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Sdleswig-Holstein Sd led wig wurde in den frühesten Zeiten von Deutschen bewohnt, die ihre eigenen Fürsten hatten. Bei dem Vordringen der Dänen von Norden her kamen diese Fürsten unter die Oberherrlichkeit der dänischen Könige. Als der deutsdye Raiser Heinrich I. den Dänenkönig Gorm, den Alten, 931 besiegt hatte, machte er aus Sdíleswig eine deutsche Markgrafschaft. Die Dänen er dlugen den Markgrafen, Kaiser Otto, der Große, stellte 948 die Markgrafschaft wieder her; nad verschiedenen Kämpfen aber wurde 1027 die Eider als Grenze zwischen Deutschland und Dänemark bestimmt und den Dänen Schleswig überlassen. Das Land wurde jegt von dänischen Statthaltern regiert; seit dem 12. Jahrhundert erscheinen besondere Herzoge von Schleswig, Prinzen aus der dänischen Regentenfamilie, die unter blutigen Streitigkeiten der Familienglieder öfters gewaltsam wedseln. Sdleswig galt damals für einen Theil von Jütland und hieß entweder Jütland, Jucia, schlechthin, oder Süderjütland, Sunder-Jucia. Holstein wurde gleichfalls sdon in den ältesten Zeiten von Deutschen (Sadsen) bewohnt und ist, den Dänen gegenüber, auch im Befiß der Deutschen geblieben. Das Land bieß damals Noralbingia oder Saxonia transalbiana; der Name Holtzacia, später Holsatia, der so viel als Holzland bedeuten foll, findet fich urkundlich erst 1141.

Als Karl, der Große, die holstein'sden Sachsen besiegt hatte, verglich er sich mit dem Dänenkönig Hemming (811) dahin, daß die Eider die Grenze zwischen seinem Reiche und Dänemart bilden sollte, und seşte in Holstein Markgrafen ein, die später den Herzogen von Sadysen, seit etwa 1422 dem Bischof von Lübeck, seit 1548 dem deutschen Kaiser unmittelbar lehnbar wurden. Seit 1113 sind diese Mart= grafen aus der Familie Schaumburg, die seitdem den Namen „Grafen von Holstein und Stormarn" führten. Im Jahr 1239 tbeilte Markgraf Adolph IV. sein Land unter seine Söhne Johann I. (Linie Holstein Riel) und Gerhard I. (Linie Holstein-Rendsburg); die Kieler Linie erlosch gegen das Ende des 14. Jahrhunderts. Zu einem Herzogthum erhob Holstein der deutsche Kaiser Friedrich III. 1477.

