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Augustus bewogen, den Aelius Gallus mit einem Heere zur ErJ oberung dieses Landes auszusenden?

Aeussere Veranlassungen, wie etwa Feindseligkeiten der Araber, die zu diesem Heereszuge hätten auffordern können, lagen nicht vor; mitten im Frieden mit jenem Volke wurde auf Augustus besonderen Befehl dieser wichtige Zug unternommen. Strabo, der allein unter den alten Schriftstellern uns über die den Augustus bestimmenden Gründe einige Kunde giebt, erzählt, Augustus habe den Feldzug befohlen, weil er hoffte, entweder reiche Freunde zu erwerben, oder reiche Feinde zu besiegen. Es scheint also einfach Gewinnsucht oder Begier nach Schätzen den Augustus zu diesem Feldzuge veranlasst zu haben; und wirklich, wenn wir uns an die Vorstellungen der Römer von den Schätzen dieses Landes erinnern, so mochte Arabien immerhin als das sehr verlockende Ziel eines nach Reichthümern lüsternen Sinnes erscheinen. Von diesem Gesichtspunkte aus wurde auch ohne Zweifel der Feldzug von den Römern angesehen 1). Aber wenn wir bedenken, dass dieses Unternehmen als der einzige von Augustus unternommene Eroberungszug dasteht; wenn wir ferner erwägen, dass Strabo's Worte über die Veranlassung zu diesem Zuge doch an sich nicht ganz deutlich sind und nur oberflächlich befriedigen können, so sehen wir uns aufgefordert, auf Grund jener Worte der Veranlassung zu diesem Feldzuge tiefer nachzuforschen. Wir dürfen den Grund zu diesem Unternehmen nicht in einer persön. lichen Neigung des Augustus, in Arabien Reichthümer zu erwerben, suchen; bei einem Kaiser, in dessen Leben alle Handlungen so von der Politik geleitet waren, dass seine ganze staatsmännische Wirksamkeit als Ein grosses politisches System dasteht, ist das nicht denkbar. In der Politik des Augustus muss auch dieses so bedeutungsvolle Unternehmen seinen eigentlichen Beweggrund haben; sehen wir nun, welches die politischen Erwägungen waren, die ihn dazu bewogen.

Wir sagten schon oben, dass Augustus nicht danach trachtete, das römische Reich durch Eroberungen zu erweitern, sondern

1) Vgl. Merivale, history of the Romans under the empire, Vol. IV, p. 118 f.

sich darauf beschränkte, die Grenzen in ihrem gegenwärtigen Bestande zu erhalten. Er trat mit dieser seiner Politik in Gegensatz zu der bis dahin befolgten. Das römische Volk hatte sicher bereits daran gewöhnt, immer neue Provinzen zu dem Reiche hinzugefügt zu sehen und neue Siege über unterworfene Völkerschaften zu feiern ; es sah in den Triumphzügen seiner Feldherrn nur den Abglanz seiner eigenen Grösse. Mit einer Zeit, die so reich war an glänzenden Thaten kriegerischen Ruhmes, wie die voraufgegangene, konnte Augustus nicht ohne weiteres brechen; er sah sich schon zur Befestigung seiner eigenen Herrschaft genöthigt, dem Sinn und Geist des römischen Volkes durch einen Eroberungszug Rechnung zu tragen. Zu dem Ende aber bot sich ihm kein verlockenderes Ziel als das ferne Arabien. Welche masslosen Vorstellungen über die Herrlichkeiten und Schätze Arabiens bei den Römern herrschend waren, sagten wir bereits ; der Besitz dieses Landes musste ihnen vor allem erwünscht sein, die Eroberung desselben mussten sie als den glänzendsten Triumph betrachten. Und so glauben wir mit Recht annehmen zu können, dass Augustus durch einen Heereszug nach diesem mythischen Fabellande die Ruhm - und Triumphsucht des römischen Volkes, wenn auch zunächst nur im eigenen Interesse, zu befriedigen suchte.

