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ist, als daß das Bétragen mit dem Befinden in gleichern Verhältnisse stehen muß, oder mit andern Worten, daß die Lügend belohnt und das Laster bestraft wird. In dem Zusage: Ich bin je huva dein Gott, der bei den Geboten und Verboten so oft vorkommt, liegen die hier angegebenen Motive zur Befolgung des Sittenges Tepes. Dieser To oft wiederholte Zufos will nichts ans Ders fagen, als : Befolge meine Gebote, denn ich bin der Ullgú tige, der dir und andern wohl will, zu v elchem Zwecke ich auch das Sittengefeß dir in dad Herz gelegt, durch einen innern Richter, das Gewissen hámlich, dich darauf aufmerksam gemad,t, und zu mehr erer Befräftigung Tasse ich mich herab, dir hiermit mein se unmittelbare Belehrung zu geben, um dir den Weg u deiner eigenen Glidseligkeit zu zeigen ; ich bin der

II wissende, vor dem auch dein geheimster Gedante ntfaltet ist; ich der allgerechte, der dein Verhalten nit deinem Befinden in Harmonie bringt; und ich in der allmächtige, dem es weder an Mitteln noch in Kraft fehlt, meine Gerechtigkeit, gleichviel ob dicß. der jenseits des Grabes ju realisiren *). Wer vermag un diese Basis zu erschüttern ? Wer diesen Motiven zu viderstehen?

• Zwar fónnte auf dieses hier angeführte Grunds rincip achtend, und von gedachteu Motiven bewogen,

er Mensch, ohne hierüber specielle Vorschriften zu ers aften, sich selbst Regeln zur Naihachtung mittelst seis: eč Dernunft und seinem Gewissen abstrahiren , und feie. € Handlungsweise darnach bestimmen : denn was will

*) über Unsterblichkeit der Seele in den mosaischen Schrif.

ten. le mein Handbuch der mosaiioen Reli. gion. Prag i818. s. Band, $. 81. ff.

Das Gebot, liebe deinen Nächsten, wie dich selbst, an. Ders fagen, als : mache dich selbst zur Norm deiner Handlungen oder mit andern Worten: Was du willst, daß dir geschehe , thue auch Andern, und was du willst, daß Andere gegen dich unterlassen follen, unterlasse auch da gegen sie. Aber der liebreiche Vater, der die Schwá. che, seiner Kinder sennt, läßt sich aus überfdwenglicher Gute, um es an nichts mangeln zu lassen, was ihr Wohl befördern kann, berab',, über die nothwendigsten; demselben zusagenden Verhaltungsregeln, die deutlich sten, und oft bis in das fleinste Detail cingehenden Vorschrif: ten speciell anzugeben. Daher die manchem Befanges nen kleinlich dünfenden Gebote und Verbote in den mos faischen Schriften.

Da bier Pein mosaisches Religions : und Moralsy: ftem aufgeführt werden soll, To' gestattet der Raum nichi, alle die einflußreichen, dem Individuo als der Gesammt: menschheit unentbehrlichen und wohlthätigen Bereße mit ihren Bewegdgründen und Beziehungen, die in den mo. faischen Schriften vorfommen, hier anzuführen. Es fol: len daher bloß einige, und auch diese nur gleichsam en passant beinerkbar gemacht werden, und.. schon diese werden hinlängliche Beweise von der Portrefflichkeit und Unentbehrlichkeit des mosaischen Geseges liefern. : Bes weise, daß derjenige, der sie befolgt, die wahre Herzens. religion autübt, indem er ein wohlthätiger Mensch, ein guter Gatte, Haus- und Kindervater, ein treuer Uns terthan, ein nüßliches Mitglied einer jeden, auf wahre Religion gegründete staatsbürgerliche Perfassung fenn, überhaupt seiner Bestimmung als Mensch und Staats, und Weltbürger zusagen tann, und dazu als Gottes Bobot verpflichtet sey.

Die mosaische Religion verpflichtet die 3eracliten,

ihrem Gott anzuhangen (5. M. 20, 5; 28, 9). ein Grundprincip, welches das gantze Sittengefeß oder die Lehre vom Verhalten des Menschen gegen Menschen im weitesten Unfange, in zwei Worte 11p2in 121 umfaßt. Will man diesen Saß nicht durch menschenfeindliche Eins feitigkeit oder mystischen Überwiß muthwillig verdrehen, und will man dem gefunden. Verstande Gehör geben, so enthält dieses Gebot, welches in den mosaischen Schrif. ten so oft vorkommt, nichts anders, als die Berpflich. tung des Menschen, sich Gott, im Bezug auf seine era habenen moralischen Eigenschaften, als Muster und Bor. bild zu nehmen, und ihm so weit,, als es dem Menschen in seiner Beschränktheit hiernieden möglich ist, in allge. meiner Liebe und Wohltbun, ohne Unterschied auf Stand, Religion oder fonsrige Verhältnisse, nachzuahmen, und fo, wie Gott es ist, nach richtig, tolerant, schonend, mitleidig und barmherzig zu seyn, welches sich felbft bis auf Thiere erstreckt.