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Die Verbindung Schleswig's mit Holstein nimmt ihren Anfang im Jahr 1326. In diesem Jahre belehnt der dänische König Waldemar III. seinen Cheim, den Grafen Gerhard von Holstein und dessen Nach kommen für ewige Zeiten mit dem Herzogthum Sdyleswig (Urkunde I.) und spricht in dieser öfter genannten Waldemar'schen Constitution zugleich aus, daß Sdleswig niemals mit Dänemark unter einem Scepter vereinigt werden sollte (regno et coronae Daniae non unietur nec annectetur ita, quod unius sit dominus utriusque). Doch hatten Schleswig und Holstein noch ihre getrennten Fürsten, bis die linie dieses Grafen Gerhard im Jahr 1375 ausstarb. Der König von Dänemark wollte zwar jeßt das Leben an sich ziehen, aber Graf Gerhard IV. von Holstein erzwang fich im Vertrag zu Nyburg 1386 die Belehnung durch Waffengewalt. Der Lebenbrief selbst ist verloren gegangen; einen Uuszug über die Verhandlungen aus Detmar’s Chronit findet man bei Fald, Urkunden 2. p. 7; „de holsten heren“, heißt es, udholden besitten dat hertochdom to sleswiç kinderkint to ervende." Auf diese Weise waren nun das Herzogthum Sdleswig und die Grafschaft Holstein unter den Grafen von Holstein zu einem Lande verbunden und blieben es bis zum Jahre 1459, wo mit dem Grafen Adolph VIII., der über Schleswig ale Herzog, über Holstein als Graf regiert hatte, der Mannsstamm der fď a umburg'iden Herzoge von Schleswig-Holstein erlosch. Genannter Graf Adolph hatte dänischer König werden sollen, aber die Krone ausgeschlagen und seinen Sdwestersohn, den Grafen Christian bon Oldenburg dafür empfohlen, der auch 1448 vom dänischen Reichsrath zum König gewählt wurde. Nach Adolph's Tode wußte der oldenburg'sche Graf Christian auch die Stände von Schleswig-Holstein zu bestimmen, daß sie nicht, wie es in der natürlichen Erbfolge gewesen wäre, den Grafen Johann aus der Linie Holstein-Rendsburg, sondern in gemeinsamer Versammlung zu Ripen 1460 gleichfalls ihn zum Herzog von Shleswig-Holstein erwählten. Seitdem also regieren über die Herzogthümer Herzoge aus dem gräflich oldenburg'ichen Stamme und find bis heute in dem Befiß geblieben. Christian mußte ihnen aber vor seiner Wahl 1448 einen Revers ausstellen (Urkunde II.), worin er sich zur Aufrechthaltung der Waldemar'schen Constitution verpflichtete. „Item“ heißt es in diesem Revers, „ducatus Sunder-Jucie regno et corone Danie non unietur nec annectetur ita quod unius sit dominus.“ Als dänischer König (Christian I.) bestätigte er den Schleswig - Holsteinern 1460 in einer besondern Urkunde ihre Privilegien (Urkunde III.), worin er ihnen namentlich zusichert, daß die beiden Länder immer beisammen bleiben sollten, „bliven ewich tosamende vngedelt.“ Auch gab er den SchleswigHolsteinern, die bisher das Wahlredyt nicht gehabt hatten, das Recht, ihren Fürsten zu wählen. ,, Nachdem wir“, beißt es in der Urkunde, aus Gunst, die die Einwohner zu unserer Person haben, von den vorbenannten Einwohnern gewählt sind, so mögen fie und ihre Nachkommen, so oft als diese Lande offen werden, ihre Wahl behalten (vergl. Jensen

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und Hegewijd, Privilegien der schleswig-Holstein'schen Ritterschaft, Kiel 1779, p. 42 und 45). Die Wahl follte zwijden den königlichen Prinzen Statt finden, und, wenn keine solchen vorhanden waren, auf einen naben Verwandten fallen. Als wir nun aus freiem Willen“, sagt der König, ozu diesen Landen von den Einwohnern gewählt sind, so mögen sie und ihre Nachkommen, so oft als diese Lande offen werden, ihre Wahl behalten, dann eins von unseren Kindern zu einem Herrn zu wählen, oder wenn keins wäre, einen von unseren rechten Erben zu wählen.“ Bei dem deutschen Kaiser Friedrich III. erwirkte Christian 1. 1477, daß die Grafschaften Holstein-Stormarn zu einem Herzogthum erhoben wurden, so daß nun aud) in dieser Beziehung Holstein mit Sdileswig gleich stand. Durch diese Erhebung zu einem Herzogthum wurde Holstein, das anfangs den Herzogen von Sadsen und seit etwa 1422 dem Bischof von Lübeck lehnbar war, unmittelbares deutsches Reichsleben, da die Herzogswürde und Herzogthümer nur unmittelbare Reichslehen sein konnten; zu= erst wurde der Herzog Christian II. 1521 vom Kaiser Karl V. unmittelbar mit Holstein belehnt. Dieses Lebensverhältniß ist geblieben bis zum Untergang des deutschen Reichs. König Christian I., der 1481 starb, hatte die Herzogthümer Schleswig-Holstein seinem zweiten Sohne Friedrid bestimmt; dies gab jedoch sein erster Sohn Johannes I., jest König von Dänemark, nicht zu, sondern zwang seinen Bruder zum gottorp'schen Vergleich, worin dem Herzog Friedrich nur ein Theil von Holstein und Gottorp blieb. Nachdem aber Johann I. 1515 gestorben und fein Sohn, König Christian II., von den dänischen Ständen 1523 abgesept worden war, wurde dieser holstein'sde Herzog Friedrich zum König von Dänemark gewählt. Als solcher bestätigte er den Herzogthümern ihre alten Privilegien, namentlich auch den Punct, der seit Christian I. Tod nicht gehalten worden war, daß die Herzogthümer ewig ungetheilt beisammen bleiben sollten (Urkunde IV.). Wiewohl König Friedrid's († 1533) Sohn und Nachfolger, König Christian III., die Privilegien ebenso, wie sein Vater anerkannte, hielt er doch den Punct des ungetheilten Beisammenbleibens nicht, sondern theilte mit seinen beiden Brüdern Johann und Adolph die Herzogthümer in einen fonderburgiîchen, hadersleben'sd en und gottorpischen Antheil (1544), wovon er selbst den sonderburgischen, der zweite Bruder Johann den habersleben'schen, der dritte Adolph den gottorpischen erhielt. Ausgenommen von der Theilung waren die Mannsdaft, die Klöster, die Städte, die Zölle zu Gottorp und Rendsburg, ferner die Stadt Hamburg, welde gemeinschaftlich bleiben sollten. König Christian III., welder den fonderburgischen Antheil besaß, starb 1559 und hinterließ drei Söhne, Friedrich II. (welcher König von Dänemark wurde), Johann und Magnus. Friedrich mußte nach den Erbbestimmungen wieder ein Drittheil seines sonderburgisden Antheils, mit Sonderburg selbst, an seinen Bruder Johann (1564) erblich abtreten. Als der Besißer des hadersleben'schen Theils, Johann, der Aeltere, 1581 kinderlos gestorben war, theilte König

