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Erstes Kapitel. Des Markgrafen Walther Herrschaft, Wefen und Widerwillen gegen

den Eheftand. Am Berge Viso im Lande Piemont im oberen Italien ent: springt der Fluß Po, den schon der römische Dichter Virgil als den König der Flüsse rühmte. Denn, obschon anfangs klein und unbedeutend, wird derselbe doch durch die vielen Gewässer, welche fich in ihn ergießen, ein gar stattlicher Strom, bis er sich durch mehre Múndungen in den Meerbusen von Venedig ergießt. Die Landschaften, welche der Po durch strömt sind úberaus schön und lieblid). Ueppig grånende Wiesen wechseln mit anmuthigen Bergen und schattigen Wäldern, und wohlgebaute Städte, Dörfer und Schloffer sind hier von Altersher gegründet. Unter den Landschaften der Gegend zeichnete sich schon in frühen Zeiten die von Saluzzo aus. Adlige Herren, Ritter und Grafen hatten hier reiche Besikungen, am machtigsten aber unter ihnen war Markgraf Walther, welchem die übrigen alle als ihrem Herrn und Fürsten unterthan waren. Seine vornehme Abkunft und feine vortrefflichen Tugenden machten ihn dieses Vorzuges würdig. Er war ein stattlicher und schöner Herr, lebte, gesegnet mit Kraft und Gesundheit und im blühenden mánnlichen Alter stehend,

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in Lust und Freuden, war aber dabei fromm, gottesfürchtig und aller Ehren werth). Zumeist liebte er die Jagd und andere männliche Vergnügungen, denn nid)ts dúnkte ihın eines Mannes unwürdiger als trage Ruhe. Dein Ehestand war er daher wenig geneigt, denn er glaubte der Mann werde durch ihn verweich- . licht, und fein stolz muthiger Sinn emporte sich, wenn er sah, daß gar häufig im Leben die Ehefrau ihren Mann beherrsche, und sich vorstellte, daß ihm ein Aehnliches begegnen könne. Alfo lebte Markgraf Walther unverehelicht und schien auch künftig in diesem Stande verharren zu wollen.“

3 weites Kapitel. Der Markgraf wird von seinen Unterthanen gebeten eine Gemahlin zu

nehmen.

Die Unterthanen des Markgrafen, welche ihren Herrn liebten, waren über sein unverehelidtes Leben sehr bekümmert, und nadidem sie es lange schweigend angesehen, wurden sie, ends lid, ungeduldig. Die Vornehmsten unter ihnen vereinigten sich, faßten eiy Herz, kamen nad Saluzzo und begehrten mit ihreini Verrn zu reden, weil sie eine wichtige Angelegenheit bei ihin anzubringen hatten. Die Zahl der Kommenden war groß und 1 Markgraf Walther war einen Augenblick in Zweifel ob sie Gutes oder Uebles gegen ihn im Sinne hätten. Weil er selbst aber ihnen niemals Uebles zugefügt, und stets nur das Wohlergehen seiner Unterthanen im Sinne gehabt und gefördert hatte, só ließ er sie in seinen fürstlichen Saal geleiten und trat festen und heitern Muthes mitten unter fie. Ehrfurchtsvoll ward er be: grüßt und nachdem er sie in Güte und Freundlichkeit gefragt, was ihr Begehren sei, sprach einer der vornehmsten und muthigsten etwa folgende Worte : ,,Eure große Guade und Nadha: ficht, hochgeborner gnädiger Herr, geben uns, Euren Unter: thanen, Muth und freudige Zuversicht, daß wir so oft, als die Noth es gebietet, vor Euer Gnaden zu treten, und mit Euch zu sprechen magen. Jeßt aber sind wir hier vor Euch erschienen, nicht ein Jeder in einer andern, nur ihn betreffenden Angelegen: heit, sondern Alle für Einen und Einer für Ade, und wagen Euch eine unterthänige Bitte und Meinung vorzutragen. Euer Gnaden Rede, Wille und That find, wie Solches recht und geziemend, von uns, Euren Unterthanen, stets gut geheißen worden und gewiß sind wir wegen unseres tugendhaften und löblichen Landesherrn glücklich zu preisen. Für die glücklichsten Menschen in ganz Welschland würden wir uns aber erachten, wenn Euer Gnaden einer Bitte Gehör gáben, die wir jekt in Gehorsam und Unterthänigkeit Euch vorzutragen wagen. Ihr wißt, gnädiger Herr, wie schnell und flüchtig dieses Leben dahinschwindet. Die schönste und kraftigste Blüthe des Alters, wie fich Euer Gnaden zur Zeit derselben erfreuen, verwelkt allmählig, und unversehens schleicht das graue und schwache Alter heran. Auch hat weder Jung nod) Alt einen Bürgen für den Tod. Der Tod ist uns Allen gewiß, und ungewiß ist nur Tag und Stunde, wann er kommt. Solches bedenkend bitten wir, Euer Gnaden wollen fidh nach Gottes Ordnung in den Stand der heiligen Ehe be: geben und zwar je eher je lieber Solches ins Werk reben. Wenn Shr nun, gnädiger Herr, auf unsere unterthänige Bitte einzugehen geneigt feid, ro wollen wir mit Eurer Erlaubniß in allen Lándern uns umsehen nach einer durch vornehme Geburt, Reichthum und Tugend Eurer würdigen Braut und künftigen Gemahlin. Alsdann wird es die göttliche Gnade fügen, daß Euer Guaden nicht ohne einen Leibeberbeu bleiben, welcher dermaleinst weise und gnädig über unsere Kinder herrschen moge, ebenso wie Ihr über uns herrsdhet.

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