sidow am 26. Nov. mit einer Erklärung dem Vorort Bern (urkunde 7) und fündigte zugleich an, daß der König von Preußen den Mächten seine Stadt Neufchatel zur Abhaltung einer Conferenz behufs der Schlichtung der schweizer Wirren vorgeschlagen habe. Von Frankreich war nämlich die Aufforderung zur gemeinsamen Beilegung der schweizer Streitigkeiten an die Großmächte ergangen und von Destreich und Preußen auch angenommen worden; die politischen Differenzen sollten die Großmächte, die tirdlichen sollte der Pabst entscheiden. Allein die bewaffnete Macht der Tagsabung war über die Truppen der Sonderbundscantone bald Herr geworden; am 14. Nov. 1847 ergab fid Freiburg, am 21. 3 ug, am 24. Luzern, am 25. Unterwalden, am 27. S d w y 3, am 28. uri, am 30. Wallis. Die Tagsabung antwortete am 2. Dez. 1847 auf die preußische Note, Neufchatel sei im Jahr 1815 nur unter der Bedingung in die Eidgenossenschaft aufgenommen worden, daß es alle Pflichten eines dweizer Cantons erfülle; in wie weit Neufchatel diesen Pflichten nachkomme, habe die Tagsapung allein zu entscheiden. Was die Vermittlung der Große mädte und die beabfidhtigte Conferenz in Neufdjatel anlange, so habe die Schweiz bereits selbst die Sonderbunds-Angelegenheit beendigt (Urkunde 8). Die Tagjagung verurtheilte den Canton Neufchatel wegen der verweigerten Stellung seines Gontingente zu einer Strafe von 300,000 Franken. Der Staatsrath beschloß, diese Summe zu zahlen, um ein Einrüden der

eidgenöffifchen Truppen in den Canton zu vermeiden, welches die demokratische Partei in Neufchatel gewünscht bätte. War nun allerdings die Sonderbundsfrage durch die Schweizer selbst mit Gewalt der Waffen bereits entschieden, so wollten sich doch die Mächte hiebei nicht beruhigen, und der Zusammentritt ihrer Abgeordneten in Neufchatel zur Ordnung der schweizer Angelegenheiten sollte gleichwohl stattfinden. Schon waren die Abgesandten in Neufdatel versammelt, als die am 22. Febr. 1848 in Frankreich ausgebrochene Revolution und die auch in Deutsdland alsbald zum Vorschein gekommene Gährung die Aufmerksamkeit der Mächte auf bedrohlichere Verhältnisse hinwies. Bei der veränderten Hegierungsform in Frankreich konnte es ohnehin nicht mehr rathsam et scheinen, gegen die demokratisdien Cantone Gewalt zu gebrauchen; und so ging die Conferenz ohne weitere Verhandlungen auseinander. Die Gährung in Frankreich hatte aber auch in die demokratischen Bestrebungen des Cantons Neufdatel neuen Zunder geworfen. Schon am 28. Febr. war in Chaur de Fonds und Locle ein Aufstand gegen die Regierung ausgebrochen; am 29. Februar bildete fich daselbst eine provisorische Regierung und diese 30g am 1. März mit etwa 1000 Aufständischen gegen Neufchatel, rückte, ohne daß die dortige Regierung Gewalt entgegenseßte, unter dem Beifall der Bevölkerung in die Stadt ein und verlangte von den Mitgliedern der alten Regierung, daß fie ihr Amt niederlegten. Diese erklärten fich, unter dem Vorbehalt, daß der König von Preußen es genehm balte, biezu bereit. Am 2. März ordnete die neue propi: forische Regierung die Verhaftung der Mitglieder des bisherigen Staatsraths an (ürkunde 9). Dieselben wurden jedoch am 13. April 1848 wieder freigelassen, nachdem fie der König von Preußen durd Cabinetsordre vom 5. April ihres Eides entbunden hatte. Ein Decret der neuen Re: gierung vom 2. März erklärte den Canton für eine Republik und das monarchische Regiment für abgeschafft (Urkunde 10). Der preußisbe Gesandte in Bern, v. Sidow, protestirte gegen jede Verlegung der Redte seines Königs; die von den Aufständischen herbeigerufenen eidgenöffischen Commisjäre erklärten auch, daß fie die Verhältnisse des Cantons zur Krone Preußen unberührt lassen wollten. Dagegen wurde die neue republikanische Verfassung, welche ein dazu einberufener Verfassungsrath entworfen hatte, von dem neufdjateler Volt am 30. April 1848 mit 5813 gegen 4395 Stimmen angenommen und von der schweizer Tagsapung, welche 1848 in Bern tagte, mit 21 Stimmen gegen eine garantirt; nur der Gesandte von S dwy z verweigerte in Berüdfichtigung der verleşten Rechte des Königs von Preußen seine Zustimmung. Unter den großen Bewegungen, welche im Jahr 1848 ganz Deutsdland in Aufregung erhielten, war die Krone Preußen zu sehr mit den deutschen und preußischen Angelegenheiten beschäftigt, als daß fie ernstliche Maßregeln zur Wahrung der Rechte des Hauses Hohenzollern auf Neufchatel hätte ergreifen wollen. Auch schien der Besiß des Fürstenthums für Preußen nicht von so großem Werthe zu sein, daß es sich dafür der Möglichkeit