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Friedrich II. diesen Antheil wiederum mit seinem Onfel, dem Herzog Adolph. Das Verhältniß der regierenden Linien gestaltet sich von 1581 an bis zum Ende des fiebenzehnten Jahrhunderts folgendermassen. Es bestehen drei verschiedene Linten, die königliche oder glüdstadtische (Stammvater König Friedrich II. von Dänemark), die gottorpilde (Stammvater Herzog Adolph) und die sonderburgische (Stammvater Jobann der Jüngere). Jede dieser Linien besißt einen besonderen Theil der Herzogthümer als erbliches Eigenthum, worin eine jede gewisse Regierungsrechte für sich ausübt, während andere Rechte gemeinsam geübt werden; die glüdstadtische und gottorpische Linie hatte in Folge dieser Sheilung Sik und Stimme auf dem deutschen Reichstag. Die sonderburgische besaß nicht vollständig dieselben Rechte, wie die beiden anderen Linien, und war von der gemeinschaftlichen Regierung ausgeschlossen. Herzog Johann, der Jüngere, hatte in seinem Verzichtbrief von 1564 (findet sich bei Fald, Urkunden u. p. 62) sich mit Sonderburg, Norburg, Schloß und Stadt Plön und Kloster Arnßböde völlig abgefunden erklärt; damit wolle er von seinem angeerbten Fürstenthum gänglich begnügt und abgefunden sein." Neben diesen drei Landestheilen mit getrennter Regierung blieben seit der Reformation noch vier Klöster, welche zur Erhaltung von Töchtern des Adels bestimmt waren, den Linien Glüdstatt und Gottorp gemeinsam, die übrigen Klöster waren 1544 getheilt worden; ferner blieb ihnen gemeinsam die Landeshoheit über die Bischöfe von Saleswig und Lübec (Lübeck entzog sich derselben am Anfang des 17. Jahrh.) und über die Prälaten der Domkapitel von Schleswig, Lübec und Eutin, sowie über die Räthe aus der Ritterschaft, (die aber im 16. Jahrh. ihre Bedeutung burd Entstehung von Kanzleien verloren), und über die Ritterschaft mit ihren Gütern überhaupt; die lanttagsfähigen Städte waren nur in Bezug auf ihre Landstandschaft gemeinsam; Bischöfe, Prälaten, Ritterschaft und Städte tagten ungetheilt, die Städte wurden jedoch 1675 zum leßten Mal zum Landtage berufen. Aud die Steuern wurden gemeinschaftlid) erhoben, die Gesebgebung war meist gemeinschaftlich, da der durch die. Herzogthümer zerstreute gemeinsame Adel idon dazu aufforderte, ebenso die Gerichtsbarkeit in dieser Beziehung, die Landes-Verteidigungsanstalten, bie Gerechtsame über die Stadt Hamburg und der zou zu Rendsburg und Gottorp (vgl. hierüber Zimmermann, das Rechtsverhältniß der Herzogth. Sūleswig-Holstein