Aber wir haben hierin nicht die alleinige Veranlassung des Zuges zu sehen; um jedoch die anderen Gründe zu erkennen, welche hier mitbestimmend eintraten, müssen wir den Verkehr, in dem Rom zu jener Zeit mit Arabien stand, ins Auge fassen. L

Bekanntlich war schon in den Zeiten vor Augustus der Luxus in Rom sehr hoch gestiegen; unter seiner Regierung griff das Genussleben der Römer nur noch weiter um sich. Nun erhielt Rom fast alle seine Verbrauchsgegenstände, sowohl für den gewöhnlichen Lebensunterhalt wie für den feineren Luxus, aus den Provinzen. Während aber die übrigen Provinzen meistens nur die Gegenstände des nothwendigen Bedarfs lieferten, wurde die ungeheure Menge von Luxuswaaren fast einzig und allein aus Asien, und hier vor allem wieder aus Arabien bezogen. Ein bedeutender Theil dieser Waaren gehörte zu den Erzeugnissen Arabiens selber, dann aber waren die Städte dieses Landes Sammelplätze für die Luxuswaaren Indiens, die von hier dem Westen

zugeführt wurden'). Gewürze, Weihrauch, Cassia, Myrrhe, Narde, Malabathrum und Costum, dann besonders die kostbaren indischen Seidenzeuge, Edelsteine und Perlen bezogen die Römer aus Arabien; ja so einzig war Arabien der Mittelpunkt für den Vertrieb aller dieser Waaren, dass die Römer von einigen derselben nicht einmal bestimmt wussten, ob Arabien, Indien oder Persien die eigentliche Heimath derselben sei 2). Es waren ungeheure Summen, welche diese Luxusgegenstände in Rom alljährlich verschlangen, besonders da sie durch Gewinnsucht und den weiten Transport um das Hundertfache vertheuert wurden 3). Nun aber konnte Rom der unermesslichen Consumtion dieser Waaren keine nur im entferntesten entsprechende Production gegenübersetzen; es hatte fast gar keine italischen Producte gegen diese Luxusartikel umzutauschen. Der Verkehr mit Arabien war von römischer Seite ein blosser Passivhandel. So gingen für Rom alljährlich Millionen verloren, ohne auf dem Handelswege dahin zurückzukehren. Dazu kam, dass auch der Gewinn, den der Transport dieser Waaren abwarf, nicht den Römern zufiel, denn der Handel galt den Römern als ein verabscheuungswürdiges Gewerbe und war fast einzig in den Händen von Peregrinen. Es ist unzweifelhaft, dass Augustus, der die Verhältnisse Roms mit bewunderungswürdigem Scharfblick durchschaute, auch diesen unheilvollen Schaden erkannte, der den Römern so offen vorlag und von den Schriftstellern unverhohlen beklagt wurde. So sagt Plinius 4), wo er bei Gelegenheit jenes Feldzuges von den Völkern des glücklichen Arabien spricht: in universum gentes ditissimae, ut apud quas maxumae opes Romanorum Parthorumque subsistant; vendentibus, quae e mari aut silvis capiunt, nihil invicem redimentibus. Im Hinblick auf die ungeheuren Summen, die der Handel mit Arabien alljährlich verschlang, ruft er an einer anderen Stelle 5) unwillig aus: tanto nobis deliciae et feminae constant! Freilich schrieb er in einer späteren Zeit, aber eine gänzliche Umgestaltung des Verkehrs zwischen Rom und Arabien war noch nicht erfolgt.

1) Plin. VI, 19. VI, 28. 5) XII, 41.

2) Strabo XVI, 782. 3) Plin. XII, 32.