eines Krieges mit Frantretch hätte ausseßen wollen. Verzichtet hat Preußen bis jeßt nicht; es hat seine Rechte nicht nur nicht aufgegeben, sondern fie bei verschiedenen Veranlassungen förmlich gewahrt. Als die neue Regierung 1850 zur Veräußerung des Fürstlichen Domänen- und Kirchengutes scritt, erklärte das preußische Cabinet unter dem 13. Juli 1850 alle solche Käufe für null und nichtig, auch ließ dasselbe am 24. Mai 1852 durch ein Protocol der londoner Conferenz von den Großmächten die Anerkennung der Rechte Preußen's auf Neufchatel, gemäß den Verträgen von 1815, förmlich aussprechen. Versuche der monarchischen Partei im Canton selbst, die alten Verhältnisse zu Preußen wieder her: zustellen, find bis jeßt ohne Erfolg geblieben.

Wir geben folgende Urkunden: 1) Die Erklärung, wodurch König Wilhelm III. von England seine Rechte auf Neufchatel an den Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg abtritt, batirt vom 23. Dkt. 1694. Sie findet sich abgedruckt bei Lünig, deutsches Reichsarchiv Band V. oder partis specialis dritte Abtheilung p. 280. 2) Die Urkunde, wodurch die Stände von Neufchatel dem Kurfürsten Friedrich III. (König Friedrich I. von Preußen) das Fürstenthum Neufchatel zusprechen. Sie findet fich bei Lünig deutsches Reichsarchiv Band V. oder partis specialis dritte Abthlg. p. 285. 3) und 4) Die Urkunden, wodurch Preußen (1806) Neufchatel gegen Hannover vertauscht. Sie finden fich bei Martens recueil tom. VIII. 5) Die Urkunde, wodurch Neufdatel am 17. April 1815 als 21. Canton in die Eidgenossenschaft aufgenommen wird. Findet sich bei Martens nouveau recueil tom. IV. 6) Die Erklärung des Königs von Preußen vom 19. Nov. 1847, worin derselbe die für den Sonderbundskrieg von Neufchatel beschlossene Neutralität billigt. Findet sich bei Martens nouveau recueil général tom. XI. 7) Die Note des preuß. Gesandten v. Sidow, datirt vom 26. Nov. 1847, womit derselbe die Erklärung des Königs dem Vorort übergab. Findet fich bei Martens nouveau recueil général tom. XI. 8) Die Antwort der Tagfaßung auf diese Note, batirt vom 2. Dez. 1847. 9) Die Proclamation, wodurch fich die provisorische Regierung in Neufdhatel am 2. März 1848 constituirte. 10) Das Decret der neuen Regierung vom 2. März 1848, wodurd) Neufchatel für eine Republik und die monarchische Verfassung für abgeschafft erklärt wird. Findet sich bei Martens nouveau recueil général tom. XI.

Neufchâtel.

1. Acte relatif à la cession de Neufchâtel au Roi de Prusse,

en date de la Haye le 23. Octobre 1691. Guillaume Henry par la grâce de Dieu Roi de la Grande-Bretagne, Prince d'Orange, Comte de Chalon, Vis - Comte de Besançon, Ba-d'Arlay, Comte de Genève, de Nassau, Kazenellenbogen, Vianden, Diez, Lingen, Meeurs, Buyren, Leerdam, Marquis de Fervere et Vlissinge, Seigneur et Baron de Breda, de la Ville de Grave et pays de Cuicque Diest, Grimbergen, Herstal, Granendonque, Warneston, Arlay, Nosoroy, St. Vith, Daesbourg, Polanen, Willernstad, Niervaerth, Iselstein, Steenbergen, St. Martensdyck, Geertruydenbergh, Turnhout, Zevenbergen, de Svaluve, Naeldwyk, Soest, Baren, Fer Eiem, Immenes, dedans et dehors Comte héréditaire d'Anvers et Besançons, Maréchall héréditaire de Hollande, Gouverneur héréditaire et Lieutenant de Gueldre, Comte de Zutphaen, Hollande, Zelande, Westfrise, Utrecht, Ober-Yssel, Drenthe, Capitain-Général héréditaire et Admiral des provinces - unies à tous ceux qui ces présentes verront salut; savoir faisons comme par la grâce de Dieu dans toutes nos actions, nous n'avons eu en vuë que le repos et la tranquillité du public et sur tout des Pays qui nous touchent. Par des liens plus particuliers que les autres, nous n'avons jusques icy pas jugé à propos de mettre en avant Notre qualité de Seigneur de Fief, et nos droits de souveraineté et de retour sur les Comtes et Comtés de Neufchâtel et Valangin, à nous écheus et de volus par les Sérénissimes Princes d'Orange, Philibert de Chalon, Rene de Nassa, et Guillaume de Nassau notre ayent, en considération que ce pays, quoi que contingu á notre portion héréditaire de Chalon, gisante en Franche Comté, n'ayant pu jouir de notre protection, ni avant ni pendant cette guerre aurait couru risque d'être exposée avec la Suisse voisine aux démarches violentes de la France, si nous découvrions prématurément notre intention à cet égard toutesfois

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