24 ff.). Wiewohl nun allerdings seit 1581 nur zwei regierende Linien bestanden, die glüdstadtische und gottorpide, lo zersplitterte sich doch das Land durch Theilungen immer mehr. Die sonderburgische Linie hatte ihren Antheil 1621 in sieben Theile getheilt; auch in der gottorpischen Linie fand 1606 wieder eine Theilung Statt (vergl. hierüber Heiberg, das souveräne Herzogthum Suleswig p. 17). Um einer völligen Zersplitterung vorzubeugen, führten die drei Linien am Anfang des 17. Jahrhunderts die Primogenitur und die Linienerbfolge ein, troß des Widerspruches der Stände, deren Wahlrecht dadurch aufund Hegewisc, Privilegien der (dleswig-holstein'schen Ritterschaft, Kiel 1779, p. 42 und 45). Die Wahl sollte zwischen den königlichen Prinzen Statt finden, und, wenn keine solchen vorhanden waren, auf einen naben Verwandten fallen. „Als wir nun aus freiem Willen“, sagt der König,

„ ozu diesen Landen von den Einwohnern gewählt sind, so mögen sie und ihre Nachkommen, so oft als diese Lande offen werden, ihre Wahl behalten, dann eins von unseren Kindern zu einem Herrn zu wählen, oder wenn keins wäre, einen von unseren rechten Erben zu wählen.“ Bei dem deutschen Kaiser Friedrich II. erwirkte Christian 1. 1477, daß die Grafichaften Holstein-Stormarn zu einem Herzogthum erhoben wurden, so daß nun auch in dieser Beziehung Holstein mit Schleswig gleid stand. Durch diese Erhebung zu einem Herzogthum wurde Holstein, das anfangs den Herzogen von Sachsen und seit etwa 1422 dem Bischof von Lübeck lehnbar war, unmittelbares deutsches Reichsleben, da die Herzogswürde und Herzogthümer nur unmittelbare Reichslehen sein konnten; zu: erst wurde der Herzog Christian II. 1521 vom Kaiser Karl V. unmittelbar mit Holstein belehnt. Dieses Lebensverhältniß ist geblieben bis zum Untergang des deutschen Reichs. König Christian I., der 1481 starb, hatte die Herzogthümer Schleswig-Holstein seinem zweiten Sohne Friedrich bestimmt; dies gab jedoch sein erster Sohn Johannes I., jest König von Dänemart, nicht zu, sondern zwang seinen Bruder zum gottorp'schen Vergleich, worin dem Herzog Friedrich nur ein Theil von Holstein und Gottorp blieb. Nachdem aber Johann I. 1515 gestorben und sein Sohn, König Christian II., von den dänischen Ständen 1523 abgeseßt worden war, wurde dieser holstein'sche Herzog Friedrich zum König von Dänemark gewählt. Als solcher bestätigte er den Herzogthümern ihre alten Privilegien, namentlid aud den Punct, der seit Christian I. Tod nicht gehalten worden war, daß die Herzogthümer ewig ungetheilt beisammen bleiben sollten (Urkunde IV.). Wiewohl König Friedridy's (+ 1533) Sohn und Nachfolger, König Christian III., die Privilegien ebenso, wie sein Vater anerkannte, hielt er doch den Punct des ungetheilten Beisammenbleibens nicht, sondern theilte mit seinen beiden Brüdern Jobann und Adolph die Herzogthümer in einen sonderburgifchen, badersleben'iden und gottorpischen Antheil (1544), wovon er selbst den sonderburgischen, der zweite Bruder Johann den badersleben'schen, der dritte Adolph den gottorpischen erhielt. Ausgenommen von der Theilung waren die Mannsdaft, die Klöster, die Städte, die Zölle zu Gottorp und Rendsburg, ferner die Stadt Hamburg, welche gemeinschaftlich bleiben sollten. König Christian III., welder den sonderburgischen Antheil besaß, starb 1559 und hinterließ drei Söhne, Friedrich II. (welcher König von Dänemark wurde), Johann und Magnus. Friedrid mußte nady den Erbbestimmungen wieder ein Drittheil seines sonderburgijden Antheils, mit Sonderburg selbst, an seinen Bruder Johann (1564) erblich abtreten. Als der Besiber des hadersleben'schen Theils, Johann, der Aeltere, 1581 kinderlos gestorben war, theilte König

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