Besondere und vorzügliche Kudlicht nimmt das mo." faische Gefeß auf das Verhältniß der Vorgefeßten und Reichen zu den Untergebenen und Dürftigen. Den Miße brauch der Gewalt suchte Gott durch Mofes nicht nur zu beseitigen, sondern durch anbefohlene Milde und Menschlichkeit von Seiten der überlegenen , und willigen Gehorsam von Seite der Unterstehenden, den Unterschied beider Stande, den ganz aufzuheben, die Einrichtung der Welt nun einmal nicht zuließ, so viel als möglich weniger fühlbar zu machen, indem er diejenigen, welche etira ihre Gewalt mißbrauchen follten, so oft auf den Umstand aufmerksam machte, daß fie selbst claven in Ägypten waren. Das heißt, sie sollten aus der Erfabrung gelernt haben, wie es einem Unterdrúdten zu Mus the fen.

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Regenten, Obrigkeiten und Richtern schärfte er all. gemeine und unpartheiifche Gerechtigkeit auf das Nach. Drücklichste ein (5. M. 1,17; 16, 2). "Ilm

ilm Ungerech. tigkeit und übereilung zu verhuiten, follen sie vor dem ju falenden Urtheile die Streitfadie genau untersuchen (5. M. 13, 15). Das Urtheil durfte auf einer einsei, tigen Zeugenaussage nicht gefällt werden (5. M. 19, 15). Jeder Mensch ist verpflichtet, von einer Sache, die er weiß, Zeugenschaft abzulegen (3. M. 21,1). Der fal. sche Zeuge, und um fo mehr der Meineidige, fou uns nach sichtlich bestraft werden (s. M. 19, 20). Um den Cod eines Unschuldiger fo viel möglich zu hindern, mußs ten bei der Hinrichtung die Zeugen zuerst Sand an den Delinquenten legen, wo, wenn noch ein Funfe menschlis chen Gefühls in ihnen sich regte, eß fie zum Wiederruf ihrer falschen Uussage bestimmen mußte (5. M. 1717). Das' Kecht muß für jeden Menschen ohne ansehen der Perfon gesprochen, und Vornehme und Geringe müssen in Rechtssachen gleichgültig behandelt werden (5. M. 1/17). Es darf beim Gerichte weder dem Reichen fein Reichthum , noch dem Armen sein bemitleidenswerther Zustand zu etatten kommen, sondern beide müssen im Bezug auf Gerechtigkeit ohne Rücksicht behandelt werden (2. M. 22, 3). Selbst in Streitsachen zwischen Israe. liten und Nichtisraeliten darf fein Unterschied im Bezug auf Rechtssachen gemacht werden (3. M. 34, 22). Dat Gericht muß vorzüglich sich der Sache der Wittiven, Waisen und fremdlinge, so wie überhaupt aller, die sich selbst zu vertreten nicht im Stande find, doch nur in so weit es der strengen Gerechtigkeit keinen Eintrag thut, mit Nachdruck annehmen (5. M. 37, 14). Haupte fächlich aber wird den Obrigkeiten und Gerichtspersos neu der Geiß und die Habfucht untersagt, und die

Unbestechlichkeit zur Hauptbedingniß gemacht (s. M. 23, 8).

Leibeigenschaft ward -zwar nid)t ganz untersagt, fle gehörte zu den nothwendigen übeln, welche Moses nach den Sitten der damaligen Zeit nicht ganz abschaffen founte, ohne 'noch größere übel herbei zu führen. Aber er wendete alles Mögliche an, um diesen Unglücklichen, denen das größte und edelste Recht des Menschen, die Freiheit nämlich, entzogen ist, ihr Schicksal zu erleich. tern. Auf Menfcheuraub wurde die Todesstrafe gefest (2. M. 20, 15). Ein Mitglied der jüdischen Nation durfte von niemanden, außer von einem Richter Schul. den oder Diebstahls wegen, wenn er das Gestohlene nicht zu erfenen vermochte, oder eine Sochter von ihrem Pas ter, fraft seiner väterlichen Gewalt *), verkauft werden; und auch in diesem Falle fonnte der Verkauf nicht lån. ger als bis zu dem Erlaßjahre, welches ale fieben Jahre eintrat,

seschehen. Ja felbst wenn jemand sich felbst freiwillig verkaufte, fo durfte eß im allerhöchsten Falle nur auf 49 Jahre geschehen, wo sodann der Herr ihm nicht nur die freiheit unentgeltlich gelen mußte, sondern sogar so nianches zur Einrichtung seines anzules

*) über diese damals bereichende Sitte uns hier ganz auße

zusprechen, wäre allzu weitläufig. Men erlaube hier die cinzige Bemerkung, daß, da dieser Verkauf längstens nyr auf sieben Jahre geschehen konnte, ww dann die Freiheit unentgeltlich erfolgen nußte, auch die Herren angewiesen waren, ihre Sllaven menschlich zu behaus deln, so war dieses den Vätern dania!6 eingeräuinte Verkaufsrecht nicht viel mehr, als die noch jett den Vätern zustehende Gewalt, ihre minderjährigen Sinder, die sie nicht ernähren können, in einen Dienst zu ver: miethen. Nur geldichet dieses auf eine kürzere, und damals geschabe es auf eine etwas längere Seit,

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