4) Plin. Auf den für Rom so nachtheiligen Handelsverkehr mit Arabien deutet Strabo vielleicht unbewusst hin, indem er bei Erwähnung von Augustus’ Feldzugsplan die Bemerkung einschiebt, dass die Araber ihre Gewürze und Edelsteine gegen Gold und Silber verkauften, aber aus ihrem Lande nichts von dem wieder herausgehen liessen, was sie eingehandelt hätten. So wenig wir nun zweifeln können, dass Augustus diese Verhältnisse klar erkannte, so gewiss ist es auch, dass er, der zur Förderung des allgemeinen Wohls der Hebung des Handels vorwiegende Sorge zuwandte 1), hier Abhülfe zu schaffen unternahm; und dieser Gesichtspunkt ist für den Feldzug des Aelius Gallus von Bedeutung. Wenn man nun aber meinen wollte, Augustus habe durch dieses Unternehmen nur die Sammelplätze der in Rom so verbreiteten Luxusartikel in die Hände der Römer bringen wollen, eine Meinung, zu der sich Merivale hinneigt, so tritt diese Annahme in Widerspruch mit dem ganzen politischen Systeme und dem daraus hervorgehenden Verfahren des Kaisers. Augustus erkannte auf das klarste, dass die Grundschäden, an denen Rom krankte, zum grossen Theil in dem herrschenden Genussleben lagen, und machte es sich zu einer Hauptaufgabe, dieser sittlichen Entartung durch Gesetze zu steuern 2). Da dieses Streben sich durch seine ganze politische Wirksamkeit hindurchzog, so konnte er unmöglich plötzlich einen Weg, der seinen so consequent verfolgten Principien geradezu entgegenlief, einschlagen. Wenn er aber einerseits bemüht war, der wachsenden Genusssucht in Rom Schranken zu setzen, so konnte er sich andererseits doch nicht verbergen, dass er im wesentlichen nichts gegen diesen seine Zeit beherrschenden Geist auszurichten vermöge; das Einzige, was ihm übrig blieb, aber sich ihm auch mit zwingender Gewalt aufdrängen musste, war die Aufgabe: zu verhüten, dass der auf dem Genussleben Roms ruhende, grossartige Handelsverkehr mit Arabien alljährlich die ungeheuersten Summen verschlang. Und so dürfen wir nach alle diesem wohl mit Recht sagen: Augustus wollte mit jenem Heereszuge des Aelius Gallus nicht nur die Ruhm- und Triumphsucht des römischen Volkes befriedigen, sondern auch zugleich den Versuch machen, die unglückseligen Handelsbeziehungen zu Arabien in einer für Rom vortheilhaften Weise umzugestalten, indem er Arabien auf irgend eine Art in das Netz des römischen Staatenverbandes hineinzog. Diese unsere Auffassung tritt in keinen Widerspruch mit den oben angeführten Worten des Strabo, dass Augustus es hauptsächlich auf die Reichthümer der Araber abgesehen hatte; nur sagen wir: Augustus hatte es nicht sowohl auf die von den Arabern einmal gesammelten Reichthümer abgesehen, als vielmehr auf die fortdauernd fliessende, ergiebige Quelle derselben: und das war der Handel. Letzteres war auch den tiefer blickenden Römern – und am wenigsten dem Augustus – keinesweg unbekannt, denn so erzählt uns Strabol), dass Arabien zu Homer's Zeiten ein ganz armes Land gewesen sei und erst durch den nach allen Seiten hin in grossartigster Weise ausgebreiteten Handel die jetzigen Reichthümer erworben habe, und ebenso weist Diodor 2) hin auf den Handel der Araber, als auf die Ursache ihres grossen Reichthums.

2) Dio. 54, 2; ib. 16; Sueton.

1) Strabo III, 144; Sueton. Aug. 98. Aug. 40.

Da die Römer sich doch einmal nicht selbst mit dem Handel befassten, so ist es am wahrscheinlichsten, dass Augustus beabsichtigte, den Endpunkt des bedeutenden Verkehrs zwischen Arabien und Indien nach Aegypten zu verlegen. Aegypten, und vor allem der Handel dieses Landes, war ja Gegenstand der grössten Fürsorge des Augustus 3). Es brachte aber auch keine Provinz dem römischen Staate so viel ein wie Aegypten; die ägyptischen Zölle für eingeführte und wieder vertriebene Waaren bildeten eine Hauptquelle der Einkünfte Roms 4); Aegypten konnte mit Recht sagen, dass es Rom ernähre 5). So liefen denn die Interessen Aegyptens und Roms zum grossen Theil parallel. Treffend bemerkt Hoeck: „Aegypten behandelte Augustus wie seine Privatdomäne; indem er ihr die Quellen des Wohlstandes mehrte, hob er auch den Ertrag derselben, womit er grossmüthig Rom nährte 6).“. Dass aber eine vortheilhafte Umgestaltung des Handelsverkehrs mit Arabien und insbesondere die Verlegung des Handels von Arabien nach Aegypten ein von Augustus erstrebtes

4) ib.

1) I, 39. 2) II, 54; III, 47. 3) Strabo XVII, 798. 5) Plin. Panegyr. 30. 31. 6) Röm. Gesch. I, 1 p. 360.

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